Mehr als nur So­lar

Schweizer Solarpreis 2016

Die Solaragentur verlieh im Oktober über drei Dutzend Auszeichnungen in vielfältigen Kategorien. Drei Preisträger dürfen sich über den mit besonders hohen Ansprüchen verbundenen Norman ­Foster Solar Award freuen.

Publikationsdatum
08-11-2016
Revision
08-11-2016

Bereits zum 26. Mal verlieh die Solaragentur – diesmal in St. Gallen – den Schweizer Solarpreis an Institutionen, Per­sönlichkeiten und Gebäude, deren Umgang mit Solarenergie Vorbildcharakter hat. In der Gebäudekategorie gibt es neben Auszeichnungen für Neubauten und Sanierungen mit Plusenergiestandard auch den begehrten Norman Foster Solar Award. Um diesen zu gewinnen, bedarf es mehr als der grösstmöglichen Photo­voltaikanlage. Eine sorgfältige architektonische Integration ist ein Muss. Und, wie es die Preisträger zeigen, ein holistischer Ansatz bei Energieversorgung, Architektur und Städtebau. Denn jedes der drei prämierten Bauprojekte glänzt mit mehr als nur Solar.

Kompakte Baukörper im konservativen Look

Den ersten Preis erhielt die Wohnsiedlung an der Balberstrasse 2 in Zürich. Anstelle einer Sanierung der fast 100-jährigen Altbauten mit 54 Wohnungen entschied sich die Allgemeine Baugenossenschaft Zürich (ABZ) für einen Ersatzneubau mit 68 Wohnungen. Mit den Zielen der 2000-Watt-Gesellschaft im Auge standen bei der Planung der Mehrfamilienhäuser die Kriterien Sozialverträglichkeit, Ökologie und Effizienz im Umgang mit Wohnfläche und Energieverbrauch im Vordergrund.

Die sorgfältig ganzflächig integrierten PV-Anlagen erbringen eine Leistung von 556 kW und erzeugen 466 300 kWh/a. Beheizt wird die erste in Holzbauweise errichtete Plus-EnergieBau-Siedlung der Schweiz mit solarbetriebenen Wärmepumpen und Erdsonden. Bei einem  Gesamtenergieverbrauch von 397 200 kWh/a kann sich die Überbauung zu 117 % mit erneuerbarer Energie selbst versorgen. Der Solarstromüberschuss lädt unter anderem die Batterien von 39 siedlungseigenen Elektroautos. Damit wohnen die Mieter nicht nur auf kleinem ökologischem Fuss, sie können auch CO2-frei Auto fahren.

Verdichtung in der Romandie

2016 gibt es beim Norman Foster Solar Award zwei Zweitplatzierte, einen dies- und einen jenseits des Röstigrabens. In der Westschweiz handelt es sich dabei um die Sa­nierung einer Kinderkrippe, in der Deutschschweiz um einen Mehr­familienhaus-Neubau.

Wegen Platzmangels wurde die im Jahr 2005 im Genfer Stadtteil Pâquis erstellte Krippe Château­briand vergrössert. Die Stadt Genf entschied sich für den res­sour­cen­effizienten Weg einer Sanierung ­inklusive Aufstockung. Die städtebauliche Verdichtung stellt ein vorbildliches Erneuerungskonzept dar. Der Gesamtenergiebedarf  der Krippe beträgt 67 200 kWh/a. Die südlich orientierte PV-Anlage auf dem Dach ist aus der Fussgänger­per­spektive unsichtbar. Sie erzeugt 76 800 kWh/a und damit einen Energieüberschuss von 14 %. Dieser wird ins öffentliche Netz eingespeist. Das Gebäude verfügt über eine solarbetriebene Erdsondenwärmepumpe und ein ausgeklügeltes Belüftungssystem mit Wärmerekuperation zur Minimierung der Energieverluste. Das Projekt ist eine Musterlösung für Genfs Krippenplatzproblem.

Die üblichen Verdächtigen

In Brütten realisierte die Umwelt Arena, die sich schon mit anderen Solarprojekten einen Namen gemacht hat, ein energieautarkes Mehrfamilienhaus. Für die elek­trische Energieversorgung liefern hocheffiziente dachintegrierte monokristalline Photovoltaikmodule jährlich 65 000 kWh. An der Fassade werden weitere 27 000 kWh/a mit Dünnschichtzellen erzeugt. Diese sind durch eine neu entwickelte Beschichtung matt und auf den ersten Blick gar nicht als Energieanlage erkennbar. Um den Spagat zwischen hoher Sommerproduktion und ­hohem Winterverbrauch zu bewältigen, steht eine Power-to-Gas-Anlage zur Verfügung. Sie erzeugt mit dem ­Solarstrom Wasserstoff. Bei Bedarf wandelt eine Brennstoffzelle mit einem elektrischen Wirkungsgrad von rund 18 % den Wasserstoff wieder in Strom um. Die kurzfristige Speicherung übernehmen Batterien. Ein Energiemonitoring und Effi­zienzmassnahmen sichern den niedrigen Verbrauch, der übers Jahr die Produktion nicht übersteigt.

Solarpreise (Auswahl)
 

Weltsolarpreis: André Borschberg und Bertrand Piccard, Solarflugpioniere

Persönlichkeit: Beat Kämpfen, Solar­architekt, Zürich

Institutionen:
Weisse Arena Gruppe, Laax
Fondation Antenna Technologies, OOLUX, Genf
«Schweiz aktuell»: fundierte Energie­informationen

 

Norman Foster Solar Awards

  1. Preis: 117%-PEB-MFH-Gesamtüberbauung Balberstrasse, 8038 Zürich
  2. Preis ex aequo: 114%-PEB-Sanierung Crèche de Châteaubriand, 1204 Genf
  3. Preis ex aequo: energieautarkes MFH Unterdorfstrasse, 8311 Brütten