Mit fei­nem Schliff

Kornhausplatz, Bern

Publikationsdatum
17-08-2023

Der Sandstein gehört zum Berner Stadtbild wie einst die Gitarre zu Mani Matter. Nachdem ein Feuer im Jahr 1405 grosse Teile der damaligen Altstadt zerstört hatte, bediente man sich dieses Baustoffs, um die Brandgefahr zu verringern. Ein überregional bekanntes Exempel ist das Bundeshaus. Unweit davon zeigt die Gesamtsanierung der Liegenschaft am Kornhausplatz 7, wie das Baumaterial nicht nur kulturhistorischer Zeuge sein, sondern auch neue Geschichte schreiben kann. Als die Planung begann, war nämlich der Zustand der dortigen Häuser aufgrund eines grobschlächtigen Eingriffs in der 1970er-Jahren weder in Teilen erhalten noch dokumentiert. Mit der Wiederherstellung einer mittelalterlichen Grundtypologie und einer Aufwertung der Aussenfassaden fand man jedoch trotzdem einen Weg, einen wertvollen zeitgenössischen Beitrag ans Berner Stadtbild zu leisten. Die Eingriffe in das historische und schützenswerte Ensemble waren zwar nicht minder umfassend als vor rund 50 Jahren – unter anderem wurden Betondecken rückgebaut und die gesamte Tragstruktur gegen Erdbebeneinwirkungen ertüchtigt –, aber halt viel sorgfältiger.

In erster Linie fällt der wiederhergestellte Innenhof mit den beiden gegenüberliegenden Fassaden aus dem traditionellen olivgrün schimmernden Stein auf. Tatsächlich entstanden die Fassadenpilaster in enger Zusammenarbeit zwischen den Architekten und dem Bildhauer. Sie begann mit kleinen Plastilin-Modellen, ging über eine umfassende Bemusterung im Massstab 1 : 1 und endete in der künstlerischen Bearbeitung per Hand. Durch die Handarbeit – keiner der gestalteten Pilaster an der östlichen Hoffassade gleicht dem anderen – entstand ein einmaliges Werk.

Dieser Artikel ist erschienen in «Fassaden | Façades | Facciate 2023 – Nachhaltige Ansätze».

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Kornhausplatz, Bern

 

Bauherrschaft
Assetimmo Immobilien Anlagestiftung, Zürich

 

Architektur und Gesamtleitung
bauzeit architekten, Biel

 

Bildhauer
Amadeus Furrer, Le Landeron

 

Bauleitung
Trachsel Zeltner Architekten, Thun

 

Tragkonstruktion
Tschopp Ingenieure, Bern

 

Natursteinarbeiten
Iseli Naturstein, Bern

 

HLKS-Planung
NBG Ingenieure, Bern

 

Bauphysik
Prona, Biel

 

Elektroplanung
Bering, Bern

 

Beratung/Begutachtung
Fachstelle für Denkmalpflege – Stadt Bern

 

Facts & Figures

 

Projektierung
2016–2018

 

Fertigstellung
2021

 

Volumen (SIA 416)
18 130 m3

 

Geschossfläche (SIA 416)
6506 m2

 

Baukosten
13.2 Mio. CHF (BKP2)