100 Jah­re Bau­haus II: Ge­mein­schaft

Editorial TEC21 29-30-31/2019

Data di pubblicazione
31-07-2019

Hannes Meyer hat die Idee der Schweizer Genossenschaft inter­national gemacht. Mit dem Freidorf in Muttenz hat er die erste vollgenossenschaft­liche Siedlung realisiert. Zudem trieb er die Normierung und Typisierung voran, um günstigen Wohnraum zu schaffen. In der vom Minimalismus geprägten Moderne suchte er seine gesellschaftspolitischen Ideen zu verwirk­lichen. Als zweiter Direktor am Bauhaus Dessau vertiefte er seine Ideale, wurde aber später wegen «kommunistischer Bestrebungen» fristlos ent­lassen. In seinem Schüler Arieh Sharon fand Meyer einen Mitstreiter, der seine Impulse nach Tel Aviv brachte. So setzte Meyer in der Schweiz, Deutschland und Israel Bewegungen in Gang, aus denen traditionelle Werte entstanden sind.

Traditionen sind nicht gerade das, was Tel Aviv heute auszeichnet. Bei einer Fotosafari im Herbst 2018 haben wir uns einen eigenen Eindruck verschafft: Der unprätentiöse Umgang mit dem, was wir hier in Europa als Heiligtümer betrachten, ist beeindruckend. Shmuel Mestechkin (1908–2004), Bauhaus-Schüler und Architekt der ersten Aufbau­phase der Stadt, forderte bereits vor 20 Jahren radikale Schritte: Es wäre konsequent, die zerfallenden Häuser abzureissen und durch etwas Zeitgenössisches zu ersetzen. Die Stadtentwicklung orientiere sich nicht an einem «Bauhaus-­Stil», sondern an der Idee des Funktionalismus. Als Ausdruck einer Haltung des Wandels, der Orientierung an der Gegenwart, lässt sich dieser nicht in bestimmte Formen giessen. Die heutige Sehnsucht nach Kontinuität setzt einen Kontrapunkt zum Fortschrittsdenken der Vorgängergeneration.

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