Stahl trägt schwarz
Schwarzstahl prägt den neuen, nördlichen Abschluss der Kohlenlagerhalle im Koch-Park in Zürich – filigran, unbehandelt und konstruktiv durchdacht. Statt Beschichtungen sorgen intelligente Details für Dauerhaftigkeit. So wird das kühne Tragwerkskonzept der historischen Rundholzhalle zeitgemäss transformiert und eine fast hundertjährige Ingenieuridee weitergedacht.
Das immense Giebeldach der ehemaligen, 118 m langen und denkmalgeschützten Kohlenlagerhalle der Firma Koch Wärme prägt das Koch-Areal in Zürich seit hundert Jahren. Getragen wird es von einer historischen Holzkonstruktion und nun auch von einer ergänzenden modernen Stahlkonstruktion.
Die Rundholzkonstruktion von 1926 kommt trotz grosser Spannweiten als Sprengwerk mit Mittelhänger auf drei Stützenreihen mit erstaunlich wenig Material aus. Neue, rot gestrichene stählerne Zug- und Druckstäbe ergänzen nun die bisher unzureichende horizontale Aussteifung.
Wie das historische Rundholz bleibt auch die Stahlkonstruktion des neuen Hallenteils unbehandelt und erhält ihre Dauerhaftigkeit nicht durch Beschichtungen, sondern durch konsequenten konstruktiven Schutz. Genau diese Haltung bildet den Ausgangspunkt der neuen Schwarzstahlhalle. Sie ergänzt den denkmalgeschützten Bestand nicht durch Nachahmung, sondern durch eine zeitgemässe Interpretation desselben ingenieurtechnischen Prinzips.
Raumfachwerk in Stahl
Das neue Stahltragwerk verbindet filigrane Querschnitte mit grossen Spannweiten. Seine Abmessungen orientieren sich an der Rundholzhalle. Das dreieckige, 5 m hohe Raumfachwerk besteht aus rechteckigen Hohlprofilen und vorgespannten, rot gestrichenen Rundstahl-Zugstangen. Darüber liegen lediglich 15 mm starke Sparren, die fast 5 m auskragen und durch angeschraubte Stahllatten gegen Kippen ausgesteift werden. Das Tragwerk ruht auf vier geneigten, V-förmig angeordneten Stützenpaaren mit betonierten Sockeln und zwei durchgehenden Riegelfundamenten. Durch ihre Schrägstellung übernehmen sie neben der vertikalen Lastabtragung auch eine wesentliche Funktion für die räumliche Stabilisierung. Sämtliche Verbindungen sind verdeckt und verschraubt ausgeführt, sodass eine spätere Demontage und Wiederverwendung möglich bleibt.
Die Querschnitte der Konstruktion sind mit dem bestehenden Holztragwerk vergleichbar. Ein ebenfalls untersuchter Holzbau hätte dafür deutlich grössere Trägerhöhen und Querschnitte sowie verleimte Elemente erfordert. Dies hätte den Materialeinsatz erhöht und die räumliche Integration erschwert. Der Stahlbau erweist sich deshalb nicht nur statisch und architektonisch, sondern auch hinsichtlich Materialeffizienz als überzeugende Lösung.
Die Wahl von Schwarzstahl ist eine gestalterische Entscheidung im ganzheitlichen Sinne. Seine dunkle Eigenfarbigkeit nimmt die Patina der historischen Rundholzhalle auf und unterstreicht die gemeinsame konstruktive Haltung beider Tragwerke: konstruktiver Schutz anstatt Beschichtungen der roh bleibenden Materialien. Aufgrund der offenen, überdeckten und gut durchlüfteten Situation eignet sich hier dieses Prinzip der Dauerhaftigkeit. Im geschützten Aussenklima ist die Konstruktion nur geringen Korrosionsraten ausgesetzt. Voraussetzung dafür ist eine konsequent korrosionsgerechte Detailausbildung: Bei sämtlichen Knoten, Anschlüssen und Hohlprofilen bilden sich keine Wasserfallen und anfallende Feuchtigkeit kann rasch abtrocknen. Geschützte Sockelbereiche, gezielt belüftete Bauteile und sorgfältig ausgeführte Schweissnähte minimieren das Korrosionsrisiko.
Zwei Generationen
Die historische Rundholzhalle und die neue Schwarzstahlhalle stehen sich wie zwei Generationen derselben Tragwerksfamilie gegenüber. Beide arbeiten mit für ihre Zeit filigranen Querschnitten, grossen Spannweiten und einer klar ablesbaren Konstruktion. Was früher mit unbehandelten Baumstämmen und traditionellen Zimmermannsverbindungen erreicht wurde, setzt heute ein räumliches Fachwerk aus Schwarzstahl fort.
Die Nachhaltigkeit der Stahlkonstruktion liegt vor allem in der Effizienz des Tragwerks. Die grosse statische Höhe der Fachwerkträger sorgt für hohe Steifigkeit, reduziert die Kräfte in den einzelnen Tragelementen und ermöglicht kleinere Querschnitte bei geringem Materialeinsatz. Auch die Reversibilität wurde von Beginn an mitgedacht. Die verschraubten Anschlüsse vereinfachten die Montage und vermieden aufwendige Schweissarbeiten auf der Baustelle. Gleichzeitig erleichtert dieses Prinzip einen späteren sortenreinen Rückbau und die Wiederverwendung der Bauteile. So entsteht im Koch-Park ein Tragwerk, das Vergangenheit und Zukunft miteinander verbindet – und die Gegenwart bereits als Ressource für kommende Generationen versteht.
Koch-Park und Kohlenlagerhalle, Zürich
Bauherrschaft
Stadt Zürich, Grün Stadt Zürich
Landschaftsarchitektur, Generalplaner
Krebs und Herde, Landschaftsarchitekten, Winterthur
Architektur
PARK ARCH , Zürich
Tragwerk
Dr. Neven Kostic. Zürich
Korrosionsschutz
SCE GmbH, Hombrechtikon
Stahlbauunternehmer
Mauchle Stahlbau, Sursee
Montage Stahlbau
H & R Durrer, Ennetmoos