Im Span­nung­sfeld zwi­schen Bauen und Es­sen

Die Publikation «Feed the City» beschäftigt sich – unter der Prämisse einer zukunftsfähigen Baukultur – mit der Wechselwirkung zwischen Architektur und einem nachhaltigen Ernährungssystem. 

Data di pubblicazione
20-01-2026

Zu den Szenarien im Kampf gegen ökologische Krisen zählt die Transformation des weltweiten Ernährungssystems, was neue räumliche Infrastrukturen benötigen wird. Regionaler, saisonaler und kleinteiliger, so die These, werde die Lebensmittelversorgung künftig werden. 

Wie sich mit dem Ernährungssystem auch Landschafts-, Stadt- und Wohnräume verändern, zeigt die Publikation «Feed the City». Sie beruht auf einem Projekt der FHNW zu den Wechselwirkungen zwischen Ernährung und Raum. Kern des Buchs bilden neue logistische Systeme und bauliche Infrastrukturen, die entlang des gesamten lokalen Stoffkreislaufs der Ernährung eine regionale Wertschöpfung ermöglichen. 

Anhand von realisierten Projekten aus den Bereichen Produktion, Logistik, Konsum und Weiterverwendung werden konkrete bauliche und planerische Strategien zu einem veränderten Ernährungssystem vorgestellt. Zum Beispiel die Weltacker-Initiative aus dem Jahr 2015: Diese will Orte schaffen, an denen sich die Bevölkerung mit den komplexen Zusammenhängen zwischen Ernährung, Konsum, Landwirtschaft, Boden, Biodiversität, Klimawandel und globaler Gerechtigkeit auseinandersetzen kann. 

Das Kapitel Verarbeitung/Konsum demonstriert am Beispiel der Stadt Biel, wie es aussieht, wenn eine Stadt auf nachhaltige Verpflegung setzt. Um auf die Teller der Tagesschulen und Kitas regionale und saisonale Produkte zu bringen, werden die Menüs seit 2023 in einer zentralen Produktionsküche zubereitet, die rund 20 Standorte beliefert – eine radikale Systemumstellung bei der Zubereitung und Lieferung. 

Ein Recyclingcenter vor den Toren Luzerns zeigt zudem, wie Bauen für den Abfall aussehen kann. In diesem Fall ist es eine temporäre, 120 m lange Halle, die – sollte das Grundstück irgendwann anderweitig benötigt werden – flexibel nutzbar und demontierbar ist. 

Das grosse architektonische Potenzial des Themas veranschaulicht unter anderem das zum Culinarium Alpinum umgebaute Kloster in Stans, das sich mit Hotel, Restaurant und Ladenverkauf dem kulinarischen Erbe der Alpen verschrieben hat. Von der Landwirtschaft über die Produktion und Konsumation bis zu Recycling und Abwasserversorgung – das Buch regt zum Nachdenken an.

Feed the City
Konzepte, Strategien, Architekturen
Herausgegeben von FHNW Institut Architektur, Axel Humpert, Barbara Lenherr, Tim Seidel
Christoph Merian Verlag, Basel 2024, 284 Seiten, ISBN 978-3-03969-034-3

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