Eine Hängebrücke eröffnet neue Perspektiven

Ingenieurbaukunst

Im Rahmen des Benefizprojekts bridgingMZAMBA wurde das Mzamba-Flusstal in Südafrika mit einer neuen Brücke überspannt. Architektonische und statisch-konstruktive Überlegungen führten zu einer gebogenen Stahlkonstruktion, die sich geschickt in das Gelände einfügt.

Clementine Hegner-van Rooden Ingenieurwesen, Korrespondentin TEC21

Bauherrschaft
bridgingMZAMBA – Community Steering Committee, Mzamba, Südafrika
Architekten
Fachhochschule Kärnten
Projektmanagement
buildCollective – NPO for Architecture  &  Development, Wien

Die Fussgängerbrücke verbindet elegant die beiden Ufer des Flusstals. Sie ermöglicht der Bevölkerung erstmals einen sicheren Zugang zur Schule und zur Krankenstation auf der anderen Talseite. Im Oktober 2016 wurde sie mit dem Prix Acier aus­gezeichnet (vgl. «Leistungsschau in Stahl»).

Die fehlende Infrastruktur und das unwegsame Gelände vor Ort verunmöglichten weitestgehend den Einsatz schweren Geräts für den Bau. Ausserdem sollte die Ausführung durch Helfer erfolgen, die mehrheitlich keine Fachausbildung besitzen. Deshalb entschieden die Planenden, die ­Brücke als leichte, kleinteilige und einfach zu fügende Stahlkonstruktion auszuführen. Nur so konnten Transport und Montage der Kon­struktionselemente ohne aufwen­dige technische Hilfsmittel und ohne spezialisierte Kenntnisse erfolgen.

Die Fussgängerbrücke überspannt das Mzamba-Flusstal als Seiltragwerk mit zwei Pylonen, die als aufgelöste Fachwerke aus L-Profilen mit einfachen Schraubverbindungen konzipiert wurden. Von den Tragseilen, die über drei Felder führen, sind Stahlhohlpro­file als Bügel abgehängt, auf denen der Gehweg ­aufliegt. Dieser besteht aus in Brückenlängsrichtung ver­legten Stahlprofilen und einem darauf verschraubten Holzrost.

Alle Stahlbauteile sind vorfabriziert, was eine witterungs- und baustellenunabhängige Produktion sowie die anschliessende Verzinkung unter kontrollierten Bedingungen ermöglichte. Ein zu­ver­lässiger Korrosionsschutz ist eine wichtige Voraussetzung für eine dauerhafte Konstruktion in ­dieser Küstenregion nahe dem Indischen Ozean.

Die Brückengeometrie und die Bogenform des Gehwegs sind auf statisch-konstruktive und architektonische Überlegungen zurückzuführen. So fügt sich die Brücke geschickt in die topografischen Verhältnisse ein. Die Pylone und ein Brückenwiderlager konnten auf Felsformationen gegründet werden; einseitig sind die Seilkräfte im Erdreich mittels Toter-Mann-Prinzip verankert.

Mit der Wahl des Brückenstandorts gelang es, die beiden Pylone ausserhalb des Flussbetts zu positionieren, wodurch die Verkolkung im Fundamentbereich behindert wird. Zugleich verkleinerten die Ingenieure die Spannweite zwischen den Pylonen so weit wie möglich, um die exponentiell anwachsende Belastung der Tragelemente zu reduzieren und damit den Materialverbrauch zu minimieren. Überdies gelang es ihnen, die Pylonhöhen bzw. den Stich der Tragseile so zu optimieren, dass die Horizontalkräfte möglichst klein ausfallen. Die Ingenieure haben den Balanceakt zwischen den Anforderungen bis hin zum ausgereiften Projekt erfolgreich gemeistert.

Eine ausführlichere Version dieses Artikels erschien zuerst im dreisprachigen Buch «Schweizer Ingenieurbaukunst 2016/2017» (vgl. Kasten).

 

Angaben zur Publikation

Clementine Hegner-van Rooden et al.: Schweizer Ingenieurbaukunst – L’art des ingénieurs suisses – Opere di ingegneria svizzera – 2015/2016.
Espazium – Der Verlag für Baukultur, Zürich 2016, 128 Seiten, 21 × 29.7 cm, Softcover; dreisprachig deutsch, französisch, italienisch; zahlreiche farbige Pläne und Abbildungen, ISBN 978-3-9523583-4-4, Fr. 45.–;
im Buchhandel oder Bestelladresse: buch@espazium.ch

 

 

Schweizer Ingenieurbaukunst 2017/2018

Ermutigt durch den grossen Erfolg von «Schweizer Ingenieurbaukunst 2015/2016», plant espazium – Der Verlag für Baukultur, unterstützt durch die Verbände usic und SIA, den nächsten Band: «Schweizer Ingenieurbaukunst 2017/2018» (vgl. «Call for papers»).

Bereits die erste Projektsammlung erregte eine für Fachbücher aussergewöhnlich hohe Aufmerksamkeit. Deshalb würdigen wir herausragende Ingenieurwerke, die in den nächsten zwei Jahren fertiggestellt werden, in einem neuen dreisprachigen Buch. Erscheinen soll es im November 2018, bei ausreichender Nachfrage ist zusätzlich eine englische Ausgabe vorgesehen. 

Bitte schicken Sie Ihre besten Projekte an tec21@tec21.ch.

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