Die Ar­chi­tek­tur ist ni­cht mehr in Mo­de

Mode und Architektur – bislang verfolgten die beiden Disziplinen eher unterschiedliche Absichten. Wäre es denkbar, dass ihr grösstes Bestreben heute darin besteht, Konventionen zu brechen?

Data di pubblicazione
05-11-2019

Kunstgeschichtlich betrachtet verfolgten Mode und Architektur selten gemeinsame Absichten. Die Mode bezog sich stets auf den Massstab des Körpers und dessen vielfältige Ausdrucksformen. Die Architektur bezog sich hauptsächlich auf die Umwelt und deren Transformation. Die ersten Verbindungen zwischen diesen beiden kreativen Welten im 20. Jahrhundert schienen kaum mehr als gegenseitige Marketingaktionen zu sein. Heute verfolgen die beiden Kunstgattungen jedoch ein weit ehrgeizigeres gemeinsames Ziel: Sie wollen die gegenwärtigen Konventionen des Gewöhnlichen durchbrechen.

Aus diesem neuen Konsens ist eine der erfolgreichsten künstlerischen Kooperationen der letzten 20 Jahre entstanden: das Projekt des Architekten Rem Koolhaas und seines Büros AMO/OMA für die italienische Modeschöpferin Miuccia Prada und ihrer gleichnamigen Modemarke. Der Architekt war fasziniert von der Geschwindigkeit und der Effizienz des Modedesigns und fand in der Zusammenarbeit mit Prada ein weites, befreiendes Experimentierfeld, das den Wunsch weckte, über alle Ebenen hinweg neue Realitäten zu schaffen.

espazium.ch schaut hinter die Kulissen der auf den ersten Blick elitären Verbindung und lädt Sie ein, die facettenreiche Beziehung zwischen Mode und Architektur zu entdecken. Das Themendossier geht der Frage nach, welche Vorteile die so dauerhaft angelegte Architektur aus dem Zusammenwirken mit einer der kurzlebigsten und vergänglichsten Kunstgattungen gewinnen kann, und untersucht dazu konkrete Beispiele wie die ersten Umsetzungen des Architekten Roberto Baciocchi, die von OMA und Herzog & de Meuron erdachten Epizentren, das jüngste städtebauliche Wunderwerk von Rem Koolhaas in Mailand und die Gestaltungsfreiheit der Hochschule für Kunst und Design (HEAD) in Genf.

Denn bei näherer Betrachtung sind Mode und Architektur einander gar nicht so fern. Beide wirken – in unterschiedlichem Abstand – als Filter zwischen dem Menschen und seinem Lebensraum. Man muss nur ihre Fähigkeiten erkennen, die Komplexität der heutigen Welt zu einem kohärenten Ganzen und gleichzeitig Unvorhersehbaren zu formen und zu verdichten.Beide Künste bieten sich heute als authentische Laboratorien an, in denen avantgardistische Formen und Räume erprobt und die künstlerischen und kulturellen Paradigmen unserer Zeit antizipiert werden können – und dies, ohne gleich «neue Modetrends» setzen zu wollen.

Mit «Prada Experience» lanciert espazium.ch seine neue Online-Themenreihe. In diesen Dossiers greifen wir aktuelle Themen zur Baukultur auf, die nach und nach um weitere Beiträge ergänzt werden.

In dieser Serie erschienen:


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