Ein Neu­bau nach al­tem Mus­ter

Das Wohnhaus «deux chevaux» von kollektive architekt im Basler Lysbüchel-Quartier beschränkt sich auf das Wesentliche: Kompakte Wohnungen, vielseitiges Raumprogramm und gemeinschaftliche Flächen schaffen ein Gebäude, das unterschiedlichsten Bedürfnissen gerecht wird.

Publikationsdatum
09-12-2025

Am bisherigen Ende der Lothringerstrasse entstand die letzten Jahre ein neuer Blockrand, der so gar nichts von elf Hektaren Arealentwicklung vermuten lässt, sondern sich ganz selbstverständlich mit kleiner Parzellierung in der Wohnzone 5a der Bebauung des umliegenden St. Johann-Quartiers anpasst.

Erst auf den zweiten Blick fällt auf, dass es allesamt Neubauten sind: Grösstenteils genossenschaftliche Wohnhäuser, die im Baurecht auf Boden der Stiftung Habitat entwickelt wurden. Die Vielfalt der Bauherrschaften spiegelt sich auch in der Vielfalt der Architekturen und Materialien, die dicht an dicht innert weniger Jahre entstanden.

Ein zweites Pferd

Die Genossenschaft Cohabitat bewarb sich mit der Idee des Generationenwohnens und lobte anschliessend einen Studienauftrag aus. Das Basler Architekturbüro kollektive architekt überzeugte mit dem Projekt «deux chevaux», das als «zweites Pferd im Stall» typologisch auf den Bestandsbauten der Genossenschaft aus der Jahrhundertwende aufbaut. 

Weitere spannende Projekte auf dem Areal Lysbüchel finden Sie im E-Dossier «Volta Nord»

Die daraus entwickelten Grundrisse sind äusserst kompakt und loten an mehreren Stellen die Grenzen heutiger Gesetze und Normen aus. Die Analogie aus der Welt der Automobile: kein SUV, sondern ein 2CV – und damit erschwingliche Wohnungen für die bisherigen Altbau-Bewohnenden.

Reduzierte Formensprache

Architektonisch spricht das Haus eine auf die Materialien reduzierte Formensprache: Vorgehängte graue Welleternitbänder markieren horizontal die Geschosse vor der verkleideten Holzständerfassade. Leicht abgeschrägt montiert erinnern sie an einen Brise-Soleil, dahinter sind additiv die türkisblauen Rollläden montiert. Jeweils vier raumhohe Öffnungen bringen Licht in die Wohnungen, einfache Brüstungen mit Maschendrahtzaun dienen als Absturzsicherung vor Fenstern und den breiten vorgehängten Balkonen. 

Reduktion auf das Wesentliche

Die Wohnungen sind innen auf das Wesentliche beschränkt und knapp geschnitten: Die 4.5-Zimmer-Wohnungen etwa messen 76 m2 und müssen gemäss hauseigenen Richtlinien von mindestens drei Personen bewohnt werden, was rund 25 m2 pro Person entspricht und weit unter den durchschnittlichen 45 m2 Wohnflächenverbrauch der Schweiz liegt. 

Im Erdgeschoss befinden sich zwei 2.5-Zimmer-Wohnungen, auf drei Geschossen je eine 2.5- und eine 4.5-Zimmer-Wohnung, während im dritten Obergeschoss eine grosse 6-Zimmer-Wohnung von einer WG bewohnt wird. 

Vier Betonstützen, das innenliegende Treppenhaus und die Brandwände aus Kalksandstein bilden das Gerüst – ausgefacht durch Holzständerwände und die raumhohen Fenster und Türen. 

Gemeinsame Räume

Dank des abfallenden Terrains ist auch der Keller gut nutzbar: Die hofseitige Gartenhalle öffnet sich ebenerdig zum Garten und kann für Feste, Haussitzungen und als Werkstatt genutzt werden. Als weiteres Raumangebot befinden sich im Attikageschoss eine gemeinsame Waschküche und eine Badestube mit Badewanne sowie drei Mansardenzimmer, die nach Bedarf den Wohnungen zugeteilt werden können – ein Modell, das sich in Bauten seit der Jahrhundertwende bewährt und flexible Nutzungen von Homeoffice über Gästezimmer bis Atelier ermöglicht.

«Deux chevaux» ist ein Haus mit Weitblick – nicht nur im Dachgeschoss, von wo aus der Blick im Schatten des Solarpaneele über ganz Basel und bis nach Frankreich schweift. Sondern auch mit einer Architektur, die auf Unnötiges verzichtet, den individuellen Wohnraum auf das Minimalmass reduziert und durch gemeinschaftliche Räume und addierbare Mansardenzimmer ergänzt. Das schafft Wohnraum, der langfristig effizient und bedarfsgerecht nutzbar ist.

Wohnhaus «deux chevaux»

 

Fertigstellung
Juni 2022

 

Bauherrschaft
Genossenschaft Cohabitat

 

Architektur
kollektive architekt, Basel

 

Baumanagement
Büro für Bauökonomie, Basel

 

PV-Planung
ADEV/Planecco, Basel

 

Kosten (BKP2)
3.4 Mio. Fr.

 

Mietzinse 
2.5-Zimmer-Wohnung, 54 m2: 1190 Fr. inkl. 
4.5-Zimmer-Wohnung, 76m2: 1700 Fr. inkl.

 

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