Swim­ming in at­mo­s­phe­re

Sport, Spass, Hygiene oder Wellness: Die Ausstellung Swimming in Atmosphere im Aedes Architekturforum in Berlin widmet sich anhand von zwölf realisierten und geplanten Bädern der Vielseitigkeit heutiger Schwimmbadarchitekturen.

Publikationsdatum
22-01-2024

Hellblau scheint der hoch gelegene Raum durch grosse Glastüren nach aussen. Als Besuchende nähert man sich der Ausstellung quasi unter Wasser.

Auf schwarzen Streifen, die horizontal von der Decke hängen und die Bodenmarkierungen eines Schwimmbeckens zitieren (und zugleich an die gute alte Reissschiene erinnern), präsentieren die Stuttgarter 4a Architekten Bäder, die sie seit 1990 geplant und gebaut haben. Jedes der zwölf ausgewählten Projekte steht für ein Charakteristikum dieser speziellen Bauaufgabe: Mal ist es der Prozess der Bürgerbeteiligung, mal ist es die landschaftliche Situation, die entwurfsprägend ist.

Interessanter als die eigentliche Gestaltung der Bäder erscheint, wie sich die Anforderungen an eine Bäderarchitektur in den letzten Jahrzehnten verändert haben. Aus einstigen Stätten der «körperlichen Ertüchtigung» entwickeln sich vielerorts Wellness-Oasen. Gleichzeitig sind aber auch Anpassungen für Bestandbauten in Kommunen mit schmalem Budget gefragt, die auch in Zukunft uneingeschränkt zugänglich bleiben sollen.

Der Sprung in die Zukunft liegt in Fragen der Nachhaltigkeit: Für die enorm aufwendige Energieversorgung der teils im Freien liegenden Wasserbecken, die Vorgänge der Wasserreinigung und den erhöhten Wärmebedarf der Besuchenden waren bis vor Kurzem Blockheizkraftwerke die erste Wahl. Bei dem in Planung befindlichen Hallenbad in Oppenheim (D) wendet man sich den Möglichkeiten einer Energiezufuhr auf der Basis von Wasserstoff zu und strebt damit eine autarke Versorgung an. Eine geschickte Wärmerückgewinnung schliesst neben dem vor Ort anfallenden Brauchwasser auch das Abwassersystem der Stadt mit ein. Der in Spitzenzeiten erwartete überschüssig produzierte Strom aus der Photovoltaikanlage wird den Besuchenden an E-Tankstellen für ihre Autos angeboten.

Soziologische Aspekte wie der Schwimmunterricht für Menschen, die kulturell nicht mit Wasser als Erholungsort in Berührung gekommen sind, oder Angebote für die wachsende Schar der älteren Menschen schlagen sich räumlich in besonderen Ansprüchen an eine gute Orientierung und eine gesteuerte Akustik nieder.

Nicht zuletzt erfährt die Integration der baulichen Anlagen inklusive Wasserbecken und Aussenraum in den bestehenden Kontext wachsende Aufmerksamkeit. Die Sichtbarkeit eines ressourcenschonenden Umgangs mit Baumaterial und ein sanfter Übergang in die natürliche Umgebung haben die raumgreifenden Ideale der 2000er-Jahre abgelöst.

Im Vorraum der Berliner Ausstellung steht eine Reihe von Umkleidekabinen, die mit Videostationen ausgerüstet sind. Hier sind zu den Themen Atmosphäre, Sanierung, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit kurze Statements der Architekten und Fachplaner – ja, es kommen ausschliesslich Männer zu Wort – zu sehen. Die Vielfalt der Anforderungen aus Sicht der Beteiligten ist beeindruckend und regt beim nächsten Schwimmbadbesuch zu einem neuen Blick auf die Umgebung an.

Swimming in Atmosphere ist noch bis zum 31. Januar zu sehen im Aedes Architekturforum, Berlin.

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