Drei aus­ge­zeich­ne­te Re­no­va­tio­nen

Alle zwei Jahre werden die «am besten renovierten Häuser in der Altstadt von Bern» mit dem Dr. Jost Hartmann-Preis prämiert. Er würdigt Handwerker und Architekten wie Eigentümer und Unternehmen. Ende 2016 ging die Auszeichnung an zwei Wohnhäuser mit jahrhunderterlanger Geschichte und an ein Kino aus den 1950er-Jahren.

Publikationsdatum
22-02-2017
Revision
22-02-2017

Ciné Rex, Schwanengasse    

2014 stand die Schliessung des Ciné Rex an – für den Verein Cinéville die Chance, die Standortfrage des «Kinos im Kunstmuseum» zu lösen, dessen Kinoräume damals aufgehoben wurden. So erhielt das Ciné Rex ein zweites Leben. Die baulichen Strukturen des 1951/52 durch Oskar und Claire Rufer erbauten Kinos waren erhalten, Farben und Materialien jener Zeit gingen aber nach und nach verloren. Beim Umbau 2015/2016 ersetzte man den grossen Saal mit Balkon durch zwei neue Säle. Im Vorraum und Foyer wurden die Qualitäten der 1950er-Jahre wachgeküsst.
An der Fassade lockt eine zeittypische Leuchtschrift. Die Vorhalle ist über wenige Stufen erschlossen, ihre nach innen geneigte nachtblaue Decke verspricht mit zahllosen Lämpchen bestückt himmlische Erlebnisse. Die aluminiumeloxierte Eingangsfront führt zum Foyer, dessen bauzeitliche Materialien mit dekorativ gestaltetem Boden und Treppenläufen aus Kunststein freigelegt sind. Die zeittypischen Farben Hellgelb, Graublau, Petrolblau und Messing erzeugen mit den originalen Wandlampen (aus dem Depot der Denkmalpflege) eine besondere Stimmung.

Wohnhaus, Ecke Junkern-/Kreuzgasse

Der Bau aus dem Jahr 1640 hat eine komplexe Geschichte. Ehedem dürfte er als Zunfthaus zum Narren auf allen Etagen mit einem einzigen grossen Saal ausgestattet gewesen sein. Der Bau wurde mit der Zeit durch Integration angrenzender Liegenschaften vergrössert und 1836 mit einem tief greifenden Umbau zu einem Wohnhaus umgestaltet. Die damaligen denkmalpflegerisch und architekturhistorisch relevanten Veränderungen dienten dem nun erfolgten Umbau als Leitlinie.
Das Gebäude hat seit Beginn des 20. Jahrhunderts, in dem es als Geschäftshaus diente, beträchtliche strukturelle Veränderungen erfahren. Dennoch blieb eine erstaunliche Dichte an Originalsubstanz erhalten. Bauherrschaft und Architekten liessen sich bei dem erfolgten vorbildlichen Umbau von bauhistorisch gesicherten Befunden leiten. Dabei werden mit subtilen und gut gestalteten Eingriffen auch die Bedürfnisse modernen Wohnens erfüllt.

Wohnhaus an der Postgasse

Das einfache Bürgerhaus ist Teil einer Gruppe von drei verputzten Fachwerkhäusern. Sie liegen entsprechend einer alten Brandschutzvorschrift hinter der Fassadenflucht der steinernen Nachbarbauten. Holzpfosten statt Bögen tragen die Fassade, eine Konstruktionsweise, die vor dem Stadtbrand 1405 in Bern üblich war. Der ursprünglich offene Innenhof zeigt, dass das Gebäude aus einem Vorder- und Hinterhaus zusammengewachsen ist. Der Anbau gegen die nordseitige Schütte dürfte aus dem 19. Jahrhundert stammen und diente für Gewerbe.
Dies alles ist dank einer klugen und umsichtigen Sanierung noch erfahrbar. Die Eingriffe richteten sich nach dem vorgegebenen Finanzrahmen und fanden in fünf Tranchen innert 25 Jahren statt. Der Bauherr wollte das Haus langfristig als Wohnhaus mit moderaten Mietzinsen erhalten. Die zeitgemässe Sanitärinfrastruktur ist im Lichthof angeordnet – sozusagen die haustechnische «Wirbelsäule». Die Kleinwohnungen wurden nach und nach sanft saniert. Dazu kam der Umbau der Eigentümerwohnung.

Am Bau Beteiligte

 

Ciné Rex, Schwanengasse
 

Bauherrschaft
Verein Cinéville, Bern

Eigentümer
MEG, Bern

Architektur
Atelier G + S, Burgdorf

Tragkonstruktion
Buschor Bauingenieure, Burgdorf
 

 

Junkerngasse 58 / Kreuzgasse
 

Bauherrschaft
Gebäudeversicherung des Kantons Bern (GVB), Ittigen

Architektur
Rolf Mühlethaler, Bern

Tragkonstruktion
Ingenta, Bern

Antikschreiner
Max Büchi, Bern

 

 

Postgasse
 

Bauherrschaft
Gebäudeversicherung des Kantons Bern (GVB), Ittigen

Architektur
Viktor Hirsig, Bern

Zimmerarbeiten
Res Hofer / Magnus Furrer (Aufholz), Niederscherli

Heizung / Sanitär
Bruno Wenger Sanitär-Express, Worb

Schreinerarbeiten
Andrea Nyffeler (La Carpintera), Kehrsatz