Ge­ne­ra­tio­nen­pro­jekt dur­chleu­ch­tet

Einhausung Schwamendingen

Bei der Einhausung der A1 im Zürcher Norden koexistieren verschiedene Ex­perten­kulturen buchstäblich neben- und übereinander. Die Studierenden des MAS gta ETH haben untersucht, welche Erwartungen angesichts der divergenten Massstäbe und Handlungsfelder erfüllt werden.

Data di pubblicazione
09-03-2026

Das Genre Architekturkritik ist ein fester Bestandteil der gta-Weiterbildung. Denn die Einübung eines kritischen Blicks auf die gebaute Umwelt eignet sich zum einen gut, um die eigene Stimme zu finden. Zum anderen unterstützt diese Form der Analyse die fachliche Debattenkultur. In ihrer Argumentation konzentrieren sich die Studierenden auf wenige, griffige Thesen. Kurze Stellungnahmen bieten ihnen die Möglichkeit, klare Positionen zu beziehen.  

Kritik üben

Das vergangene Herbstsemester war angetreten, die Potenziale des Genres Kritik anhand einer konkreten Fallstudie auszuloten.
Aufgrund seiner Komplexität bot sich der 2025 fertiggestellte Ueberlandpark auf dem Dach der Einhausung der Autobahn A1 hierfür an. Wie aber diesem hybriden Element zwischen Gebäude, Infrastruktur und Landschaftsartefakt begegnen? 

Ob nun Infrastruktur, Gebäude, Quartier oder Landschaft: informierte Kritik muss das Zusammenspiel verschiedener Faktoren und Akteure analysieren. Die Problematik von Aushandlungsprozessen begleitete das Seminar und konfrontierte die Studierenden sowohl mit zeitgenössischen Entwicklungen als auch mit historisch-theoretischen Fragen.

E-Dossier Einhausung Schwamendingen: Damaris Baumann berichtete im Sommer 2025 detailliert über die Einhausung und den Ueberlandpark in Schwamendingen. 
Weitere Architekturkritiken der Studierenden sowie Berichte über das Projekt seit 2015 sind ebenfalls hier gesammelt.

Kontext erfassen

Vorträge, Lektüre und eine Studienfahrt weiteten den Kontext über die Zürcher Stadt- und Verkehrsplanung hinaus aus: Unter anderem waren dies – anhand eines Essays des Städtebauhistorikers André Corboz – der Umbau Genfs im 19. Jahrhundert, zum anderen – im Rahmen der Studienreise – Neapel. Dort liessen sich andere Dysfunktionen und Dynamiken als in Zürich aufspüren. So durchkreuzt die Stadtautobahn «Tangenziale» sogar den Himmel über den Wohnquartieren. 

Sie entstand zur gleichen Zeit wie die A1-Schneise durch Schwamendingen. In beiden Fällen war die lokale Bevölkerung machtlos. Wie in Neapel befassten sich später die Planenenden in Zürich mit einer Hochstrasse, bevor sie sich für die Einhausung entschieden. Mit enormen öffentlichen Investitionen realisiert, steht dieser Kraftakt auch für die Auslöschung transitorischer, problembehafteter Orte, wie sie Zürich nach zwei Jahrzehnten der Aufwertung kennzeichnen. 

Die Studierenden berücksichtigten aus dem reichhaltigen Kontext jeweils die für ihren Beobachtungsmassstab wichtigen Anknüpfungspunkte und vertieften damit ihre Texte in den unterschiedlichen Gewichtungen wie Verkehrsplanung, Wohnungsbau, Quartieraufwertung und Grünraumpolitik.

Projektchronik
1974 | Beginn Bau der A1 zwischen Zürich und Winterthur
1999 | Volksinitiative zur Einhausung der Autobahn 
2003–2004 | Studienauftrag für drei mögliche Höhenlagen der 
Autobahn (Hochlage: Diener und Diener, Mittellage: agps architecture, Tieflage: Theo Hotz Partner)
2007 | Planerwahlverfahren
2008–2022 | Projektierung
2021 | Volksentscheid Zusatzkredit für eine Quartierpark auf dem Dach der Einhausung
2023–2025 | Realisation 
Mai 2025 | Fertigstellung

Ueberlandpark, Zürich-­Schwamendingen

Bauherrschaft
Bundesamt für Strassen ASTRA; Kanton Zürich; Stadt Zürich
Architektur und Städtebau
agps architecture, Zürich
Landschaftsarchitektur 
Krebs und Herde Landschaftsarchitekten, Winterthur
Ingenieurinnen und Ingenieure
Inge K12plus: Locher, Zürich; Emch + Berger, Bern; 
Bänziger Partner, Zürich
Statik und Auflasten
Basler & Hofmann, Zürich
Biodiversität
bunterhund, Zürich
Signaletik
Integral Axel Steinberger, Zürich
Lichtplanung
Vogt und Partner, Winterthur
Rankgerüst
Gähler und Partner und Jakob Rope Systems
Mobiliar (Konstruktionsplanung)
Burri Public Elements, Zürich
Spielgeräte
Kukuk Schweiz

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