Edi­to­rial

Energiezentrale kenova

Data di pubblicazione
24-06-2026
Judit Solt
Fachjournalistin BR, Chefredaktorin espazium magazin

Die Energiezentrale kenova in Zuchwil ist seit Sommer 2026 in Betrieb. Zwischen dem Vorprojekt 2015 und der Fertigstellung des Neubaus vergingen zehn Jahre – eine Zeit, die angesichts der spektakulären Grösse und der technischen Komplexität der Anlage kurz anmutet, in der sich die Erwartungen an das Projekt jedoch merklich gewandelt haben. 

Heute geht es bei der Kehrichtverwertung nicht mehr nur darum, brennbaren Abfall thermisch zu verwerten und Fernwärmenetze zu speisen. Neue Anlagen beschränken sich nicht darauf, die negativen Folgen unserer Wegwerfgesellschaft möglichst unauffällig aus der Welt zu schaffen. Sie haben auch selbst höchste Anforderungen an Kreislaufwirtschaft und Klimafreundlichkeit zu erfüllen. Sie sollen ressourcenschonend errichtet, ökonomisch und ökologisch effizient betrieben, flexibel adaptierbar und zukunftsfähig sein, CO₂-neutrale Energie produzieren; ihre Fassaden sind mit Photovoltaik zu bestücken oder zu begrünen, ihre Umgebung muss klimafreundlich und biodivers sein. Und sie sollen ihre Funktion nicht nur erfüllen, sondern auch deren gesellschaftliche Relevanz als öffentliche Bauten verkörpern und vermitteln. 

Diese mehrfache Leistung erbringt die Energiezentrale kenova durch das Zusammenwirken von städtebaulicher Positionierung, modernster Anlagetechnik und architektonischem Ausdruck. Das gigantische Volumen setzt einen Akzent am Zusammenfluss von Emme und Aare, kontrastiert mit seiner Skulpturalität die organische Flusslandschaft entlang des Jurabogens, behauptet sich vor den hohen Felswänden des Jurasüdfusses und präsentiert sich der Nachbarschaft mit fein gegliederten, sorgfältig materialisierten Fassaden, die mit Jurakalkeinlagen auf diesen Kontext referenzieren.

Diese Synthese von Form, Funktion und Sinnhaftigkeit konnte nur dank einer intensiven, auf Vertrauen und Kompetenz basierenden interdisziplinären Zusammenarbeit zustande kommen. Eine Reflexion aus unterschiedlichen Fachgebieten erlaubt es, Lehren aus diesem vorbildlichen Projekt zu ziehen.

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