Bau­kul­tur in na­tio­na­ler Kul­tur­po­li­tik ve­ran­kert

Baukultur in nationaler Kulturpolitik verankert

Fünf Jahre nachdem der SIA den «Runden Tisch Baukultur» lanciert hat, bestätigten National- und Ständerat mit der Kultur­botschaft 2016–2020 am 19. Juni die Baukultur als neues Feld der nationalen Kulturpolitik.

Data di pubblicazione
27-08-2015
Revision
12-09-2015

Die Baukultur ist in der Kulturpolitik angekommen! Die Kulturbotschaft 2016–2020 sieht erstmals Massnahmen vor, um zeitgenössische Baukultur zu fördern und Baukultur im Ganzen als übergeordnetes Politikfeld zu etablieren. Konkret ist die Erarbeitung einer entsprechenden interdepartementalen Strategie vorgesehen. Die Federführung hat das Bundesamt für Kultur. Erste Eckwerte der Bundesstrategie sind für 2017 geplant. Sie sollen unter anderem «generelle Ziele des Bundes für die Stärkung der Baukultur in der Schweiz» umfassen, ausserdem «einen periodisch zu erneuernden Aktionsplan mit konkreten Massnahmen der einzelnen Bundesstellen». 

Parallel zur Erarbeitung der Bundesstrategie werden erste Sensibilisierungsmassnahmen starten, wie Testplanungen oder die Förderung des Wettbewerbswesens. Die Kulturbotschaft 2016–2020 ist ein wichtiger Schritt, mit dem die Schweiz nationale wie internatio­nale Erwartungen einlöst.

Acht Religionen unter einem Dach

Die Etablierung des neuen Politikfelds geht auf eine Initiative zurück, die der SIA im März 2010 mit dem «Runden Tisch Baukultur Schweiz» ins Leben gerufen hat. Zu seinen Aktivitäten zählt ein jährliches Dîner Baukultur, an dem auch National- und Ständeräte teilnehmen. In diesem Jahr fand das Dîner im 2014 fertiggestellten «Haus der Religionen» im Berner Stadtteil Ausser­holligen statt. Das interreligiöse Zentrum ist integriert in einen grösseren Baukomplex mit Detailhandel, Gastronomie und Wohnungen, der im Zuge der städtebaulichen Neuordnung des Berner Europaplatzes an der Schnittstelle zum Berner Westen entstand. 

Das vielbeachtete, vom Büro bauart gemeinsam mit Urban­office Architects aus Amsterdam entwickelte Projekt entstand in einem über zehnjährigen Dialog mit vielen Parteien, wie Stefan Graf von bauart Architekten am Dîner erläuterte. Der öffentlichste Teil im «Haus der Religionen» ist der Dia­logbereich. Er ist gedacht als Treffpunkt der Religionen, und in diesen zentralen Bereich können sie ihre eigenen Räumlichkeiten ausdehnen.

Fünf Religionen besitzen je einen separierten Gebetsbereich, dessen Türen sich jeweils nur von innen öffnen lassen und dessen Innen­gestaltung die jeweiligen Gruppen selbst verantworten und finanzieren: Aleviten, Buddhisten, Christen, Hindus und Muslime. Am Dialog der Religionen beteiligen sich ausserdem drei Gruppen, die keine eigene Räume im Haus haben: die Jüdische Gemeinde, die Bahá’í und die Sikh. David Leutwyler, Geschäfts­leiter des Trägervereins, betonte, dass das «Haus der Religionen» eine breite Öffentlichkeit auch jenseits der acht Religionen anvisiert.

Das «Haus der Religionen» zeigt, welchen Beitrag zeitgenössische Baukultur zum gesellschaft­lichen Zusammenhalt leisten kann. Angemessene Plattformen und Präsentationsmöglichkeiten für zeit­genössische Baukultur, wie sie in anderen Kultursparten selbstverständlich sind, stehen allerdings noch aus: zum Beispiel ein Bundespreis für zeitgenössische Baukultur. Auch die Vermittlung von Baukultur verdient eine bessere Förderung. Heimatschutz und Denkmalpflege einerseits, zeitgenössische Baukultur andererseits müssen zudem als gleichberechtigte Säulen unter dem gemeinsamen Dach Baukultur etab­liert werden. 

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