Kuns­thand­werk und Hand­werks­kunst

Marmor und Bronze zieren die Fassade und das Treppenhaus des Uhren- und Schmuckgeschäfts Bucherer an der Zürcher Bahnhofstrasse. Hergestellt wurden die Teile mit höchster Handwerkskunst. Ein Blick in den Steinbruch und die Giessereien vermittelt eine Vorstellung des Spannungsfelds zwischen Präzision, edlen Bearbeitung und archaischen Materialien.

Date de publication
05-11-2021

Steinbruch: Cristallina Virginio

-> Bilder 1 bis 13

Aus dem Bericht der Architekten: «Cristallina-Marmor ist der einzige derzeit in der Schweiz abgebaute Marmor. Cristallina Virginio heisst die reinste Ader der Cristallina Marmore, bestehend bis zu 99% aus Kalzit, weiss-elfenbeinfarben und zart-wolkig. Er wird seit 2011 unter Tage abgebaut. Der Steinbruch der Familie Maurino befindet sich oberhalb von Peccia, 40km tief in der Vallemaggia, zwischen 1200 und 1400 m über Meer. Wir wussten um die Struktur des Steins und um die verschiedenen Adern, aber nicht um deren Verlauf im Berg. Nebst der logistischen wurde auch eine entwerferische Strategie gewählt, die in einer schrittweisen Sortierung bestand: von der Ader zum Block, vom Block zur aufgeschnittenen Tranche und von dieser dann zu den einzeln angezeichneten Steinen. Die Steine wurden unterschiedlichen Element-Familien entsprechend sortiert – weiche-weisse-Wolkige, oder bewegte-schärfer-Gezeichnete, oder noch mehr- oder weniger-Gerichtete. Innerhalb der Familien ist jedes Element in sich vollständig.

Giesserei: Bronze-Vakuum-Sandguss

-> Bilder 14 bis 46

Aus dem Bericht der Architekten: «Bronzeguss hat eine sechstausendjährige Geschichte. Die Technik wurde mit der Mechanisierung und Industrialisierung grundlegend verbessert. Für den Präzisionsguss der Fassade Bucherer wurde auf Vakuum-Sandguss zurückgegriffen, eine japanische Technologie der 1960er-Jahre. An der Arbeit waren aber Schreiner und Modellbauer, Kunstgiesser und Gusstechnologen, Metallbauarbeiter, Ziseleuren und Patinierer, während Wochen und Monaten, die Arbeit bestimmt vom unmittelbaren Moment des Giessens und Erstarrens. Die Mitarbeiter der Kunstgiesserei St.Gallen haben die Erdgeschossfassade in Bronze gegossen, mit Wandstärken von ungefähr 12mm. Sie haben dann den Rohguss stufenlos «weich»- und feingeschliffen – diese Oberfläche ist bei den Vitrinen-Umrahmungen mit Wachs konserviert. Die dunklen Elemente wurden mit Metallsalzen patiniert – zuletzt mit Silbernitrat, das ihnen den wolkigen, schiefrigen Anschein verleiht – und gewachst.»

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Der Sandguss für die Bronze-Elemente der Fassade wurde in der Shanghai-Niederlassung der Kunstgiesserei St. Gallen ausgeführt.

Der Wachsguss für die geschwungene Bronze-Wand im Inneren erfolgte am Standort St.Gallen.

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