Ein re­gio­nales Wahr­zei­chen

Schweizer Ingenieurbaukunst

Beim Bau der Fuss- und Radwegbrücke von Staderas über die Kantonsstrasse nach Laax kam weitgehend lokales Vollholz zum Einsatz. Durch den speziellen, geschichtenen Aufbau konnte Material beim Fahrbahnträger gespart werden.

Date de publication
24-05-2017
Revision
02-06-2017
Thomas Ekwall
MSc. EPFL Bau-Ing., MAS ETHZ Arch., Korrespondent TEC21

Mit der Überführung Punt Staderas setzte der auf Holzbau spezialisierte Bauingenieur Walter Bieler aus Bonaduz ein Wahrzeichen für die Gemeinde Laax. Konsequent leitete er seinen Entwurf aus dem lokal produzierten Schnittholz ab und bewies die Effizienz der eigens entwickelten Holzverbindungen anhand von Materialversuchen an der EMPA.

Das Sommerangebot der Erholungsgebiete um die Gemeinden Flims und Laax nimmt von Jahr zu Jahr zu. Unweit des Sportzentrums Prau la Selva kamen sich die Velofahrer und der Autoverkehr der Oberalpstrasse N19 je länger je mehr in die Quere. Gestützt auf dem Entwicklungsplan der Raumplanerin Esther Casanova vergab die Gemeinde Laax einen Studienauftrag an zwei Ingenieurbüros. Der Rad- und Fussgängerverkehr sollte über die Hauptstrasse geführt werden. Walter Bieler erhielt mit seiner Holzkonstruktion den Zuschlag für die Ausführung. 

Sprengwerk mit Ständern

Bei seinem Entwurf setzte sich ­Bieler stark mit den lokalen Baumaterialien und der Landschaft aus­einander. Die viaduktartige Überführung mäandriert entlang des Waldrands und verbindet Staderas mit Laax Murschetg auf der anderen Seite der Hauptstrasse. Die Gesamtlänge von rund 125 m ist in neun unterschiedlich lange Felder aufgeteilt. Die Fahrbahn aus Gussasphalt ist 2.5 m breit und überquert das 5.0 m hohe Lichtraumprofil der Kantonsstrasse mit einer sanften Neigung von 6% behindertengerecht. Das Tragwerk ist eine Aufreihung von Sprengwerken mit Ständern. Die Ständer bestehen aus drei in Längsrichtung gefächerten Pfostenreihen, die sich im Querschnitt – dem Witterungsschutz gerecht werdend – nach unten verjüngen. An den Enden steht die Brücke auf Stahlbetonwiderlagern mit leicht gestockter Oberfläche.

Das Tragwerk besteht ausschliesslich aus Holzquerschnitten der Abmessungen 160/240 mm. Abgesehen von der Hauptspannweite über die Kantonsstrasse, wo die Längsträger als Brettschichtholzbalken zusammengesetzt sind, kam Vollholz der Klasse C24 zum Einsatz. Der Brückenträger ist als Balkenrost ausgebildet, der in Längsrichtung als Vierendeelträger wirkt. Der Rost besteht aus zwei stehenden Lagen aus je vier Längsträgern und einer Zwischenschicht mit liegenden, alle 1.05 m angeordneten Querträgern. Aufgrund des geschichteten Aufbaus konnte Bieler die statische Höhe des Fahrbahnträgers von 0.64 m mit reduziertem Materialverbrauch realisieren.

Die Tragfähigkeit und Steifigkeit der geschraubten Verbindung von Längs- und Querträger liess Bieler an der EMPA anhand von Abscherversuchen nachweisen. Die ausgezeichneten Resultate bestätigten einmal mehr die Effizienz des unkonventionellen Aufbaus.

Charakteristisches Bauwerk

Das Bauwerk wirkt expressiv und als Pendant zur traditionellen Blockbauweise fast archaisch. Ausgehend vom Material und mit sorgfältig ausgearbeiteten konstruktiven Details entwickelte Bieler ein optimales Tragwerk. Aus eigener Überzeugung ist er dem lokalen Bauholz treu geblieben und hat der Gemeinde Laax ein in jeder Hinsicht regionales Wahrzeichen geschenkt. 

Eine ausführlichere Version dieses Artikels ist zuerst erschienen im dreisprachigen Buch «Schweizer Ingenieurbaukunst 2016/2017» (vgl. Kasten).

Am Bau Beteiligte


Bauherrschaft
Politische Gemeinde Laax


Ingenieur
Walter Bieler AG


Lichtplaner
Zumtobel Licht AG

Angaben zur Publikation
 

Clementine Hegner-van Rooden et al.: Schweizer Ingenieurbaukunst – L’art des ingénieurs suisses – Opere di ingegneria svizzera – 2015/2016.
Espazium – Der Verlag für Baukultur, Zürich 2016, 128 Seiten, 21 × 29.7 cm, Softcover; dreisprachig deutsch, französisch, italienisch; zahlreiche farbige Pläne und Abbildungen, ISBN 978-3-9523583-4-4, Fr. 45.–;
im Buchhandel oder Bestelladresse: buch@espazium.ch


Schweizer Ingenieurbaukunst 2017/2018

Ermutigt durch den grossen Erfolg von «Schweizer Ingenieurbaukunst 2015/2016», plant espazium – Der Verlag für Baukultur, unterstützt durch die Verbände usic und SIA, den nächsten Band: «Schweizer Ingenieurbaukunst 2017/2018» (vgl. «Call for papers»).

Bereits die erste Projektsammlung erregte eine für Fachbücher aussergewöhnlich hohe Aufmerksamkeit. Deshalb würdigen wir herausragende Ingenieurwerke, die in den nächsten zwei Jahren fertiggestellt werden, in einem neuen dreisprachigen Buch. Erscheinen soll es im November 2018, bei ausreichender Nachfrage ist zusätzlich eine englische Ausgabe vorgesehen.

Bitte schicken Sie Ihre besten Projekte an tec21@tec21.ch.

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