His­to­rie trifft Struk­tur­wan­del

Mit dem Umbau des Basler Globus-Kaufhauses gelang Miller & Maranta die Verbindung von historischer Substanz und zeitgemässer Nutzung. Hinter denkmalgeschützten Fassaden entstand ein neues Einkaufs- und Bürohaus mit begrünter Dachlandschaft und flexibler Raumstruktur. Der markante Aufbau sorgt für Diskussionen – und zeigt zugleich, wie innerstädtische Verdichtung heute aussehen kann.

Publikationsdatum
25-03-2026

Als im 19. und frühen 20. Jahrhundert prachtvolle Kaufhäuser wie Harrods in London oder die Galeries Lafayette in Paris entstanden, staunte man über exotische Warenfülle und neue Einkaufserlebnisse. In der Schweiz war es die Familie Knopf, die grosse Warenhäuser betrieb. 1907 firmierte Heinrich Burkhardt den J. Weber’s Bazar in Zürich in Globus um und in den folgenden Jahrzehnten etablierte sich das Warenhaus in vielen Schweizer Grossstädten. 

1997 übernahm die Migros die Firma, verkaufte sie aber 2020 an ein Joint Venture der thailändischen Central Group und der österreichischen Signa Holding, dessen Ziel es war, die Häuser zu renovieren und im Luxussegment neu zu positionieren.

Vier Zeitschichten in einem Haus

Auch das Basler Globus-Haus am Marktplatz (Romang und Bernoulli Architekten) sollte entsprechend umgestaltet werden. Bereits zuvor hatte die Migros nach einer Neuausrichtung des Gebäudekomplexes gesucht und neben einer Beurteilung der Liegenschaften auch nach möglichen Zukunftsszenarien gefragt. 

Trotz des Verkaufs an das Joint Venture blieb die Fragestellung dieselbe: Wie kann das Gebäude, das vier Zeitschichten in sich vereint, strukturell ersetzt werden und als Neubau wieder wirtschaftlich funktionieren? 

Potpourri am Basler Marktplatz

Der ursprünglich bis zum Erdgeschoss geschlossene Kopfbau von 1904 war nur fünf Jahre später so umgebaut und erweitert worden, dass er sich fortan bis in die Eisengasse zog. Die strassenseitig fünfgeschossige Fortführung in die Eisengasse stellten Suter & Burckhardt Architekten 1932 fertig. Südlich vom Ursprungsbau setzten Suter + Suter Architekten 1975 schliesslich einen Viergeschosser mit rückspringendem Arkadengang an, was die Fassadenfolge zum bunten Potpourri machte. 

«Wir haben die komplexe Überlagerung zum Entwurfsthema gemacht und uns intensiv mit dem Kontext des Gebäudes auseinandergesetzt», betont Quintus Miller. «Wichtig war uns, das Neubauvolumen sorgfältig in die Altstadt einzubetten – die hängenden Gärten in den obersten Geschossen und die Fassade, mit der wir Bezug nehmen auf die historischen glasierten Ziegeldächer der Stadt, sind für uns Kernpunkte der Arbeit.» 

Hinter den alten Fassaden: Alles neu

Während des Umbaus hätte niemand vermuten können, dass hinter den Bauplanen lediglich die Fassaden erhalten blieben. Dank dem Neuaufbau im Innern war es möglich, die neuen Geschossdecken so zu setzen, dass die Etagen trotz der aussen sichtbaren Fassadenversprünge grösstenteils stufenfrei verbunden sind. 

Lediglich in den 1930er-Jahre-Bau gelangt man vom zwischenliegenden Treppenhaus über einige Stufen auf das benachbarte Niveau. Hier sind auch interne Verwaltungsflächen und vermietbare Gewerberäume untergebracht, während sich im ältesten Gebäudeteil und im Anbau aus den 1970er-Jahren ausschliesslich Kaufhausflächen befinden.

Das zweite Gesicht

Städtebaulich bildet das Haus den Übergang vom Marktplatz zum höher gelegenen Martinskirchplatz. Ein besonderes Raumerlebnis entsteht daher im fünften Obergeschoss, wo man sich rückseitig wieder auf Erdgeschossniveau befindet. Hier ist das Gebäude ganz anders: Die verglaste Fassade und die drei aufgesetzten Büroetagen sind üppig begrünt. 

Neue Tragstruktur für die Dachetagen

Für die ideale Nutzung der obersten drei Etagen galt es, eine möglichst effiziente neue Tragstruktur mit relativ grossen Spannweiten zu entwickeln. Die Hauptlasten werden entlang der Fassade und um den Lichthof herum durch eine Stützenstruktur sowie über Deckenplatten im hinteren Bereich zurAussteifung des Gebäudes aufgenommen. 

Kippscheiben leiten die hohen Lasten der terrassierten Dachlandschaft – mit Bodenaufbauten inklusive Erdschüttung von bis zu 140 cm und bis zu 8 m hohen Bäumen – auf das innere Tragwerk ab. 

Ein hängender Garten auf dem Dach

Dass Raderschall Partner Landschaftsarchitekten bereits im März mit der Begrünung begonnen hatten, zahlte sich bei der Eröffnung des Hauses aus: Die kleinen Sträucher und grossen Bäume hatten sich bereits am Ort etabliert, die Rankpflanzen ihren Weg entlang der Wuchshilfen gefunden. 

Im Zusammenspiel der blühenden Pflanzen und breit gefächerten Baumkronen mit den industriell gepressten und grün glasierten Keramikelementen, die die Geschosskanten des Aufbaus verkleiden, entsteht das Bild eines hängenden Gartens, der an die Isola Bella im Lago Maggiore erinnert.

Arkaden zurückgebaut

Diesem Eindruck steht das sehr städtische Bild der hohen Jugendstilfassade und ihrer Anbauten gegenüber, die Miller & Maranta auf ihr früheres Aussehen zurückbauten und ergänzten. 

Die Arkaden, die aus Überlegungen für eine autofreundliche Innenstadt in den 1970er-Jahren ergänzt wurden, gibt es heute nicht mehr – im Gegenteil: Der Verkehr wurde beruhigt, das Trottoir verbreitert. Ein massiver Sockel mit grossen Schaufenstern bringt das «auf Stützen schwebende Gebäude wieder auf den Boden», wie Miller sagt. 

Stimmiges Fassadenbild

Der Anbau von 1932 erhielt neue Holzfenster nach Originalplänen, jener von 1975 eine Einfachverglasung mit nachgesetzten Standardfenstern, die die Hülle thermisch abschliessen. Von aussen ergibt das in den einzelnen Fassaden ein stimmiges Bild, und selbst der historisierenden Fassade am Martinsgässlein sieht man nicht an, dass sie ein Neubau ist. 

Viele konnten wohl das Ende der Grossbaustelle im Herzen der Stadt nicht abwarten, auch wenn die Sanierung umstritten war und besonders der neue Dachaufbau die Gemüter erregte. Sanierung und Erweiterung ermöglichen jedoch, ein immens grosses Gebäude gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten variantenreicher zu nutzen und damit für die Zukunft anpassbar zu halten.

 

Umbau Kaufhaus Globus Basel

 

Bauherrschaft
Marktplatz 2 Immobilien, Basel


Architektur
Miller & Maranta, Basel


Landschaftsarchitektur
Raderschall Partner Landschaftsarchitekten, Meilen


Generalplanung und Bauleitung
Dietziker Partner Baumanagement, Basel

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