Sim­sa­la­bim: Aus Bü­ros wer­den Woh­nun­gen!

Ein ehemaliges Bürogebäude im Norden Basels wurde zu einem Wohnhaus umgebaut. Das «CoDeck» bietet Kleinwohnungen sowie Arbeits- und Proberäume für Musikschaffende. Mit der Absenkung des Hochparterres auf Strassenniveau öffnet sich das Gebäude geschickt zum Quartier.

Publikationsdatum
04-12-2025

Durch den Umzug des Amts für Umwelt und Energie (AUE) wurde das Bürogebäude in Kleinhüningen im Norden der Stadt Basel frei. Die Liegenschaft wurde 1965 nach Plänen von Hans Meyer als Verwaltungsgebäude für das Rheinschifffahrtsamt erstellt. Der Ort ist geprägt durch den schroffen Gegensatz von imposanten Industrieanlagen um den Rheinhafen und dem idyllischen Dorfkern von Kleinhüningen. 

Die Strassenfassade ist zur Wiese gegen Süden hin orientiert, während die Nordfassade auf einen beengten Innenhof und das Lagerhaus gegenüber ausgerichtet ist. Die Tragstruktur aus Stahlbeton besteht aus Stützen und Platten mit einem aussteifenden Treppenhaus. 

Offener Wettbewerb

2019 hat Immobilien Basel einen Wettbewerb im offenen Verfahren zur Umnutzung in Kleinwohnungen ausgeschrieben. Das Interesse war gross, es gingen 121 Beiträge ein. Ein kniffliger Punkt der Aufgabenstellung war die stark übernutzte Parzelle, weshalb der Umbau die Mantellinie des bestehenden Gebäudes nicht überschreiten durfte. 

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Zudem verfügt das Gebäude über grosse unterirdische Flächen in den beiden Untergeschossen, die als Autoeinstellhalle und Archiv verwendet wurden, für die eine neue Nutzung gefunden werden musste. Eine weitere Schwierigkeit war, dass nur ein Treppenhaus vorhanden war, was zur Erschliessung aller Kleinwohnungen nicht genügte.

Laube ohne Gang

Das Siegerprojekt «Promenadendeck» der Kooperative E45 schlug eine Laube gegen Süden zur Wiese vor. Diese Disposition verblüfft, da Laubengänge in der Regel zur unattraktiven Seite hin angeordnet werden. Das zweitrangierte Projekt schlug einen Laubengang auf der Nordseite des Gebäudes mit einer neuen Treppe vor. Der mit dem dritten Preis ausgezeichnete Beitrag wiederum löste die Erschliessung mit einer Rue intérieure. 

Im Vergleich der unterschiedlichen Lösungsansätze hat sich schliesslich die Laube als Erschliessung und Erweiterung der Wohnräume durchgesetzt. Der Ansatz besticht durch minimale Eingriffstiefe, bei dem das bestehende Tragwerk mit dem Treppenhaus weitgehend erhalten blieb. 

Er ist in der Kombination von Erschliessung und Aussenraum der Wohnungen sehr effizient. Auch die Anbindung an den Strassenraum und damit an das Quartier ist mit der Absenkung des Hochparterres gut gelöst. Der überhohe Gemeinschaftsraum und die zweigeschossigen Ateliers sind direkt vom Trottoir aus erreichbar. 

Vom AUE zum «CoDeck»

Abgesehen von kleinen Modifikationen hat sich das Projekt seit dem Wettbewerb nicht verändert. Auch beim Innenausbau wurde das Konzept der minimalen Eingriffstiefe konsequent weiterverfolgt. Der Rohbau blieb weitgehend roh, die Leitungen wurden sichtbar geführt und auch bei der Haustechnik galt die Devise «Lowtech». 

Die 28 mehrheitlich 2- und 3-Zimmer-Wohnungen im «CoDeck», so der neue Name des ehemaligen Bürogebäudes, entstanden im Rahmen des kantonalen Wohnbauprogramms 1000+. Erfüllt man die Vorgaben des Mietvertrags Plus bezüglich Belegung, Wohnsitz und Einkommen, sinkt die Miete um 20 %. Die Hälfte der Wohnungen ist bereits vermietet. 

Kleinwohnungen

Die Wohnungen zeichnen sich durch eine durchgängige Raumfolge von der Laube zum Wohnraum mit Küche über die innenliegenden Sanitärzellen bis zu den hofseitigen Schlafzimmern aus. Diese Typologie der «durchgesteckten Wohnungen» erlaubt es, die Schlafzimmer hofseitig anzuordnen, obwohl der gesetzlich vorgeschriebene Lichteinfallswinkel für Wohnräume im engen Hof nicht erfüllt ist. 

Im ersten Obergeschoss können die kleine Dusche und das Waschbecken im Schrank mit vier grossen Flügeltüren zu einem grossen, zentralen Raum oder wahlweise dem Wohn- oder dem Schlafbereich zugeschlagen werden. Auf jedem Geschoss stehen der Mieterschaft gemeinsam nutzbare Waschküchen und Schränke zur Verfügung.

Räume für Musikschaffende

Mit tonRaum konnte eine Partnerin mit einem überzeugenden Nutzungskonzept gefunden werden, die auch bereit war, die Verwaltung der insgesamt 700 Quadratmeter grossen Gewerbefläche und des Gemeinschaftsraums zu übernehmen. 

Die Räume der ehemaligen Autoeinstellhalle und des Archivs in den beiden Untergeschossen werden neu als Probe- und Arbeitsräume für Musikschaffende genutzt. Die grossen Räume im ersten Untergeschoss können stunden- oder tageweise gemietet werden und sind durch Oberlichter natürlich belichtet. 

Für die kleinen Räume im zweiten Untergeschoss ist eine feste Vermietung vorgesehen. Um die Kosten moderat zu halten, stehen die Räume nur für Musik mit akustischen Instrumenten zur Verfügung. Im Attikageschoss können drei Zimmer von der Mieterschaft und von auswärtigen Musikschaffenden gebucht werden. 

Verankerung im Quartier

Der Gemeinschaftsraum im Erdgeschoss wird ebenso von tonRaum bewirtschaftet und steht auch der Quartierbevölkerung für Veranstaltungen zur Verfügung. Eine architektonisch gelungene Transformation von Büros zu Wohnraum, die sich mit dem Bezug der Wohnungen hoffentlich auch im Quartier verankern wird. 

Umbau Hochbergerstrasse, Basel

 

Bauherrschaft: Einwohnergemeinde der Stadt Basel, vertreten durch Immobilien Basel-Stadt 

Bauherrenvertretung: Städtebau & Architektur Basel-Stadt

Architektur: Kooperative E45, Basel

Baumanagement: Eitel & Partner, Basel

 

Fertigstellung: 2025

Raumprogramm: 28 Wohnungen im Wohnbauprogramm 1000+, Gemeinschaftsraum und ca. 700 m2 Arbeits- & Proberäume. 

Bauvolumen: oberirdisch: 8’793 m3, unterirdisch: 5’160 m

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