SIA in der Sal­vi­sberg-Her­zog-&-de-Meu­ron-Zwick­mü­hle

Die Firma Roche plant in Basel den Ausbau ihres Campus. Schweizer Architektur-Ikonen sollen Neubauten von Herzog & de Meuron weichen. Ein Kommentar von Ivo Vasella, Co-Leiter Kommunikation beim SIA.

Data di pubblicazione
20-04-2020
Ivo Vasella
dipl. Arch. ETH/SIA, Co-Leiter Kommunikation, Mediensprecher

Hier der Salvisberg-Bau, der im schweizerischen Inventar für Kulturgüterschutz als A-Objekt von nationaler Bedeutung gelistet ist. Dort der geplante Neubau von Herzog & de Meuron – dazwischen der SIA. Die Medien drängen ihn zu einer Stellungnahme.

Aber was für eine Haltung soll der SIA vertreten? Soll er die Bauten von Otto Rudolf Salvisberg verteidigen und seinem Mitglied Herzog & de Meuron damit einen Bärendienst erweisen? Oder den Ersatzneubau als beste Lösung loben und damit den Unmut der Baukulturhistoriker hervorrufen? Oder soll er gut schweizerisch neutral bleiben, indem er verlauten lässt, das müsse die Denkmalpflege entscheiden und es sei ja immer auch eine Interessenabwägung?

Bei letzterer Reaktion muss sich der SIA womöglich vorwerfen lassen, er habe keine eigene Meinung. Trilemma, nennt sich diese Situation, in der sich der SIA nicht zum ersten Mal befindet. Will heissen, der SIA hat zwar drei Verhaltensmöglichkeiten, aber jede von ihnen führt zu einem unerwünschten Resultat. Der SIA kann und will in dieser Causa nicht richten – das gilt auch für viele ähnlich gelagerte Fälle.

Um ihrem Anliegen Gewicht zu verleihen, wird der SIA oft von seinen Sektionen gedrängt, eine lokale Diskussion auf die nationale Ebene zu tragen. Das erklärte Ziel des SIA ist sein Einsatz für einen zukunftsfähigen Lebensraum und eine Baukultur von hoher Qualität.

In der Realität sind diese ambitionierten Ziele jedoch nicht immer einfach abzugrenzen. Denn bisweilen müssen klare Entscheide gefällt werden, die auch ein Opfer verlangen. Jede Sichtweise – ob pro oder contra Abbruch des Salvisberg-Baus – hat ihre eigene berechtigte Wahrheit. Aber vielleicht sollten sich die Beteiligten auch manchmal ehrlich fragen: Welche Agenda bedienen sie mit ihrem Anliegen – ihre eigene oder die eines höheren Ziels?

Den Hintergrundartikel zum Thema finden Sie hier.

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