Aus­zeich­nung Ber­ner Bau­kul­tur Atu­prix 2015

Mit gutem Beispiel voran

Die Zahl der Bauherrenpreise in der Schweiz ist Legion. Wie viele andere Kantone verleiht auch Bern eine entsprechende Auszeichnung: den Atuprix. Was ihn besonders macht, ist sein Fokus auf interdisziplinäre Projekte.

Publikationsdatum
10-09-2015
Revision
29-10-2015

Seit 25 Jahren kürt die Stiftung «Auszeichnung Berner Baukultur» die besten Bauten im Kanton. Die Idee dahinter ist wie immer eine erzieherische: Die prämierten Werke mögen als Leitsterne für künftige Planungen dienen. Die Jury des Atuprix (ATU steht für Architektur, Technik, Umwelt) stellt die Zusammenarbeit der Disziplinen in den Mittelpunkt. Daneben werden gestalterische Kriterien sowie Innovation und gesellschaftliche Relevanz berücksichtigt. Fünf ausgezeichnete Werke sollen diese Botschaft in die Bevölkerung hinaustragen – und die fünf Preisträger transportieren jeder eine andere Geschichte.

Spiel mit dem Bestand

Ein Preis geht an die Sanierung und Renovation eines Arbeiterwohn­hauses aus der Gründerzeit. Aus einer anspruchsvollen Ausgangs­lage – vier Kleinstwohnungen, über eine kleine Küche erschlossen – sind grosszügige Stockwerkwohnungen entstanden. Die schottenartige Struktur wurde beibehalten. Dies führte zu einzigartigen Raumgeometrien jenseits des Gewohnten.

Die Stadt ergänzen 

Die Siedlung Brunnmatt-Ost steht auf einem ehemaligen Werkhofareal. Sie nimmt in ihrer Struktur und Materialisierung die Wesenszüge der Umgebung auf: Die Backsteine verweisen auf das industrielle Erbe des Orts, die Struktur der Siedlung gibt sich zur Strasse als Blockrand, an der Rückseite hingegen als Hofhaus. Ein Stadtbaustein par excellence.

Die Natur der Technik

Ein weiteres ausgezeichnetes Projekt ist die Panoramabrücke Sigriswil. Als weit herum sichtbares Ingenieurbauwerk überwindet die filigrane Hängebrücke nicht nur die 180 m tiefe Guntenschlucht, sondern sie überbrückt ebenso den vermeintlichen Graben zwischen Natur und Ingenieurkultur.

Gesamtkunstwerk

Das Flaggschiff der Interdisziplinarität ist in diesem Jahrgang des Atuprix die Energiezentrale Forsthaus in Bern. Das Bauwerk ist auf mehreren Ebenen eine Pionierleistung: Die iterative Arbeit am Projekt hat die Anliegen der verschiedenen Professionen zu einem höchst innovativen Gebäude verschmelzen lassen. Industrieanlage und Hülle vereinen sich zu einem komplexen Gesamtkunstwerk.

An das Denkmal schmiegen

Im einer Rotunde aus den 1960er-Jahren wird das berühmte Thuner Stadtpanorama gezeigt, gemalt 1809–1814 von Marquard Wocher. Der Eingangsbereich wurde zeit­gemäss, aber rücksichtsvoll erweitert – so als ob der Anbau schon immer Teil der filigranen Architektur gewesen wäre. 

Auszeichnungen
 

Wohnüberbauung Brunnmatt-Ost, Bern
Esch.Sintzel Architekten, Zürich; ANS Architekten und Planer, Worb; Ernst Basler + Partner, Zürich; Ingenieurbüro IEM, Bern; Berchtold.Lenzin Landschaftsarchitekten, Zürich; BAKUS Bauphysik & Akustik, Zürich; mosersidler. Lichtplanung, Zürich

Thun Panorama, Thun
Niklaus Graber & Christoph Steiger Architekten, Luzern; Dr. Schwarz Consulting, Zug; Gassner & Leuenberger, Thun; Ingenieurbüro Hanimann, Zweisimmen; Rüegg + Partner, Thun; Ragonesi Strobel Partner, Luzern; Metall­projekt, Kerns; H. A. Fischer, Bern (Restaurator Rundbild); Dr. Ueli Habegger, Luzern (Beratung Denkmalpflege), Heinz Mischler, Bern (Denkmal­pflege Kanton Bern) Energiezentrale Forsthaus, Bern; Graber Pulver Architekten, Zürich/Bern, Walt + Galmarini, Zürich; Hager Partner, Zürich, TBF + Partner, Zürich; Waldhauser Haustechnik, Münchenstein: L/B Lang Baumann, Burgdorf (Kunst), TEAMverkehr.zug, Cham

Umbau und Sanierung Jurastrasse 59, Bern
Kast Kaeppeli Architekten, Bern

Panoramabrücke Sigriswil
Theiler Ingenieure, Thun; Berner Fachhochschule BFH AHB, Burgdorf  
 

Jury
 

Marie-Noëlle Adolph, Landschaftsarchitektin, Meilen
Andreas Bründler, Architekt, Basel
Philippe Cabane, Soziologe und Städteplaner, Basel
Christian Hönger, Architekt Zürich, Vorsitz Beurteilungsgremium
Tivadar Puskas, Ingenieur, Basel
Ute Schneider, Architektin, Zürich
Judit Solt, Architektin und Fachjournalistin, Zürich
Marco Waldhauser, Haustechnik­ingenieur, Münchenstein

Verwandte Beiträge