«Der Be­ne­fit soll klar er­kenn­bar sein»

2006–2016: 10 Jahre SIA-Service

Vor zehn Jahren begann der SIA, mit «SIA-Service» ein Dienstleistungsangebot für Firmenmitglieder aufzubauen. Mitbegründer Mike Siering und David Fässler, Leiter seit 2014, ziehen Zwischenbilanz.

Data di pubblicazione
20-10-2016
Revision
21-10-2016

Herr Siering, Herr Fässler, was waren 2006 die Motive, das Angebot «SIA-Service» ins Leben zu rufen?
Mike Siering: Bei den Planungsbüros zeigte sich damals ein Informationsbedürfnis über baufachliche Themen hinaus – das ­ergab eine Befragung unter den Firmenmitgliedern, die wir im Jahr zuvor durchgeführt hatten. Die Büros wünschten sich vor allem elementares Business- und Managementwissen. Auf Initia­tive unseres damaligen Präsidenten Daniel Kündig gleisten wir dann die ersten Angebote speziell für Firmen auf – die Management­beratung, die Lohn- und Kenn­zahlenerhebung, die Stellenbörse und mehr. Anfangs boten wir auch unsere Kurse mit Wirtschafts- und Managementwissen unter dem Label von SIA-Service an, heute sind sie ein Hauptstandbein des SIA-Form-Programms. 

Seit 2006 hat sich das Profil des SIA erheblich verändert – hatte das Konsequenzen für SIA-Service? 
Mike Siering: In der Tat hat sich das Angebot des SIA kontinuierlich aufgefächert, und das blieb nicht ohne Einfluss auf das An­gebot von SIA-Service. Zudem wurde bei einigen Angeboten der Nutzungskomfort verbessert, z.B. die Lohn- und Kennzahlen­erhebung, die wir anfangs als Dossier verkauften und die heute elektronisch nutzbar ist: Es braucht nur noch ein paar Mausklicks, um die wirtschaftlichen Kennzahlen der eigenen Firma mit jenen des Branchendurchschnitts abzugleichen. Mit SIA-Service suchen wir zudem aktiv das direkte Gespräch mit den Firmenmitgliedern. 

In welcher Form geschieht das? 
David Fässler: Durch regelmässig angebotene Dienstleis­tungen wie die Lohn- oder Kenn­zah­lenerhebungen oder Angebote wie die Versicherungslösungen zu ­Sonderkonditionen ergeben sich automatisch zahlreiche Kontakte mit Mitgliedern oder solchen, die es werden möchten. Ein Format, das sich über die Jahre bewährt hat, ist der «Erfa», was für Erfahrungsaustausch steht. Er findet einmal im Jahr statt. Dabei trifft ein von uns eingeladener Referent mit zehn, zwölf Firmenmitgliedern zusammen. In diesem Rahmen spricht der Gast über ein Thema wie zum Beispiel das Führen von schwierigen Gesprächen.
Die Gruppen halten wir bewusst klein, um einen Rahmen zu schaffen, in dem die Teilnehmer auch mal über Schwierigkeiten sprechen und ohne Scheu ihre Fragen stellen können. Eine gute Gelegenheit, mit Firmeninhabern ins persönliche Gespräch zu kommen, ist auch der jährliche CEO-Anlass, an dem bis zu hundert Persönlichkeiten teilnehmen. 

Wie viele Personen zählt das Service-Team?
David Fässler: Das Kernteam umfasst drei Personen mit insgesamt 140 Stellenprozenten – Henrietta Krüger, Elisa Tirendi und ich; bis vor Kurzem auch Mike Siering. Henrietta Krüger hat ein Pensum bei SIA-Form und ist für SIA-­Service schwerpunktmässig als Projektleiterin für die Lohn- und Kennzahlenerhebungen zuständig. Elisa Tirendi betreut die Versicherungsangebote und ist Referentin in Kursen. Das Kernteam von SIA-Service ist über die Jahre ungefähr gleich gross geblieben. Allerdings profitieren Kunden von SIA-Service unmittelbar von einer Reihe von SIA-Dienstleistungen wie dem SIA-Form-Programm und der Rechtsberatung.
Mike Siering: Dem Bereich Service arbeiten noch weitere Personen aktiv zu, beispielsweise Susanne Schnell, die das Management-Magazin des SIA redaktionell betreut und koordiniert. 

Brauchen denn Ingenieure und Architekten eine Managementzeitschrift? Ich dachte, die blättern am liebsten in ihren Fachzeitschriften?
David Fässler: Soweit ich es von unseren Adressaten höre, wird das Heft sehr gut wahrgenommen. Aber ob es nun um die Themen des Mana­gement-Magazins oder um unsere anderen Angebote geht: Wir wollen damit das Verständnis für öko­nomische Themen stärken. Uns geht es darum, Freude und Neugier zu wecken an vermeintlich trockenen Themen wie zum Beispiel der Bau­konjunktur oder dem Personal­management. Unternehmens­führung, das ist unser Credo, ist etwas, das Spass machen kann! Es ist keine saure Pflicht – und noch weniger eine Nebensache. Hierzu soll das Management-Magazin Anregungen und Denkanstösse ver­mitteln.
Mike Siering: Das Management-­Magazin entstand aus der ­Erkenntnis, dass wir die Wirtschafts- und Führungsthemen aktiv zu den Leuten bringen müssen. Die Anfänge der Zeitschrift bestanden in einem Faltblatt mit Management-Infos, dem «Blickwinkel» – im Grunde ein er­weiterter Mitgliederbrief. Mit den Jahren hat sich daraus eine 60-seitige, durchgestaltete Zeitschrift mit vielseitigen Rubriken entwickelt. Nach wie vor übrigens die einzige, die Managementwissen speziell für Architekten und Ingenieure anbietet.

Gab es nie Kritik in der Art, dass der SIA mit der Differenzierung nach Einzel- und Firmenmitgliedern Mitglieder in eine erste und zweite Klasse unterscheidet? 
Mike Siering: Eine solche Kritik habe ich nie gehört – das Konzept und die Gründe für die erweiterten Angebote scheinen nach aussen immer plausibel gewesen zu sein. 

Um wie viel höher sind die Beiträge der Firmenmitglieder? 
Mike Siering: Es gibt keine festen Sätze, die Berechnungsgrundlage der Beiträge ist die AHV-Lohnsumme. Je mehr Mitarbeiter ein Büro hat, desto grösser ist der Betrag für eine Firmenmitgliedschaft. 

Sind Angebote, die im Rahmen von SIA-Service entwickelt wurden, auch für die Einzelmitglieder adaptierbar? 
David Fässler: Teilweise wurde ­bereits adaptiert, wenn man z. B. an die Form-Kurse zu Managementthemen denkt. Allerdings ­finde ich, dass wir, anstatt allen alles anzubieten, im Gegenteil den «Brand» der Firmenmitgliedschaft und ihr Profil durchaus noch etwas schärfen sollten. 
Mike Siering: Der Benefit der Firmenmitgliedschaft sollte klar erkennbar bleiben. Deshalb sollte es künftig weiterhin spezifisch an die Firmenmitglieder adressierte Angebote geben. 

… wie etwa das Konjunktur­kolloquium an der ETH?
David Fässler: Genau. Wir freuen uns sehr, dass wir dafür den Ökonomen Jan Egbert Sturm von der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich gewinnen konnten – immerhin einen der renommiertesten Ökonomen im deutschsprachigen Raum. Anlässe wie dieser dienen auch dazu, im ungezwungenen Gespräch herauszufinden, was die Firmenmitglieder be­schäftigt, welche Themen ihnen auf den Nägeln brennen. 

Konnten Sie durch die Bench­marking-Angebote und z. B. die ­Management-Kurse mehr unternehmerisches Denken in den Mitgliedsunternehmen etablieren? 
Mike Siering: Ich denke schon. Wenn ich die angehenden Kaderleute in meinen Führungskursen anschaue, staune ich, wie interessiert und offen sie heute den Führungsthemen gegenüberstehen. Management ist für die meisten Architekten und Ingenieure heute kein Schimpfwort mehr. Es ist zur Selbstverständlichkeit geworden. Als wir vor zehn Jahren starteten, war das noch ganz anders. 
David Fässler: Das Interesse manifestiert sich auch in steigenden Teilnehmerzahlen der Erhebungen. So haben dieses Jahr rund 300 Büros an der Kennzahlenerhebung mitgewirkt, fast 100 mehr als vor zwei Jahren. Das zeigt für mich, dass immer mehr Firmenmitglieder das Wissen um die finanzielle Führung eines Büros als relevant und wichtig einstufen. Das ist eigentlich das schönste Feedback, das wir erhalten können.

Was sind Ihre Pläne für die nahe Zukunft?
Mike Siering: Mal wieder etwas ausprobieren, etwas Neues wagen; und der enge Austausch mit den Firmenmitgliedern ist mir genauso wichtig wie meinem Kollegen David Fässler. Vielleicht gelingt es uns, mit der Zeit ein fast «familiäres» Verhältnis zwischen dem SIA und seinen Firmenmitgliedern zu etablieren – die Familie der Planenden.
David Fässler: Wir wollen die Bedürfnisse noch besser ausloten und entsprechende Angebote entwickeln. Dazu gehören zum Beispiel weitere massgeschneiderte Veranstaltungen für die Firmenmitglieder. Gerade in Arbeit ist ausserdem ein Buch über Unternehmensführung, das Firmenverantwortliche in Sachen Positio­nierung und Markterschliessung unterstützen soll.

Vielen Dank für das Gespräch!

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