Bau­kul­tur in die Bil­dung!

Möglichst viele Menschen sollen am Diskurs über Baukultur teilnehmen. Das soll mit dem offenen Brief erreicht werden, der an der Tagung ­«Baukulturvermittlung als gesellschaft­liche Verantwortung» lanciert wurde.

Data di pubblicazione
25-10-2018
Revision
25-10-2018

Sehr geehrter Herr Bundespräsident Berset,
sehr geehrte Frau ­Regierungsrätin Steiner,
sehr geehrte Mit­glieder der ­Kantonalen Erziehungs­direktorenkonferenz,
sehr geehrter Herr Caviezel,
sehr geehrte Mitglieder der ­Konferenz der kanto­nalen Kulturbeauftragten,
sehr geehrter Herr Nationalrat Fluri,
sehr ­geehrte Mitglieder der ­Städtekonferenz Kultur im ­Städteverband,
sehr geehrte Damen und Herren


Mit grosser Freude haben wir im Januar 2018 von der «Davos Declaration» Kenntnis genommen. Auch die Unterzeichnenden setzen sich unermüdlich für eine hohe Qua­lität in der Baukultur ein. Im Eu­ropäischen Kulturerbejahr 2018 gelangen wir deshalb mit diesem offenen Brief an Sie. Wir bitten Sie darum, dafür zu sorgen, dass Baukultur auch im Schweizer Bildungssystem ankommt.

Bundespräsident Alain Berset und die europäischen Kulturministerinnen und -minister verabschiedeten anfangs 2018 die «Davos Declaration» – ein deutliches Bekenntnis zur Bedeutung der Baukultur. Darin wird ausdrücklich erklärt, dass eine hohe Qualität der gebauten Umwelt einen positiven Einfluss hat auf unsere Lebensqualität, die Verbundenheit mit dem Ort und den sozialen Zusammenhalt. Das Bundesamt für Kultur hat demnach die Bedeutung der Baukultur erkannt und erar­beitet aufgrund eines Auftrags in der Kulturbotschaft 2016–20 eine behördenverbindliche Strategie, wie die Qualität der Baukultur in der Schweiz gesichert und verbessert werden kann.

Baukultur ist allgegen­wärtig und betrifft alle! Deshalb müssen möglichst viele Bewohner und Bewohnerinnen unseres Landes dazu befähigt werden, kritisch und kompetent am Diskurs teilzunehmen. Kulturelle Teilhabe als anerkanntes über­geordnetes kulturpolitisches Ziel erfordert deshalb eine umfassende und breite Vermittlung der Werte und der sozialen sowie ökonomischen Mechanismen der Baukultur. Schliesslich stehen grosse Auf­gaben bevor: Es geht darum, den Raum für die Gesellschaft von morgen zu gestalten.

Die Befähigung zur Teil­habe an diesen wichtigen Entscheidungsprozessen ist eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung. Um der Aufgabe gerecht zu werden, müssen die entsprechenden Ressourcen bereitgestellt werden. Baukultur muss schon an Kinder und Jugendliche vermittelt werden – in der Schule wie auch in den Institutionen der ausserschulischen Bildung. Beide Be­reiche ergänzen sich gegenseitig.

In allen Sprachregionen der Schweiz haben in den letzten Jahren engagierte Architekten, Ingenieurinnen, weitere Bau­kulturschaffende und Lehr­personen Programme zur Baukulturvermittlung an Kinder und Jugendliche erarbeitet und durchgeführt. Die zivilgesellschaft­lichen Initiativen sind also da, müssen aber mangels Ressourcen auf einen lokalen Kontext beschränkt und damit bruchstückhaft bleiben. Um die notwendige breite Wirkung zu erreichen, muss Baukultur in der Struktur des Bildungssystems verankert ­werden – von der Grundlagen­forschung über die Ausbildungsstätten von Lehr­kräften bis in die Schulstunden.

In diesem Sinn bitten wir Sie dringend, sich im Rahmen Ihrer Kompetenzen und Ihrer Verantwortung dafür einzusetzen, dass Baukulturvermittlung für Kinder und Jugendliche in der schweizerischen Grundbildung die dafür geeigneten Strukturen erhält und die notwendigen Mittel bereitgestellt werden. Herzlichen Dank.

Mit freundlichen Grüssen

Thomas Schregenberger, Archijeunes, Präsident
Sabine Gysin, Konferenz Bildschulen Schweiz, Präsidentin
Andreas Ruby, S AM Schweizerisches Architektur­museum, Direktor
Ludovica Molo, i2a istituto internazio­nale di ­architettura, Direktorin
Lya Blanc, Ville en tête, Vorstand


Spannende Angebote besser nutzen

Am Symposium «Baukulturvermittlung als gesellschaftliche Verantwortung» am 21. September 2018 in Zug zeigten die Referentinnen und Referenten, ­welche Angebote es in Sachen Baukulturvermittlung bereits gibt, beispielsweise Archijeunes und Bildschulen Schweiz. Auch der Stand der Grundlagenforschung zur Baukulturvermittlung wurde erläutert. An zwei Podien wurde eifrig diskutiert; einig war man sich, dass mehr getan werden sollte. (Kommunikation SIA)

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