Bil­dung für die Zu­kunft

Swissbau 2018

Was müssen angehende Planerinnen und Planer lernen, um mit der rasanten Entwicklung im digitalen Bereich mithalten zu können? Vertreter verschiedener Hochschulen, der Praxis und der Verbände kommen zum Schluss: Sie müssen ihr Fach beherrschen und die interdisziplinäre Zusammenarbeit üben – denn digital affin sind sie ja bereits.

Data di pubblicazione
23-01-2018
Revision
08-02-2018

Die Anfänge der Digitalisierung haben der Planungs- und Baubranche einige Innovationen beschert, etwa CAAD-Pläne und dreidimensionale Darstellungen – und dabei einige Erschütterungen ausgelöst, insbesondere am Berufsbild des Hochbauzeichners. Doch im Vergleich mit heutigen Entwicklungen muten diese Innovationen geradezu oberflächlich an. Pläne wurden am Computer statt von Hand gezeichnet, blieben aber Pläne; eine Technik löste eine andere ab, während die Ziele, Methoden, Prozesse und Abläufe gleich blieben.

Dass sich das in nächster Zukunft ändern dürfte, zeigt sich unter anderem am viel zitierten Beispiel BIM (Building Information Modelling). Weil BIM eine Methode und keine Technik ist, reichen die Konsequenzen seiner Implementierung viel weiter. Wenn alle relevanten Informationen zu einem Bauwerk in einem einzigen digitalen Modell enthalten sind, wenn alle beteiligten Baufachleute in diesem selben Modell arbeiten und wenn die Informationen daraus direkt in die Fertigung, die Baustellenlogistik, den Betrieb, allfällige Umbauten und Ertüchtigungen und schliesslich in den Rückbau eines Bauwerks einfliessen – dann krempelt das alle bekannten Planungs- und Bauprozesse um. Die Art und Weise, wie die am Bau Beteiligten kooperieren und kommunizieren, wandelt sich; die Planungs- und Bauphasen müssen anders definiert werden; Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten sind neu zu klären. Letztlich wird es darum gehen, eine neue Kultur der Zusammenarbeit zu entwickeln.

Dass dieser gemeinschaftliche, ganzheitliche Zugang auch eine Chance sein kann, die Kernkompetenzen der einzelnen Disziplinen zu stärken, war die optimistische Botschaft der Veranstaltung «Hochschulbildung 2030. Die Bauplanung verändert sich – und die Bildung?», die am 19. Januar 2018 im Rahmen der Swissbau stattfand. Die Referenten und Diskussionsteilnehmer waren sich einig: Die junge Generation verstehe es, wendig mit digitalen Werkzeugen umzugehen, ohne übergeordnete Ziele aus den Augen zu verlieren. Bei Bedarf seien die Jungen – und nicht nur sie – durchaus in der Lage, sich allfällige Neuerungen anzueignen, wenn diese einen Mehrwert für ihre Arbeit bringen. Die Ausbildung müsse dafür sorgen, dass der Nachwuchs diesen Mehrwert tatsächlich erkennt und nutzt – und die Technik gezielt zugunsten partnerschaftlich entwickelter, ganzheitlich durchdachter Projekte einsetze.

    Dazu seien zwei zentrale Fähigkeiten zu vermitteln: der Mut zum freien Denken und die Bereitschaft zur interdisziplinären Zusammenarbeit. Grundlage für beides sei eine solide Fachkompetenz in der eigenen Disziplin, die nicht nur neueste Entwicklungen, sondern auch ein Bewusstsein für die Geschichte des eigenen Berufs umfasst. Was den richtigen Weg betrifft, diese Fähigkeiten zu vermitteln, gebe es verschiedene Möglichkeiten. Als eine der erfolgreichsten erweise sich – wenig überraschend – die gemeinsame Arbeit in Projektgruppen, deren Mitglieder sich zuerst physisch zusammenraufen müssen, bevor sie in digitale Höhen abheben können.

    Die Videoaufzeichnung der Veranstaltung finden Sie hier.

    Referenten bzw. Teilnehmende der Podiumsdiskussion:
    Pascal Babey, Architekt, Mitbegründer der web-basierten 3-D-Plattform Archilogic
    Stefan Cadosch, Architekt, Präsident SIA
    Christian Zimmermann, Architekt, Studiengangleiter Bachelor Architektur, Hochschule Luzern Technik & Architektur
    Joseph Schwartz, Bauingenieur, Professor für Tragwerksentwurf, ETH Zürich
    Ruedi Hofer, Bauingenieur, Direktor der Hochschule für Architektur, Bau und Geomatik der FHNW
    René Graf, Werkstoffingenieur, Direktor Berner Fachhochschule Architektur, Holz und Bau
    Urs Rieder, HLK-Ingenieur, Vize-Direktor der Hochschule Luzern

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