Von Nepal nach Südafrika

In Südafrika werden mit der Unterstützung des Globalprogramms Klimawandel¹ der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) 100 energieeffiziente Backsteinbrennöfen nach einem neuen Herstellungsverfahren gebaut. Die Öfen sollen die CO -Emmissionen der Baubranche um rund 60.000t pro Jahr reduzieren.

Danielle Fischer Architektur, Redaktorin TEC21

Südafrika deckt mit Kohle fast seinen gesamten Strombedarf; das Land ist dadurch einer der weltweit grössten Verursacher von Treib­hausgasen. Deshalb und weil der Energieverbrauch in den letzten Jahren stark zugenommen hat, beschloss die Regierung 2008, die Emissionen bis 2020 um rund ein Drittel zu senken. Der Bausektor ist gegenwärtig für 30–40% dieser Emissionen verantwortlich. Dazu gehören auch die Backsteinproduzenten, die mit traditionellen Öfen arbeiten. Im Zuge des Regierungsbeschlusses und aufgrund der steigenden Energiekosten informierten sich einige Fabrikanten in Eigeninitiative über neue Technologien zum Brennen der Backsteine.2 Im Internet stiessen sie auf das Verfahren des Vertical Shaft Brick Kiln (VSBK), einer ursprünglich aus China stammenden Technik, die die Schweizer Deza gemeinsam mit dem Swiss Resource Centre and Consultancies for Development (Skat) zur Verbesserung der Energieeffizienz in den 1990er-Jahren in Indien und Nepal eingeführt hatte. Nach einem ersten gescheiterten Versuch, einen solchen Ofen selbst nachzubauen, baten die Produzenten die Deza um Hilfe, die daraufhin einen Süd-Süd-Technologietransfer organisierte: Schwellenländer, die oft ähnliche Probleme haben, sollen sich so gegenseitig Wissen direkt vermitteln können.

Neuer Ofen, neue Abläufe

Ein erster Besuch der südafrikanischen Unternehmer im Mai 2009 in Nepal und Indien führte vor Augen, welche organisatorischen und strukturellen Änderungen gegenüber dem traditionellen Produktionsverfahren notwendig sein würden. Der VSBK produziert die Backsteine in rund 24 Stunden, wofür eine konti­nuierliche Betreuung durch geschultes Personal notwendig ist. Im Gegensatz dazu ist bei traditionellen Öfen nur das Aufschichten der Steine am Anfang und das Entladen am Ende personalintensiv, der mehrwöchige Brennprozess selbst benötigt wenig Betreuung. Als der Bau der ersten Anlage beschlossen wurde, war aufgrund der Finanz- und Baukrise nur noch einer der drei Anfangsinteressenten bereit einzusteigen. In der Folge leistete die Deza eine Anschubfinanzierung für das Pilotprojekt und kam zudem für die Kosten der Experten aus Indien und Nepal auf. Um Detailfragen und Gesamtkoordination kümmerten sich Fachleute von Swisscontact und Skat. Den Bau des Ofens und die Inbetriebnahme führten die südafrikanischen Partner mit Unterstützung der indischen, nepalesischen und Schweizer Experten aus.

Soziale Fortschritte

Im August 2011 wurde in Jeffreys Bay im Süden des Landes der erste Vertical Shaft Brick Kiln in Betrieb genommen. Verglichen mit traditionellen Öfen hat das neue Modell einige Vorteile: Der sparsame Kohleverbrauch senkt den CO2-Ausstoss um rund 60%. Ein spezieller Abzug verhindert, dass die Arbeiterinnen und Arbeiter dem Rauch ausgesetzt sind. Die Angestellten erhalten höhere Löhne als jene, die an traditionellen Öfen arbeiten, weil sie besser qualifiziert sind. Durch einen Hebekran für die Steine ist weniger physische Kraft nötig, daher eignet sich die Arbeit auch für Frauen. Die Technik, die den VSBK so effizient macht, basiert auf der senkrechten Struktur und dem Gegenstromprinzip. Alle zwei Stunden werden von oben neue Backsteine eingeladen und langsam in den Ofen abgesenkt. Der Brennprozess erfolgt in der Mitte des Kamins, wo die Hitze am grössten ist. Durch die aufsteigende warme Abluft werden die Steine aber schon in der oberen Hälfte des Schachts vorgewärmt. Eine hydraulische Vorrichtung hilft, die fertigen Steine am unteren Ende aus dem Ofen herauszunehmen.

Aussichtsreiche Zukunft

Der neue VSBK hat sechs Brennschächte, die als modulares, einfach erweiterbares System funktionieren. Dieses Jahr sollen für jeweils 60.000 Schweizer Franken sechs weitere Kamine erstellt werden. Sie werden durch Eigenmittel, Bankkredite und künftig auch durch Carbon Financing3 finanziert. Anhand des Pilotofens konnten auch erstmals von den Behörden verlangte Messungen vorgenommen werden. Nachdem die erzielten Emissionswerte innerhalb der vorgegebenen Grenzwerte liegen, bewilligte die Regierung das Verfahren. Es gibt bereits 10 bis 15 Interessenten für das energiesparende Verfahren, das sich hoffentlich in Südafrika so gut etabliert wie in Nepal und Indien.

Anmerkungen
1 Das Programm «Energy Efficient Brick Production» ist Teil des «Energy Efficiency Building Programme» des Globalprogramms Klimawandel der Deza in Südafrika. Zwei Videos zum Verfahren: www.sa-vsbk.org
2 Die Initiative erfolgte unabhängig vom Berufsverband (Clay Brick Association), da dieser keine einzelnen Technologien fördern will
3 Abgaben auf Treibhausgas-intensive Herstellungsverfahren

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