Neues Tool für die In­ne­nent­wic­klung

Die Planung und Bewertung von Innenentwicklungsprojekten sind herausfordernd, speziell für kleine und mittlere Gemeinden. Im Forschungsprojekt ArealPlus unter der Leitung der Ostschweizer Fachhochschule entsteht ein digitaler Leitfaden, mit dem einfach und intuitiv nachhaltige Strategien zur Verdichtung des Siedlungsgebies entwickelt werden können.

Data di pubblicazione
19-07-2021
Dr. Claudia Pedron
Dozentin für Wirtschaftsinformatik an der OST- Ostschweizer Fachhochschule
Prof. Dr. Rainer Endl
Studiengangsleiter Wirtschaftsinformatik MSc und Professor für Wirtschaftsinformatik an der OST- Ostschweizer Fachhochschule

Die Schweiz verfügt über immer mehr Siedlungsflächen, die auf Kosten der Landwirtschaftsflächen überbaut werden. Dies hat zur Folge, dass natürliche Bodenfunktionen beeinträchtigt werden, Lebensräume für Flora und Fauna sowie landwirtschaftliche Flächen zur Nahrungsmittelproduktion verloren gehen. Die zusätzliche Lärm- und Staubbelastung beeinträchtigen ausserdem die Frei- und Erholungsräume.

Seit dem revidiertem Raumplanungsgesetz (seit 1.5.2014 in Kraft) sind Bund, Kantone und Gemeinden verpflichtet, die Zersiedelung einzudämmen und die Entwicklung nach innen zu fördern. Diese Aufgabe ist besonders für viele kleinere und mittleren Gemeinden herausfordernd. Vor diesem Hintergrund iniitierte die OST – Ostschweizer Fachhochschule das von der Innosuisse unterstützte Projekt ArealPlus.

Ein Expertensystem für Gemeinden

ArealPlus ist ein Expertensystem zur Unterstützung von Gemeinden in der strategischen Phase von Innenentwicklungsprojekten. Das System soll Mitarbeitende in einem transparenten und einheitlichen Vorgehen Schritt für Schritt anleiten, verschiedene Innenentwicklungszenarien mit angemessenem Aufwand zu erarbeiten, zu visualisieren, zu beurteilen und zu vergleichen.

Für zielführende und nachhaltige Strategien soll dieser digitale Leitfaden neben raumplanerischen auch wirtschaftliche, ökologische, soziale, technische und politische Aspekte berücksichtigen, sodass die Interessen aller involvierten Parteien einbezogen werden. Dank dieses Tools werden Gemeinden befähigt, eine aktivere Rolle bei der Innenverdichtung zu übernehmen sowie auf Augenhöhe mit Fachpersonen und Projektbeteiligten diskutieren zu können. In Folge sollen sich die Chancen für erfolgreiche, nachhaltige und breitgestützte Entscheidungen erhöhen.

Des Weiteren soll das entwickelte System ohne grossen Aufwand und mit geringen IT-Kenntnisen erweitert und angepasst werden können, damit variierende Anforderungen der Gemeinden einfach und schnell implementiert werden können.

Wissenschaftlich fundiert, technisch innovativ

Mithilfe einer Literatur- und Marktrecherche ermittelteten die Forscherinnen und Forscher zunächst die relevanten Themenbereiche und Ziele der Innenentwicklung und eruierten die Grobanforderungen an das zu entwickelnde Expertensystem. Aus Befragungen von Spezialisten erstellten sie einen detaillierter Anforderungskatalog, ein Ziel- und Kennzahlensystem zur systematischen und einheitlichen Beurteilung der Entwicklungsszenarien sowie die nötigen Funktionen eines digitalen Leitfadens. Die Ergebnisse wurden anschliessend prototypisch umgesetzt und gemeinsam mit der Projektgruppe in Workshops diskutiert und anhand von Testfällen verifiziert.

Leitfaden, Kennzahlen und Regeln

Hauptergebnis von ArealPlus ist der digitale Leitfaden in Form einer webbasierten Anwendung. Dieser führt die Nutzerinnen und Nutzer anhand logischer Schritte zur Strategieentwicklung, von der Festlegung der Ziele über die Erfassung und die Beurteilung des Ist-Zustands, die Entwicklung und Bewertung von Szenarien bis zum Szenarienvergleich.

In diversen Unterschritten lässt sich das Projekt im Detail beschreiben, z.B. indem Grundstücke und Gebäude erfasst werden. Jeder Prozessschritt darf pro identifizierten Themenbereich der Innenentwicklung durchgefführt werden: Siedlung, Landschaft, Verkehr, Versorgung, Bau- und Kreditbewilligung sowie Finanzen.

Das Ziel- und Kennzahlensystem dient als einheitliche und systematische Beurteilungen der Entwicklungsszenarien in Korrespondenz der Schritte 3 (Bewertung des IST-Zustands) und 6 (Bewerung Szenarien) des digitalen Leitfadens. Diese Ziele und Kennzahlen sind den von der Projektgruppe identifizierten Themen und Subthemen zugeordnet. Der digitale Leitfaden ist modular aufgebaut und kann mit geringem Entwicklungsaufwand angepasst und erweitert werden.

Das Geoinformationssystem ist im Zusammenspiel mit dem digitalen Leitfaden zu benutzen. Mithilfe von Benutzerebenen, die eine Analogie zu den Themen darstellen, können die Benutzerinnen und Benutzer Szenarien georeferenziert erfassen und visualisieren und die Daten direkt aus dem Geoportal in den digitalen Leitfaden importieren, um sie direkt zu bearbeiten.

Das für den Leitfaden erforderliche Regelwerk, das mit der Open Source Sofware Camunda realisiert wurde, ist von der Web-Anwendung getrennt. Dies ermöglicht die einfache Verwaltung und Anpassung der Logik hinter den Berechnungen und Schätzungen des digitalen Leitfadens – ohne Anpassungen am Anwendungscode bzw. entsprechende Programmierkenntnisse. Die Modellierung der Logik erfolgt anhand der einfachen zu lernenden Standardsprache Decision Modelling Notation (DMN) sowie mittels Entscheidungstabelle.

IT-gestützte bewertbare Innenentwicklungsstrategien

Der Wert von ArealPlus besteht darin, ein transparentes und einheitliches Vorgehens zur Erarbeitung von Innenentwicklungsstragien. Das entwickelte Ziel- und Kennzahlensystem zur einheitlichen Beurteilung und Vergleichbarkeit verschiedener Szenarien kann ausserdem eine interessante Anwendung zur transparenten und systematischen Beurteilung von Projektideen im Rahmen von Architekturwettbewerben darstellen.

Mehr Informationen über den entwickelten Prototyp sind über Claudia Pedron erhältlich.

 

Kontakt

Dr. Claudia Pedron
OST-Ostschweizer Fachhochschule, Institut für Information und Prozessmanagement, Campus St.Gallen

 

Email: claudia.pedron [at] ost.ch

 

Tel.: +41 58 257 1742

 

Der Prototyp wird am Event ImPuls des Ostschweizer Zentrums für Gemeinden am 24.09.2021 vorgestellt.

 

Anmeldung über Patrick Äschlimann: patrick.aeschlimann [at] ost.ch

Kooperation von Hochschule, Fachspezialisten, Kantonen und Gemeinden

Die Projektgruppe setzt sich zusamnmen aus dem Hauptwirtschaftspartner, der GEOINFO Applications AG, dem Bauingenieurbüro Bänziger Partner AG mit Fachwissen in den Bereichen bauliche und technische Infrastruktur, dem Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons St. Gallen, dem Amt für Raumentwicklung des Kantons Schwyz, der Plattform für regionale Entwicklung in der Schweiz (RegioSuisse) und drei Stadtplanern der Gemeinden Gossau, Rorschach und Wil. Forschungspartner und Projektleiter ist das Institut für Informations- und Prozessmanagement der OST-Ostschweizer Fachhochschule (IPM-OST), Campus St.Gallen.

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