Tor zum Ort, Portal nach Nord

Grosshofbrücken Kriens

Ein Bauwerk für die nächsten Generationen mit Initialcharakter für die Quartierentwicklung soll es sein. Ein hoher Anspruch an die neuen Grosshofbrücken der A2, die für den bypass Luzern entstehen werden. Nicht nur in Fahrtrichtung, auch quer dazu sind sie als Tor für Kriens bedeutsam.

Peter Seitz Bauingenieurwesen, Redaktor TEC21

Der bypass Luzern benötigt westlich der bestehenden Grosshofbrücke Ost der A2 ein weiteres Viadukt. Dies bedingt eine komplette Neugestaltung dieser Verkehrsanlage südlich des Sonnenbergs. Das Augenmerk liegt dabei nicht nur auf Belangen des Lärmschutzes und einer guten städtebaulichen Einpassung des Bauwerks in die Umgebung. Auch dem Aufenthaltswert im Bereich der Brücken soll Rechnung getragen werden. Wirkt das Viadukt doch in Quer­richtung aufgrund seiner Lage ­zwischen Kriens und Luzern als Tor zu den Gemeinden. 

Die Lage und die Anbindungen der Strassen war den Planern vom Astra, der Bauherrin der Brücken und Ausrichterin des einstu­figen Wettbewerbs, zwar strikt vorge­geben, jedoch hatten sie in ­Bezug auf die Raumnutzung einen gross­zügigen Interpretationsspielraum, den die acht eingeladenen Teams in ihren anonym eingereichten Unterlagen auch nutzten. 

Die drei in die Endrunde des Wettbewerbs gekommenen Vorschläge präsentieren daher auch drei verschiedene Konzepte der Umgebungsgestaltung und -nutzung – von möglichst weiträumiger parkähnlicher Gestaltung für die Naherholung bei «Viva» über die begrünte Überdachung des «parkour» bis hin zu einer rein architektonisch wirkenden Einhausung der Fahrbahnen bei «Origami». 

Viva

Mit einer Dachlandschaft, die zum Spazieren einlädt, verlängert «Viva»  den Sonnenberg über die ­auf Stadt­ebene verlaufenden, kreuzenden Verkehrswege hinaus nach Süden, bindet ihn mit Anschüttungen an den bestehenden Park an und gewinnt dadurch nicht nur grosszügigen Naherholungsraum, sondern auch den 1. Preis des Wettbewerbs. Die vielfältigen, optionalen Nutzungsmöglichkeiten um die eingehauste Brücke herum – Skaterpark und Ladengeschäfte unter dem Viadukt, Spazierwege auf den «Pilatusterrassen» auf der Dach­konstruktion und die die Ebenen verbindende Kletteranlage und ein Aufzug – lassen fast die primäre Aufgabe der Anlage vergessen: eine bessere, erweiterte Verkehrsführung um Luzern. Eine gute Voraussetzung dafür, dass das Bauwerk nicht als trennendes, sondern als in die Nutzung und ­Umgebung eingebundenes Objekt empfunden wird.

Parkour

Eine Verkehrsebene weniger bildet «Parkour» aus. Die Dachfläche des Viadukts wird zwar begrünt und dient als ökologische Ausgleichsfläche, eine Nutzung als Park ist jedoch nicht vorgesehen. Bis auf den Stadtboden herabgezogene Fassaden lassen nur eine begrenzte Durchfahrt der querenden Strassen offen, sodass das Viadukt kaum mehr als Brücke wahrgenommen wird. Dies ermöglicht sehr grossstädtisch wirkende Räume für unterschiedlichste Nutzungen.

Origami

Selbstbewusst als eigenständiges Bauwerk präsentiert sich «Origami». Zwei vollständig unabhängige ­Brücken, aufgebaut vorwiegend aus Dreiecksgeometrien möchten sich in die Tradition hochwertig gestalteter Kunstbauten in Schweizer Landschaften einreihen. Weniger verwurzelt in die angrenzenden Areale als seine beiden Mitbewerber schwebt der Entwurf über den querenden Strassenzügen. Kräftige Baumreihen auf Stadtebene heben jedoch die trennende Wirkung des Bauwerks teilweise auf und führen zu einer klaren Strukturierung der  öffentlichen Räume.

Gebaut für Kriens

Die interessanten Beiträge zur Gestaltung der neuen Grosshofbrücken zeigen deutlich, dass Strassenbau heute mehr ist als eine blosse Linienführung. Dies passt zur Aussage des Astra, dass hier nicht nur für das Bundesamt für Strassen, sondern auch für die Gemeinde ­Kriens gebaut werden soll.

Auszeichnungen

1. Rang: «Viva»
Planergemeinschaft Grosshof
ACS-Partner, Zürich; Hager Partner, Zürich; smarch – Mathys & Stücheli, Zürich

2. Rang: «Parkour»
Planergemeinschaft BB_plus
Bänziger Partner, Zürich; B+S, Bern; Eduard Imhof, Luzern; Lorenz Eugster Landschaftsarchitektur und Städtebau, Zürich

3. Rang: «Origami»
2 Brücken; Gruner Wepf, Zürich; Nissen & Wenzlaff, Basel; Westpol, Basel; Gruner Berchtold Eicher, Zug

Sachjury

Cyrill Wiget, Gemeindepräsident, Kriens; Thomas Glatthard, Gebietsmanager Luzern Süd; 

Fachjury 

Guido Biaggio, Präsident, Astra AC I-Ost; Richard Kocherhans, Vize­präsident, Astra FC F3; Rolf Bättig, Kantonsingenieur, Luzern; Thomas Vogel, Vorsteher D-BAUG ETH, Zürich; Jürg Rehsteiner, Stadtarchitekt, Luzern; Hans Cometti, Architekt, Luzern; Ursina Fausch, Architektin, Zürich; Rainer Klostermann, Städteplaner, Zürich; Thomas Kloth, Astra GPL Bypass Luzern

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