Hat Blat­ten Zu­kunft?

espazium magazin 03/2026

Ein halbes Jahr nach der Katastrophe konnte Blatten die neuen Gefahrenkarten vorstellen. Die erste Hürde für einen Wiederaufbau des Dorfs dürfte damit genommen sein.

Data di pubblicazione
06-02-2026

Die Bilder des Bergsturzes und Gletscherabbruchs am Kleinen Nesthorn Ende Mai 2025 gingen um die Welt. Eine solch spekta­kuläre Katastrophe, die noch dazu perfekt aufgezeichnet wurde, erlebt man nicht alle Tage – glücklicherweise. Und das totale Desaster setzte der Schaulust keine Grenzen. Die Zuschauerinnen und Zuschauer sind betroffen, gleichzeitig aber schaudernd fasziniert. 

Wie aber nun weiter? Was soll mit den Menschen des gewesenen Blatten geschehen? Umsiedlung? Wiederaufbau? Zerstreuung in alle Winde? Kaum legte sich der Staub des Sturzes, ploppten schon Diskussionen um die Zukunft des Alpenraums auf. Völlig undenkbar, dass man in Zeiten der Erderwärmung an einem Fortbestehen der Jahrhunderte alten alpenländischen Kultur festhalten könnte. 

Und Hinweise darauf, dass die Walliser schon vor Jahrhunderten ihre angestammten Gebiete aufgrund verschlechterter Lebensbedingungen verlassen hatten, setzten den Äusserungen noch die Krone auf. Die mittelalterliche Abwanderung der Walser ist zwar korrekt, aber daran waren nicht nur natürliche Ursachen wie die Kleine Eiszeit schuld. 

Dass sie als Siedler unbewohnter Täler und als Kriegsknechte bei fremden Herrschern willkommen waren, senkte die Hemmschwelle eines Fortzugs. Und durch die Real­erbteilung wurden die bewirtschafteten Parzellen in ihren Stamm­gebieten einfach zu klein für die wachsende Be­völkerung.

Blatten hatte übrigens 2020 als schweizweites Pilotprojekt eine Bewirtschaftungsarrondierung erfolgreich abgeschlossen. 11 587 Parzellen wurden zu 365 Bewirtschaftungseinheiten zusammengefasst. Nach dem Bergsturz steht nun die landwirtschaftliche Planung für die nächsten Jahre an – und der Wiederaufbau von Blatten. 

Die neuen Gefahrenkarten zeigen einige Areale auf, auf denen ein solcher möglich ist: gelbe Flecken mit geringer Gefährdung durch Naturgefahren auf dem grossen weissen Fleck des Bergsturzes. Die Siedlung aufgeben? Lesen Sie in diesem Heft, weshalb das gar nicht so leicht wäre.

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