ATU Prix 2012

Bereits zum 10. Mal seit 1988 vergibt die Stiftung Bernischer Kulturpreis für Architektur, Technik und Umwelt den ATU Prix. Ausgezeichnet wurden sechs disziplin­über­greifend erarbeitete Vorzeigeprojekte im Kanton Bern.

Publikationsdatum
20-09-2012
Revision
01-09-2015

Im Fokus des alle drei Jahre vergebenen ATU Prix steht die interdisziplinäre Zusammenarbeit bei Werken und Planungen in den Bereichen Architektur, Technik und Umwelt, die wegweisend sind und über die Kantonsgrenze von Bern hinausstrahlen. Die Auszeichnung geht an die Auftraggeber und die Planerteams.
In diesem Jahr gingen bei der Stiftung Bernischer Kulturpreis für Architektur, Technik und Umwelt insgesamt 49 Projekte ein. Eine vielseitig besetzte elfköpfige Jury bestimmte anhand der Kriterien Signalwirkung, Interdisziplinarität, Nachhaltigkeit, Gebrauchswert und Nachvollziehbarkeit des Entstehungs- bzw. Planungsprozesses in zwei Rundgängen elf Projekte für die engere Wahl. Als Besonderheit des Verfahrens besichtigt die Jury diese Finalisten vor Ort, um sich ein umfassendes Bild zu machen und abschliessend die sechs Projekte für die gleichwertige Auszeichnung festzulegen. 

Grimseltor in Innertkirchen:
Die Gemeinde Innertkirchen suchte in einem mutigen Prozess eine Lösung, um einen Lebensmittelladen im Dorfzentrum zu halten. Der multifunktionale Neubau von Gschwind Architekten aus Basel, mit Unterstützung des örtlichen Bauleiters Beat Schäfer, ist das Ergebnis eines Wettbewerbs. Die öffentliche Jurierung, an der sich bis zu 100 der 915 Einwohner beteiligten, verhalf dem Projekt zu genügend Rückhalt in der Gemeinde. Das abgewinkelte, polygonale Gebäude ist ein ein- bis zweigeschossiger Bau, der zur Strassenkreuzung hin einen Platz mitsamt Dorfbrunnen aufspannt. Unter einem Dach sind ein neues Lebensmittelgeschäft mit integrierter Poststelle, ein Tourismus- und Infozentrum sowie ein Saal mit 150 Sitzplätzen und Foyer vereint – stirnseitig ist zudem eine Bushaltestelle integriert. 

Uferweg in Thun:
Vom Bahnhof führt das über 25 Jahre hartnäckig erarbeitete Teilstück des Wegs um das Thuner Seebecken entlang der Aare durch ein Gebiet, das der Öffentlichkeit jahrzehntelang entzogen war. Durch die Überlagerung von historischen Spuren der früheren industriellen Nutzungen mit einer zurückhaltenden, fast informell wirkenden Intervention entwickelten die Thuner Architekten von Lohner + Partner mit den Ingenieuren von B + S eine ruhig gestaltete Promenade, die eine empfindliche Lücke im Wegenetz schliesst. 

Hauptgebäude BASPO, Magglingen:
1970 gestaltete der Architekt Max Schlup mit dem Hauptgebäude des Bundesamts für Sport (BASPO) oberhalb von Biel einen Vorzeigebau der Solothurner Schule. Die Instandsetzung und Modernisierung des Baus durch das Team um spaceshop Architekten und Planer aus Biel überzeugt durch das sorgfältige und ausgewogene Vorgehen: Ohne die strenge räumliche und konstruktive Ordnung Schlups zu stören, konnte der Betriebsenergieverbrauch um 80% auf Minergiestandard vermindert werden. Durch das gemeinschaftliche, gewissenhafte, kreative und pragmatische Herangehen von Planern, Auftraggeber und Behörden wurden dabei die originalen Bauteile so weit wie möglich erhalten. So werden etwa die Fassadenpaneele und -träger aus wetterfestem Stahl und sekundäre Bauteile wie Radiatoren und Geländer weiterhin benutzt. 

Tram Bern West:
15 Jahre dauerte es von der Idee bis zur Inbetriebnahme der 6.8km langen Tramstrecke mit 19 Haltestellen zur öffentlichen Erschliessung der bestehenden Quartiere und der Stadterweiterungsgebiete im Westen von Bern. Die Integration der Tramlinie in teilweise dicht bebaute Stadtgebiete war nur durch die intensive interdisziplinäre Zusammenarbeit zahlreicher Planer, den politischen Willen und die Bürgerbeteiligung möglich. 

Tramdepot Bernmobil, Bern:
Für die 200m lange und 60m breite Halle entwickelten der Architekt Christian Penzel und der Bauingenieur Martin Valier in enger Zusammenarbeit ein polygonales und doch ökonomisches Bauwerk. Das Erscheinungsbild wird massgeblich durch das Tragwerk geprägt: Zwei Fachwerkbinder sitzen paarweise auf zwei schräg angeordneten, in den Längsachsen versetzten Stützen. Die Fassaden- und Dachflächen sind abwechselnd verglast und geschlossen, sodass aus verschiedenen Blickwinkeln ein sich kaleidoskopartig veränderndes Flächenspiel entsteht. In die unbeheizte und natürlich belüftete Halle sind Module für kleinräumige Nutzungen eingestellt. 

Hörsaalgebäude Weichenbauhalle, Bern:
Der Sichtmauerwerksbau mit filigranem Stahltragwerk wurde 1914 als Weichenbauhalle der Firma von Roll erbaut. 2004 gewann das Team um die Zürcher Architekten Guiliani.Hönger den offenen Wettbewerb mit einem Entwurf, der das Hörsaalgebäude der Universität Bern dort platziert. Durch das Haus-im-Haus-Prinzip und die Bildung einer Foyerzone mit reduzierten klimatischen Anforderungen konnte der Minergie-Eco-Standard erreicht werden. Eine fast archäologische Sicherung erfüllte zugleich den Anspruch der Denkmalpflege nach einem integralen Erhalt der bestehenden Hülle. 

Download des Juryberichts und weitere Informationen unter www.atu-prix.ch.

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