Herausragende Stahlbauten
Prix Acier 2026
Die Jury des Prix Acier 2026 zeichnete fünf Projekte mit einem Preis aus, zwei weitere würdigte sie mit einer Anerkennung – sieben Bauwerke aus der ganzen Schweiz. Im Überblick fällt ihre Vielfalt auf, bei näherem Hinsehen beeindrucken ihre Raffinesse und hohe Qualität.
Alle zwei Jahre lobt das Stahlbauzentrum Schweiz SZS mit Unterstützung des Dachverbands der Stahl-, Metall- und Fassadenbaubranche metal.suisse den Prix Acier aus. Der Schweizer Stahl- und Metallbaupreis zeichnet Projekte aus, die exemplarisch die architektonische Qualität und die Leistungsfähigkeit des Stahl- und Metallbaus aufzeigen. Im Vordergrund stehen der kreative und wirtschaftliche Umgang mit dem Material Stahl, technische Innovation und konstruktive Virtuosität. Ebenso würdigt der Prix Acier die Zusammenarbeit zwischen Bauherrschaft, Architektur, Ingenieurwesen und Stahlbauunternehmen, die gemeinsam zum Gelingen des Bauwerks beitragen.
Die interdisziplinäre Jury 2026 beurteilte die Projekte anhand folgender Kriterien: architektonische Qualität und Gestaltungskraft, Ingenieurbaukunst und konstruktive Innovation, gesellschaftliche und baukulturelle Relevanz, Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz. Die Verleihung des Prix Acier fand am 27. August 2026 statt. Eine ausführliche Dokumentation und Würdigung aller Projekte, die einen Preis oder eine Anerkennung erhalten haben, sowie Kurzbeiträge zu allen Projekten der Shortlist finden sich in steeldoc 03/26.
Wir zeigen einen kurzen Überblick über die sieben Projekte mit Preis oder Anerkennung. Weiter stellen wir zwei der längeren steeldoc-Artikel – mit freundlicher Genehmigung des SZS – in angepasster Form einer breiteren Leserschaft vor. Dabei fokussieren wir auf die beiden grossen Brücken – das Castielerviadukt der Rhätischen Bahn und den Autobahn-Halbanschluss des ASTRA bei Bellinzona. Gerade bei Infrastrukturbauten, die hohe statische und dynamische Lasten aushalten müssen, erweist sich Stahl als leistungsfähiger Baustoff, der effiziente und robuste Tragwerke ermöglicht.
Doch die beiden Brücken zeigen noch mehr. Sie veranschaulichen das vielfältige Potenzial von Stahl nicht nur in technischer, sondern auch in gestalterischer Hinsicht – anders gesagt: Sie sind schön. Ihre äussere Erscheinung macht die Eleganz der intellektuellen Lösung, die den inneren Kräftefluss regelt, sinnlich erfahrbar.
Auszeichnung Prix Acier 2026 – RhB Ersatzneubau Castielerviadukt, Schmalspurbahn RhB Linie Chur-Arosa, 2025
Zum Artikel von Clementine Hegner-van Rooden: «Hangbewegungen als entscheidende Entwurfsparameter»
Bauherrschaft: Rhätische Bahn AG
Vergabeform: Ingenieursubmission – offenes Verfahren
Tragsystem: Unterspannter Fischbauchträger als Einfeldträger in Stahlbetonverbundbauweise
Fundation: permanente vorgespannte Anker: 230 m Widerlager Arosa; permanente Anker und Mikropfähle: 150 m Widerlager Arosa; Konstruktionsbeton (Schächte 365 m3, 780 m3 Widerlager & Fahrbahnplatte)
Tragwerksplanung Entwurf, Planung, Bauleitung: Bänziger Partner AG, Chur
Architektonische Begleitung: Denkmalpflege Graubünden
Sachverständige: Conzett Bronzini Partner AG, Chur
Stahlbau: Schneider Stahlbau AG, Jona
Baumeisterarbeiten: Erni AG, Flims
Lager/Spezialist Heben & Verschieben: HEBAG AG, Winterthur
Qualitätssicherung Stahlbau: SCE GmbH, Hombrechtikon
Geologie: AlpinGeologie AG, Davos Dorf
Vermessung: Grünenfelder und Partner AG, Domat/Ems
Korrosionsschutz: vierlagiger Korrosionsschutz; Gesamtschichtdicke 320 μm
Schweissnähte Werksschweissnähte: Ausführungsklasse EXC4, zu 100 % ultraschallgeprüft
Grösse: Spannweite 84 m, Fahrbahnbreite 5.80 m, Pfeilhöhe Unterspannung 8 m, Neigung 65 ‰
Stahlsorten: S355 NL Z35 (Unterspannungen und stark beanspruchten Endbereiche), S355 J2+N (übrige Bauteile)
Tonnage Stahl: 300 t (Hauptbrücke und Übergangsbrücke)
Gesamtkosten: Baumeister und Stahlbauer 10.8 Mio. Fr., Lager 0.5 Mio. Fr. (ohne Projekt und Bauleitung, alle Angaben netto ohne MwSt.)
Planung: 2020–2025
Auszeichnung Prix Acier 2026 – Autobahnanschluss als Halbanschluss Bellinzona Zentrum, Autobahn A2,
Ausfahrt Bellinzona Centro, 2024
Bauherrschaft: Bundesamt für Strassen ASTRA, Bellinzona
Vergabeform: Wettbewerb, 2008
Architektur: Studio d'architettura Martino Pedrozzi, Mendrisio
Tragwerksplanung, Gesamtprojektleitung: Consorzio GM-TOS (Lurati Muttoni Partner SA, Mendrisio; AFRY Svizzera SA, Bellinzona)
Ausführung / Bauunternehmen: Consorzio Torretta (Matteo Muttoni Costruzioni SA, Bellinzona; CSC Costruzioni SA, Lugano
Bauleitung: Consorzio 4Belli (Lombardi SA, Giubiasco; Ingegneri SPP SA, Bellinzona)
Stahlbau: Consorzio Officine Ghidoni SA, Ferriere Cattaneo SA, Riazzino
Tragsystem: Stahl-Beton-Verbundtragwerk mit geschlossenen Cortenstahl-Kastenträgern
Stahlbauprinzip: Stahlbetonverbundbauweise
Nutzung: überführtes Autobahnkreuz mit Kreisverkehr Ø 60m
Gesamtlänge: 238.85 m
Kreisverkehr: Ø 60 m
Stahlsorten: selbstpatinierender Cortenstahl
Tonnage Stahl: 1730 t
Korrosionschutz: selbstpatinierender Cortenstahl
Ausführung: 2022–2024
Auszeichnung Prix Acier 2026 – Passerelle des Cigarières, Yverdon-les-Bains, 2024
Zum Artikel von Sam Bouten und Fabrice Meylan: «Structure sur mesure versus structure générique»
Ein Stahlbalken mit Kastenhohlprofil, aufgelagert auf einer exzentrisch angeordneten dreiecksförmigen Stütze: Der Steg erscheint als eleganter Monolith, dessen Farbe die industrielle Vergangenheit zitiert.
Bauherrschaft: Ville d'Yverdon-les-Bains
Vergabeform: Wettbewerb auf Einladung 2022
Konstruktionsart: Trapezförmiger Stahlhohlkasten mit variabler Höhe
Architektur: Brauen Wälchli Architectes, Lausanne
Tragwerkplanung, Gesamtprojektleitung: Perret-Gentil SA, Yverdon-les-Bains
Stahlbau: Sottas SA, Bulle
Landschaftsarchitektur: Profil Paysage, Yverdon-les-Bains
Baumeister: Beati Frères SA, Grandson
Länge: 52 m
Stahlsorten: S355, «Green Steel»
Auszeichnung Prix Acier 2026 – Koch-Park und Kohlenlagerhalle, Koch-Areal, Zürich, 2026
Zum Artikel von Clementine Hegner-van Rooden: «Stahl trägt schwarz»
Die statische Höhe der Fachwerkträger sorgt für hohe Steifigkeit bei kleinen Querschitten. Dank der offenen, überdachten Situation konnte Schwarzstahl ohne zusätzlichen Korrosionsschutz verwendet werden.
Bauherrschaft und Beratung: Stadt Zürich, Grün Stadt Zürich; Stadt Zürich, Amt für Hochbauten; Stadt Zürich, Amt für Städtebau, Denkmalpflege
Vergabeform: anonymer Wettbewerb mit Präqualifikation
Tragsystem: Raumfachwerk
Architektur: PARK ARCH ETH SIA BSA AG, Zürich
Tragwerk: Dr. Neven Kostic GmbH, Zürich
Landschaftsarchitektur, Gesamtleitung, Generalplaner, Bauleitung Koch-Park: Krebs und Herde, Landschaftsarchitekten BSLA, Winterthur
Bauleitung Kohlenlagerhalle: Steiner Hutmacher Bauleitung AG, Zürich
Stahlbau: Mauchle Stahlbau AG, Sursee
Montage Stahlbau: Stahlbau H & R Durrer, Ennetmoos
Metallbau: Raumbau AG, Zürich
Korrosionsschutz: SCE GmbH, Hombrechtikon
Lichtplanung: mati AG, Adliswil
Korrosionsschutz: unbeschichteter Schwarzstahl mit konstruktivem Korrosionsschutz
Grösse: 118 m x 23 m x 17 m
Stahlsorten/Tonnage Stahl: S355/60 t
Anerkennung Prix Acier 2026 – Fussgängerbrücke Munotsteg, Schaffhausen, 2025
Leichtigkeit, Effizienz, Eleganz: Das primäre Tragwerk besteht aus vorfabrizierten Kastenträgern und zwei seitlichen, in das Staketengeländer integrierten Druckbögen.Bauherrschaft: Stadt Schaffhausen, Hochbauamt
Vergabeform: Anonymer, offener, einstufiger Ideenwettbewerb in freihändiger Vergabe, 2024
Tragsystem: Zweibogiger Stahlsteg mit integrierten Druckbögen Fundation / Widerlager Stahlbetonwiderlager mit elastomerischer Lagerung, Seite Munot gleitend
Entwurf und Ingenieurwesen: co-struct AG, Zürich
Architektur und Integration: Ofreia GmbH, Zürich; Wettbewerb: studioser, Rina Rolli und Tiziano Schürch
Stahlbau:Pletscher Metallbau AG, Beringen
Anstrich: Marty Korrosionsschutz AG, Jona SG
Baumeisterarbeiten: Schlatter Bau AG, Schaffhausen
UHFB-Belag: Implenia Schweiz AG, Glattpark
Korrosionsschutz: Mehrschicht-Duplexsystem 240 μm, Korrosivitätskategorie C4 hoch
Schwingungsdämpfer: viskose Schwingungstilger, Spannweite 24.5 m
Abmessungen: Länge 24.55 m, Spannweite ca. 24 m (schräg), Nutzbreite 2.2 m
Stahlsorten/Tonnage Stahl: S355J2/17 t
Gesamtkosten: 450 000 Fr.
Anerkennung Prix Acier 2026 – Ballfang Baseball-Anlage, Sportanlage Heerenschürli, Zürich, 2025
Zwei vertikale Endpylonen und fünf schräge Innenpylonen, die mit vorgespannten Seilen stabilisiert werden, bilden das äusserst schlanke primäre Tragwerk. Biegemomente sind minimiert, Zug- und Druckkräfte gelangen über Pfahlfundationen in den Untergrund.
Bauherrschaft: Stadt Zürich, Grün Stadt Zürich
Vergabeform: Wettbewerb (Planerwahlverfahren)
Tragsystem: Vorgespanntes Stahl-Seiltragwerk mit Pylonen und Netztragwerk; Fundation mit Ortbeton-Bohrpfählen bis 25 m Länge
Gesamtleitung, Tragwerk, Bauleitung: Dr. Deuring + Oehninger AG, Winterthur
Landschaftsarchitektur: Nipkow Landschaftsarchitektur BSLA SIA, Zürich
Stahlbau: Schneider Stahlbau AG, Jona
Tiefbau: Landolt + Co AG Bauunternehmung, Zürich
Pfähle/Spezialtiefbau: Meier + Jäggi AG, Zofingen
Seile: Fatzer AG, Romanshorn
Seilwinden/Automation: Hofer Seilwinden GmbH, Au
Netz: Seilfabrik Ullmann AG, St. Gallen
Elektroplanung: Marquart Elektroplanung + Beratung AG, Winterthur
Elektroinstallationen: Kummler+Matter EVT AG, Dällikon
Korrosionsschutz: Marty Korrosionsschutz AG, Jona
Abmessungen: Gesamtlänge ca. 105 m; 26 m Netzhöhe, Haupttragseil auf ca. 27 m, Netzfläche ca. 2600 m²
Gesamtkosten: 4 Mio. Fr. exkl. MwSt.
Stahlsorten: S355
Korrosionsschutz: Beschichtung gemäss EN ISO 12944, Korrosivitätskategorie C4; Bauteile im Boden- und Spritzwasserbereich zusätzlich IM3
Weiterlesen und vertiefen:
steeldoc 03/26 dokumentiert alle wichtigen Fakten zum Prix Acier 2026. steeldoc, die Bautendokumentation des Stahlbauzentrums Schweiz SZS, erscheint viermal jährlich und präsentiert architektonisch interessante und technisch relevante Stahlbauten anhand von Plänen, Abbildungen und Texten mit speziellem Fokus auf konstruktive Details.
Artikel zu den ausgezeichneten Projekten und weitere Beiträge zum Thema Stahl können Sie in unserem Themendossier Stahl nachlesen.