Ein Lau­ben­gang als Treff­punkt

Das Projekt «Einfaches Wohnen» in Bubikon ZH von Baubüro in situ interpretiert die Aufnahme von Flüchtlingen als würdiges Wohnen neu. Holzmodule, gemeinschaftliche und flexible Räume, ein zentraler Innenhof und Laubengänge verwandeln das Provisorische in ein Zuhause und etablieren Fürsorge, Gerechtigkeit und Integration als architektonische Prinzipien.
 

Publikationsdatum
19-11-2025

Der Originalartikel «Un por­ti­co per tes­se­re re­la­zio­ni» wurde von Hind Al-Shoubaki und Stefano Zerbi verfasst und ist in Archi 05/2025 erschienen.

 

Diese Zusammenfassung wurde von KI Claude erstellt, von DeepL übersetzt und von den Redaktionsteams von espazium - Der Verlag für Baukultur überprüft.


Im Gegensatz zum Paradigma der Containerlager und provisorischen Unterkünfte zeigt das Projekt, dass auch temporäres Wohnen als Zuhause konzipiert werden kann. Dieses Prinzip der «Integration durch würdiges Wohnen» konkretisiert sich in der Anlage, der Bauweise und der Atmosphäre und verwandelt die Aufnahme von Geflüchteteten in einen architektonischen Akt der Fürsorge und Gerechtigkeit.

Das Projekt wurde unter engen finanziellen und zeitlichen Auflagen entwickelt und nutzte vorgefertigte Holzmodule für eine schnelle Umsetzung. Das Ergebnis widersteht jedoch dem Minimalismus der Notlage und verfolgt eine reduzierte Architektur, die dennoch grosszügig bleibt. 

Offene Räume, geschützte Räume

Zwei langgestreckte, leicht versetzt angeordnete Baukörper umschliessen einen geschützten Innenhof in der Mitte des Ensembles. Diese Massnahme vermeidet eine starre Parallelität und schafft eine Öffnung, die den Dialog mit dem umliegenden Dorf verstärkt. Der Grundriss zeigt, wie die Siedlung ihre Grenzen aushandelt: Auf der einen Seite schirmt sie den Friedhof ab, auf der anderen Seite öffnet sie sich zum Gemeinschaftshaus und den Wegen des Dorfs. Ein bereits existiertender Baum wird zum Mittelpunkt des Hofs.

Der Innenhof fungiert als sozialer Katalysator des Projekts. Seine Grösse ermöglicht sowohl gemeinsame Aktivitäten als auch Momente der Zurückgezogenheit: Kinder spielen dort unter den Augen ihrer Eltern, Nachbarn treffen sich im Vorbeigehen, die Bewohnenden teilen ihren Alltag miteinander. 

Geschützt durch den Friedhof und gleichzeitig offen zum Dorf hin, schafft der Innenhof ein Gleichgewicht zwischen Privatsphäre und Sichtbarkeit und bekräftigt das Recht der Bewohnerinnen und Bewohner auf Präsenz und Anerkennung. Die Erschliessung erfolgt über Laubengänge. Wie die Pläne und Schnitte zeigen, sind diese Schwellen mehr als nur Korridore: Sie sind Treffpunkte, ermöglichen persönliche Aneignungen und vermitteln zwischen Innen und Aussen.  

Die Materialwahl spiegelt die Ethik des Projekts wider. Das verwendete Rohholz garantierte eine schnelle und wirtschaftliche Konstruktion und sorgte gleichzeitig für Wärme, akustischen Komfort und taktile Vertrautheit. Die Innenräume widersetzen sich dem institutionellen Stigma und fördern die Wohnlichkeit. 

Licht und Ausblick sind gleichmässig verteilt. Jede Wohnung ist zum Innenhof oder zur Landschaft ausgerichtet, wodurch räumliche Gerechtigkeit beim Zugang zu natürlichem Licht und Ausblick gewährleistet ist. So werden architektonische Details zu Instrumenten der Würde.

Flexibilität über verschiedene Zeiträume hinweg

Die Anpassungsfähigkeit zeichnet das Projekt zusätzlich aus. Verbindungstüren zwischen den Einheiten ermöglichen flexible Konfigurationen von 1,5 bis 4,5 Zimmern, wodurch unterschiedliche Familienstrukturen und sich ändernde Bedürfnisse berücksichtigt werden können und die für Flüchtlingsunterkünfte typische typologische Starrheit vermieden wird. 

Das modulare Holzsystem ermöglicht zudem eine spätere Umwandlung in erschwingliche Wohnungen für Studenten, Senioren oder Familien mit geringem Einkommen. Durch die Integration der Anpassungsfähigkeit stellt das Projekt sicher, dass die heutigen Investitionen in die Unterbringung zu einer zivilen Infrastruktur für morgen werden.

All diese Strategien zusammen machen «Einfaches Wohnen» zu einem Teil einer umfassenderen Diskussion über Architektur, die als Fürsorge verstanden wird. Die Innenräume schaffen eine heilende Atmosphäre, in der die Wärme des Holzes, das natürliche Licht und die richtigen Proportionen der Anonymität des provisorischen Wohnens entgegenwirken. 

Statt Infrastruktur: Wohnen

Die Schwellen der Balkone und der Innenhof bilden durchlässige Grenzen, die zur Geselligkeit einladen, ohne sie aufzuzwingen. Letztendlich veranschaulicht das Projekt einen Übergang von der Infrastruktur zum Wohnen: Über die reine Funktionalität hinaus schafft es Bedingungen für das tägliche Leben, die Aneignung und die Anerkennung. 

Bubikon definiert so die Aufnahme als Recht auf ein Leben in Würde neu und zeigt, wie Architektur Not in Fürsorge und Zuflucht in Beziehung verwandeln kann.

Wohnungen für Geflüchtete, Bubikon ZH

 

Bauherrschaft
Gemeinde Bubikon

 

Architektur 
baubüro in situ, Zürich

 

Generalunternehmung 
Schaerholzbau, Altbüron 

 

Tiefbauplanung 
JägerPartner, Zürich

 

HLKS-Planung
OLOS AG, Baar

 

Elektroplanung 
eik engineering, Winterthur

 

Fenster- und Türenplanung 
etz Fensterbau, Schötz

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