30 Hektare Transformation
Die Pläne für das Basler Transformationsareal Klybeck schreiten voran. Im Richtprojekt sind die Wünsche der Anwohnenden nach mehr Grünflächen eingeflossen. Und auch die Forderung nach 30 % preisgünstigem Wohnraum wird erfüllt. Doch es bleibt weiterhin nur ein Drittel der Industriebauten bestehen.
Es ist eines der grössten Transformationsareale der Schweiz: das knapp 30 ha grosse, ehemalige Industrieareal Klybeck in Basel-Stadt. Nun wird das Gebiet am Rhein geöffnet und umgenutzt. Gemäss den Planungspartnern Kanton Basel-Stadt, Swiss Life und Rhystadt können hier in Zukunft bis zu 8500 Personen wohnen und es kann Raum für rund 7500 Arbeitsplätze entstehen. Letzten Herbst stellten sie das Richtprojekt vor. Damit ist eine wichtige Etappe abgeschlossen, die mit der Testplanung vor knapp zehn Jahren startete.
Überarbeitung des Leitbilds
Das interdisziplinäre Planungsteam Diener & Diener Architekten, Vogt Landschaftsarchitekten, Heller Enterprises und Gruner haben das städtebauliche Leitbild erarbeitet. Die drei Planungspartner und das Planungsteam haben gemeinsam das Leitbild nun auf seine Machbarkeit geprüft und – wo nötig – die Neubauten stärker mit der bestehenden Struktur verwoben.
Zu den besonderen Herausforderungen gehörte auch die Entscheidung, wie viel des industriellen Erbes – darunter auch mit Schadstoffen belastete Bauten und Grundstücke – erhalten bleiben kann.
Im Herzen des zukünftigen Quartiers liegt der neu gestaltete Klybeckplatz. Hier treffen verschiedene Strassenzüge sternförmig aufeinander. Zugunsten der zukünftigen Bewohnenden soll er vom Durchgangsverkehr befreit werden. Dafür entsteht ein neuer Mobilitäts-Hub als Umsteigeort zwischen den öffentlichen Verkehrsmitteln.
Leider erhält das Klybeck keine S-Bahn-Haltestelle. Der negative Entscheid des Bundes zum geplanten Projekt Herzstück bedingte ein Umdenken. Das Gebiet wird nun durch eine neue Tramlinie von der Messe erschlossen. Für das neue Wohn- und Arbeitsgebiet Klybeckquai/Westquai ist eine Weiterführung der neuen Tramlinie ab Klybeckplatz in Richtung Rhein und dann in Richtung Norden im Altrheinweg geplant. In der Klybeckstrasse kommen zwei neue Haltestellen dazu.
Wunsch nach mehr Grün
Aus der Bevölkerung, die sich in öffentlichen Beteiligungsverfahren in das Projekt einbrachte, kam der Wunsch, die Begrünung im gesamten Quartier zu intensivieren. So sollen nun unterschiedliche Parks und Freizeiträume das Gebiet zwischen Rhein und Wiese vernetzen.
Etwa am Klybeckplatz Süd, um den die bestehende Bebauung durch zwei Neubauten verdichtet wird, oder bei den Rheinterrassen, die sich grosszügig zum Rheinbord öffnen. Im Osten entstehen am Ufer des Flusses Wiese neue Sport- und Freizeitflächen: Die 8000 m2 grosse Klybeckmatte wird von Wohnbauten in Form von Blockrändern eingefasst.
Noch ein weiterer Vorschlag aus der Bevölkerung wurde übernommen: Der Blockrand der Klybeckhöfe wurde zugunsten der Verlängerung der Kleinhüningerstrasse geteilt und endet nun an den Rheinterrassen direkt am Wasser. In diesem Gebiet entstehen rund 92000 m2 Wohnflächen, ein Kindergarten und eine Schule. Die Gebäude passen sich in der Höhe den angrenzenden Wohnbauten an.
Bestand teilweise schadstoffbelastet
Zwei Drittel des Bestands werden rückgebaut, ein Drittel bleibt erhalten. Daran hat sich seit dem städtebaulichen Leitbild nichts geändert. Doch innerhalb der Einteilung gab es Wechsel.
Einige der ehemaligen Produktionsgebäude, insbesondere an der Mauerstrasse, weisen zu hohe Schadstoffbelastungen auf und wurden folglich aus dem Inventar schützenswerter Bauten entlassen, sind also zum Abriss freigegeben. Die grossflächigen Neubauten in der Zone Mauerstrasse Nord verdichten die bestehenden Wirtschaftsflächen und können damit auf 340000 m2 ausgebaut werden.
K-90 wird erhalten und mit Wohnraum aufgestockt
Neu ist: Trotz Gebäudebelastungen bleibt das ikonische ehemalige Laborgebäude K-90 erhalten. Es wird nach aktuellem Planungsstand zum Parkhaus umgebaut und erweitert. Die Integration der Parkplätze erspart den Bau eines unterirdischen Parkhauses und verbessert die CO2-Bilanz. In der fünfgeschossigen Aufstockung darüber sind Wohnungen vorgesehen.
Im südlichen Teil des ehemaligen Ciba-Geigy-Areals entlang des Rheins bleiben am meisten Gebäude erhalten. Zu den Zeugen der Industriegeschichte gesellen sich acht neue Solitäre. Gemeinsam bilden sie ein Hochhauscluster.
Scheibenhochhaus K-25 von Suter + Suter
Als wichtiges Landmark gilt das Scheibenhochhaus K-125 von Suter + Suter von 1966, das ehemalige Direktionsgebäude der Ciba direkt am Rhein, das unter Schutz gestellt werden soll.
Zum Klybeckplatz hin sollen die neuen Türme bis auf 120 m anwachsen. Zwischen der dichten Hochhausstruktur sind kleine Parks und begrünte Wege eingefügt; die Visualisierungen vermitteln ein Bild einer grünen Oase. Velo- und Fussverkehr haben im gesamten Gebiet Vorrang vor dem motorisierten Individualverkehr. Allgemein sollen Durchfahrten von Autos stark begrenzt werden.
Ein Drittel preisgünstiger Wohnraum
Ressourcenschonende Bauweise soll einen Beitrag zu den Klimazielen leisten – angestrebt wird das SNBS-Label, und es wird in erneuerbare Energien investiert. Geplant sind neben Fernwärme die Erschliessung weiterer Energiequellen wie Rheinwasser, Erdsondenfelder und Photovoltaik-Anlagen. Zudem schaffen auch die 550000 m2 zusätzliche Grün- und Freiflächen ein kühleres Mikroklima.
Ein Drittel der Wohnungen soll in Kostenmiete vergeben werden, was dem Gegenvorschlag zur Initiative «Basel Baut Zukunft» entspricht, die 2020 für alle Arealentwicklungen in Basel 50 % preisgünstigen Wohnraum forderte.
Etwas Leben ist bereits ins Industrieareal eingezogen, so nutzen erste Pionierbetriebe und die Kreativwirtschaft einige der Bestandsgebäude, etwa zur Tofuherstellung, als Ateliers oder als Kantine. Solche Nutzungen prägen das zukünftige Quartier schon heute mit.
Bis aber Menschen in neue Wohnungen einziehen, wird es noch dauern: Das nun vorliegende Richtprojekt bildet die Basis für die anstehende Nutzungsplanung. Voraussichtlich Anfang 2027 liegt dann der Bebauungsplan vor, der anschliessend in die öffentliche Vernehmlassung und den politischen Prozess geschickt wird.