Wie geht’s weiter im Basler Hafenareal?
Der neue Planungsvorschlag «Arealentwicklung Klybeckquai – Westquai» für das Basler Klybeckquartier zeigt auf, wo neuer Wohn- und Arbeitsraum mit Rheinanschluss entsteht und wie sich das alte und neue Quartier miteinander verknüpfen werden.
Grossstädte wie London, Hamburg und Kopenhagen erobern seit einigen Jahrzehnten ihre Flussufer zurück, indem sie ehemalige Hafen- und Industrieareale zu neuen attraktiven Stadtvierteln am Wasser umgestalten.
Auch am Basler Rhein, zwischen dem Fluss Wiese und der Dreirosenbrücke, sind der Klybeckquai und der Westquai Teil eines grösseren Planungsprozesses. Wo derzeit tonnenschwere Industrie- und Hotelschiffe anlegen, sollen in Zukunft Wohnungen für 3000 und Arbeitsplätze für rund 1500 Menschen entstehen. Doch der Prozess ist sehr langwierig: Ein Bauvorhaben, das sich über mehrere Generationen erstreckt.
Bei der Präsentation des neusten Planungsvorschlags «Arealentwicklung Klybeckquai – Westquai» resümiert der Vorsteher des Departements für Wirtschaft, Soziales und Umwelt Kaspar Sutter: «Die Transformation [des Hafens] ist eine Konstante.» Denn der Basler Rheinhafen, der vor mehr als hundert Jahren erbaut wurde, ist im steten Wandel.
Verlegung der Hafenbahn
Die Modernisierung der Hafenanlage und ihre Verlagerung auf das Areal des ehemaligen Badischen Rangierbahnhofs schaffen die Grundlage für eine weitere Entwicklung. Die Verlegung der Hafenbahn schafft Platz für die neuen Stadtbausteine in den Quartieren Klybeck und Kleinhüningen und ermöglicht den Zugang zum Rhein.
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Die Schifffahrt soll das Ufer aber weiterhin nutzen können und die industrielle Vergangenheit damit sichtbar bleiben.
Bisherige Entwicklungsschritte
Die neuen Planungsvorschläge haben kaum noch etwas gemein mit dem städtebaulichen Konzept, das das Team MVRDV/Josephy/Cabane 2010 erarbeitet hat. In dessen Entwurf bildeten der Westquai und der Klybeckquai eine Insel voller Wolkenkratzer, die ihr den Spitznamen «Rheinhattan» einbrachten.
Seitdem wurden mehrere Studien für die freiwerdenden Areale durchgeführt. Resultat war das 2019 entwickelte städtebauliche Leitbild von Baukontor Architekten.
Initiative "Hafen für Alle"
Als Antwort darauf entstand prompt die Volksinitiative «Hafen für alle». Darauf hat wiederum der Grosse Rat 2023 einen Gegenvorschlag beschlossen, woraufhin die Initiative zurückgezogen wurde.
Der neue, im August 2025 vorgestellte Planungsvorschlag für die Arealentwicklung sieht am Klybeckquai preisgünstigen Wohnraum, quartierdienliche Nutzungen sowie einen grosszügigen Quartierpark vor.
Arealentwicklungen in der Nachbarschaft
Eingebettet in die Gesamtentwicklung 3Land befindet sich das ganze Hafengebiet in unmittelbarer Nachbarschaft grosser Arealentwicklungen. So auch die Umnutzung eines Industrieareals "klybeckplus" in Kleinhüningen-Klybeck, das 2019 von der Rhystadt AG und der Swiss Life AG gekauft wurde.
Mehr Grün, mehr Rhein, mehr Lebensraum für alle
Ein Park am Klybeckquai soll das Herz des Quartiers bilden; er erstreckt sich vom Rheinufer bis zum bestehenden Grünraum des Schulhauses Ackermätteli im alten Klybeckquartier. Beidseitig des neuen Parks wird die Blockrandbebauung des Quartiers fortgesetzt. Dadurch entsteht eine einheitliche städtebauliche Struktur.
Eine neue Tramlinie sowie neue Velo- und Fusswege gewährleisten die Erschliessung des Gebiets. Die Rheinpromenade wird von der Dreirosenbrücke bis zum Dreiländereck verlängert. Die bestehenden Biotopverbundachsen bleiben erhalten.
Wohnen am Klybeckquai, Gewerbe und Kultur am Westquai
Am Klybeckquai ist ein Drittel der Fläche für Baufelder mit Schwerpunkt Wohnen reserviert. Die anderen zwei Drittel sind öffentliche Grün-, Natur- und Strassenflächen.
Anders sieht es am Westquai – der Halbinsel im Hafengebiet – aus: Hier werden die Nutzung und Bebauung nicht von Anfang an definiert, sondern sollen sich schrittweise entwickeln. Der Fokus liegt vorerst auf Gewerbe, Freizeit und Kultur. Mit Pilotprojekten soll getestet werden, was funktioniert. Langfristig könnte aber auch hier Wohnraum entstehen.
Ein Drittel Wohnen, zwei Drittel Freiraum
Im Unterschied zum Konzept von 2019 fallen Freiräume und Naturflächen um rund 20000 m2 grösser aus und umfassen die Hälfte des Arealperimeters Kybeckquai-Westquai. Zudem wurde die Bebauungsdichte im Vergleich zum vorangegangenen Konzept um 15 bis 20 % reduziert. Der aktuelle Entwurf sieht keine Hochhäuser vor. Ob einzelne Hochhäuser dennoch städtebaulich sinnvoll sein könnten, ist noch zu prüfen.
Gondrand muss weichen
Das zwischengenutzte Gondrand-Gebäude will man auch künftig einbeziehen, es muss aber dem neuen Park weichen. Auch in Zukunft soll die Bevölkerung beim Entwurf des Stadtteilrichtplans mitdiskutieren können, der Mitte 2026 durch den Regierungsrat beschlossen werden soll. Ab dann ist er für alle kantonalen Projekte verbindlich.
Bis am Klybeckquai und Westquai gewohnt und gearbeitet werden kann, wird es aber mit oder ohne Verzögerungen noch viele Jahre dauern: Der Rückbau der Hafenbahn ist für das Jahr 2032 geplant, erst dann kann die Umgestaltung des Hafenareals umgesetzt werden.