Daylight Award 2018: Kontemplation und Computation

Der japanische Architekt Hiroshi Sambuichi und der amerikanische Forscher Greg Ward erhalten den Daylight Award 2018. Beide beschäftigen sich seit Jahrzehnten mit Tageslicht in der gebauten Umwelt.

Judit Solt Fachjournalistin BR, Chefredaktorin TEC21

Die Preisträger des diesjährigen Daylight Award sind dem Schweizer Fachpublikum kaum bekannt, doch die Entdeckung lohnt sich zweifellos. Der japanische Architekt Hiroshi Sambuichi gehört zu den experimentierfreudigsten Vertretern des nachhaltigen Bauens. Seine Entwürfe leiten sich von den spezifischen Umwelteinflüssen des Orts ab – von der lokalen Dynamik von Wasser, Luft und Licht. Dies umfasst sowohl die Form als auch die Energieversorgung, die ausschliesslich mit lokalen Ressourcen funktioniert. Sambui­chis Bauten sind herausragende ­Beispiele für eine Low-Tech-Architektur, die pragmatisch und poetisch zugleich auf ökologische Herausforderungen reagiert und auf diese Weise eine ganzheitliche, kohärente Haltung zur natürlichen Umgebung herstellt.

Der Computerwissenschaftler Greg Ward ist der Entwickler des Simulationsprogramms Radiance, das seit drei Jahrzehnten benutzt wird, um die Wirkung und die ­Möglichkeiten von Tageslicht zu visualisieren. Radiance wird breit eingesetzt: in Architektur und Design, aber auch in der Landwirtschaft, im Film, im Gesundheits­wesen und in der medizinischen Forschung. «Greg Ward hat die ­Maschine ent­wickelt, die heute Tausende von ­Forschern und Architekten verwenden, um ­Entscheidungen zu treffen und ihre ­Arbeit weiterzuentwickeln», kommentiert EPFL-Professorin und ­Forscherin Marilyne Andersen, die 2016 selbst mit dem Award ausgezeichnet wurde und die diesjährige Jury präsidiert.

Der Daylight Award wurde am 27. September an der EPFL überreicht. Die Redaktion unserer welschen Schwesterzeitschrift TRACÉS nutzte die Gelegenheit für ein Gespräch mit den Preisträgern. Die Interviews werden in Kürze publiziert. 

Jury

Marilyne Andersen, Physikerin, Prof. für nachhaltige Bautechnologien, EPFL (Vorsitz, Preisträgerin 2016)
Aki Kawasaki, Ophtalmologin, assoz. Prof. für Biologie und Medizin, Universität Lausanne 
Florence Lam, Ingenieurin, Partnerin und Global Light Design Leader, Arup, London
Hubert Klumpner, Architekturprof. ETH Zürich und Partner von Urban Think Tank, Schweiz/Venezuela
James Carpenter, Gründer von James Carpenter Design Associates, USA
Koen Steemers, Architekt, Prof. für nachhaltige Bauweisen, Universität Cambridge
Per Olaf Fjeld, Architekt, Prof. em. und ehem. Vorsteher Architekturinstitut studio B3, Oslo
Stephen Selkowitz, Berater für Bautechnologien, Lawrence Berkeley National Laboratory, Kalifornien

 

Daylight Award

Der internationale Daylight Award ist der Nachfolger mehrerer Prämierungen im Bereich Tageslicht: Hervorgegangen aus dem Schweizer «Tageslicht Award» (vgl. «Licht gestaltete Räume», «Tageslicht-Award 2014 verliehen» und «Licht für Seele, Kopf und Herz») und zwei dänischen Tageslichtpreisen, prämiert er seit 2016 alle zwei Jahre herausragende Arbeiten zum Thema Tageslicht in den Kategorien Wissenschaft und Architektur. Mit diesem Schwerpunkt soll der Austausch zwischen Theorie und Praxis auf dem Themengebiet gefördert werden. Neben der allgemeinen Aus­einander­setzung mit dem Tageslicht ­würdigt der Preis insbesondere den Umgang mit dessen positiver Auswirkung auf Umwelt, Gesundheit und Wohlbefinden. 

Der Preis ist pro Kategorie mit 100 000 Euro dotiert und wird von der Velux Stiftung und ihren beiden dänischen Schwesterstiftungen verliehen. Die drei Institutionen vergeben seit 1980 Auszeichnungen im Bereich Tageslicht; frühere Preisträger waren etwa Jørn Utzon, Henning Larsen, Peter Zumthor, SANAA, Richard Perez, James Carpenter, Lacaton & Vassal, Gigon/Guyer, Bob Gysin, Marilyne Andersen und Steven Holl. (Text: Tina Cieslik)

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