De­sign als Flow

Kuschlige Knallfarben, feuerfeste Synthetikstoffe und Kurven, soweit das Auge reicht: Die Wohnlandschaften und Möbel von Verner Panton (1926–1998) könnten den Eindruck erwecken, dass wir keine Aussenwelt mehr bräuchten.

Publikationsdatum
15-06-2026

Die Retrospektive auf das Werk des dänischen Designers Verner Panton im Vitra Schaudepot  in Weil am Rhein anlässlich seines 100. Geburtstags erzählt von den Zukunftsvisionen der Generationen um 1970 und mehr: Vom Traum von einem Raum, in dem so viele Fantasien möglich sind wie im eigenen Kopf. Die Welt im Inneren hat alles, kann alles. Aus Farben, Formen und Licht entstehen Stimmungen zwischen still und schrill, zwischen Bewegung, Begegnung und Traum – in Raumformationen, die den Ideen der Generationen ab den späten 1960er-Jahren Ausdruck geben. 

1963 zog der Designer Verner Panton (der übrigens ursprünglich in Kopenhagen Architektur studiert hatte) nach Basel, wo die Kooperation mit Willi Fehlbaum und dessen Firma Vitra für Pantons später weltweit erfolgreichste Stuhlkreation «Panton Chair» ihren Lauf nahm. Auch wenn Carin Panton von Halem, die Tochter von Marianne und Verner Panton, mit ihrer Verner Panton Design AG weiterhin alle Rechte hält und es viele Kooperationen mit anderen namhaften Herstellern gibt, nimmt die Vitra Designsammlung eine besondere Rolle im Erbe des legendären Entwerfers ein: Im Vitra-Archiv liegen nun auch 40 000 Dokumente, die Hälfte davon Zeichnungen. Viele davon sind in der derzeitigen Schau im Vitra Schaudepot zu sehen.

Die erste Ausstellung zu Verner Pantons Schaffen veranstaltete das Vitra Design Museum 2000 im damals gut zehn Jahre alten Gehry-Bau, begleitet von einem umfangreichen Katalog, der weiterhin als Standardwerk gilt. Ein neues Buch gibt es nun nicht, dafür unter den Möbeln diverse Neuauflagen und Serien bestehender Entwürfe wie auch neue Farbpaletten beispielsweise für den «Living Tower». 

Dieser war 1969, gleichzeitig zu Pantons Entwurf der sagenhaften Wohnlandschaft für die Visiona II, als Serienprodukt entstanden. Wohnen findet im Living Tower wie auch in Panton-Möbelentwürfen, die nur als Prototypen produziert sind, nicht nur auf einer Ebene, sondern auch in der Vertikalen statt. Dabei sind die verschiedenen Ebenen beim Living Tower mit kurvig schwungvoller und gleichzeitig ergonomisch hergeleiteter Formgebung verbunden. 

Ob als Begegnungs- oder Relaxzone für Erwachsene oder als Kletterhöhle für Kinder: Auch wenn sich seit der Euphorie für synthetische Farben und formbare Kunststoffe im Möbeldesign viel getan hat und wir vielerlei kleinere und billigere Mittel gefunden haben, innere Landschaften herzustellen, hat keine Generation seit den 1960ern Pantons fantastische Designs vergessen. 
Insbesondere Basel trägt auch dem Erbe der Interieurs von Verner Panton gute Sorge: Im Restaurant Kunsthalle neben dem Tinguely-­Brunnen gibt es einen Panton-Saal und beim Universitätsspital Basel (dank der Basler Denkmalpflege: wieder) einen unterirdischen Pantongang. 

Die Designschau ist mehr als eine Würdigung. Sie zeigt auf, wie die Gestaltung des Innenraums vor einem halben Jahrhundert mehr als nur die Frage nach der Geborgenheit des Privatraums stellte. Als Gegenwelt zu herkömmlichen Traditionen sind diese bunten, geschwungenen und teils märchenhaften Wohnwelten schliesslich zeitlos kraftvoll und erinnern uns daran, dass ein Rückzug ins Innere nicht bedeutet, die Aussenwelt aufzugeben, sondern vielmehr grossartige Energien freisetzen kann. 

Ausstellung

Verner Panton. Form, Farbe, Raum
23.5.2026–9.5.2027
Vitra Schaudepot, Weil am Rhein (D)

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