Zei­trei­se dur­chs Sy­stem

Editorial TEC21  34/2021

Data di pubblicazione
28-10-2021
Tina Cieslik
Redaktorin TEC21 / Architektur und Innenarchitektur

Es müssen aufregende Zeiten gewesen sein, damals Mitte der 1960er-Jahre: die Nachkriegszeit überwunden, die Ölkrise noch in weiter Ferne, eine Gesellschaft im Umbruch und über allem das Versprechen, die Technologie werde die Menschen in eine bessere Zukunft führen. Damals entwickelten Architekt Fritz Haller und Ingenieur und Unternehmer Paul Schärer das legendäre Möbelsystem USM Haller. Inspiration dafür sollen Holzpaletten gewesen sein – robust und universal einsetzbar. Hallers Konstruktion der Wahl war allerdings der ästhetisch deutlich überzeugendere Stahlbau: Er entwickelte die Systeme Mini, Midi und Maxi, die es erlaubten, Gebäudetypen von Wohnhäusern bis zu Werkhallen modular und bedarfsgerecht zu erstellen.

Für Haller waren Arbeiten und Wohnen eng verbunden. In Paul Schärer fand er einen Bauherrn, der diese Auffassung teilte. Ende der 1960er-Jahre liess er sich von Haller sein Privathaus in Sichtweite der Firma in Münsingen erstellen – der Prototyp des Systems Mini, ein gebautes Manifest an Transparenz und Eleganz. 

Bis heute hat der Bau nichts von seiner Radikalität eingebüsst. Nach rund 20 Jahren Leerstand wurde die Haus Buchli genannte Villa von 2012 bis 2020 instand gesetzt. Die Arbeiten waren ein Ausbalancieren zwischen den hochpräzisen, maximal reduzierten Stahlkonstruktionen und dem heutigen bauphysikalischen State of the Art. Entstanden ist ein Lehrstück über den wertschätzenden Umgang mit Stahlbauten der jüngeren Geschichte.

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