Po­ten­zi­al­mes­sung an Stahl­be­ton­bau­ten

Die Potenzialmessung geniesst als nahezu zerstörungsfreie Methode zur Erfassung des Korrosionszustands von Stahlbetonbauten in der Baupraxis einen hohen Stellenwert. Ein neues SIA-Merkblatt fasst nicht nur Messmethoden und -auswertung zusammen, sondern verpflichtet Auftraggeber, eine zertifizierte «Fachperson Potenzialmessung» beizuziehen.

Publikationsdatum
22-08-2013
Revision
30-10-2015
Martin Brem
dipl. Bauingenieur ETH, Schweizerische Gesellschaft für Korrosionsschutz (SGK), Zürich, und Institut für Baustoffe, ETH Zürich
Ueli Angst
dipl. Bauingenieur ETH, Schweizerische Gesellschaft für Korrosionsschutz (SGK), Zürich, und Institut für Baustoffe, ETH Zürich

Die Messmethode wird primär zur Zustandserfassung und als Grundlage für die Planung von Instandsetzungsmassnahmen herangezogen. Typische Anwendungsobjekte sind Verkehrsinfrastrukturbauten wie Brücken, Tunnels, Galerien, Stützmauern oder Parkhäuser. Potenzialmessungen können aber auch im Hochbau, z. B. bei Balkonen oder Fassaden, eingesetzt werden. 

Ein wichtiger Vorteil der Potenzialmessung gegenüber anderen Untersuchungsmethoden ist, dass sie relativ effizient flächendeckende Informationen liefert. So lassen sich mit einer Mess-Equipe je nach Gegebenheiten Betonflächen von 1000 m2 oder mehr in einem Arbeitstag messen.

Ein weiterer Vorteil ist, dass mittels Potenzialmessungen an der im Beton eingebetteten Bewehrung ablaufende Korrosion detektiert werden kann, bevor sich dieser Schädigungsprozess an der Oberfläche visuell manifestiert, sei es durch Risse, Rostfahnen, Abplatzungen etc. Damit können Schäden zu einem relativ frühen Zeitpunkt erkannt werden, was das Ausmass der erforderlichen Instandsetzungsmassnahmen entsprechend reduziert. 

Neues SIA-Merkblatt

Im Frühjahr 2013 wurde die überarbeitete Ausgabe des Merkblatts SIA 2006 «Planung, Durchführung und Interpretation der Potenzialmessung an Stahlbetonbauten» publiziert. Damit verfügt die Schweiz über ein im internationalen Vergleich einzigartiges Regelwerk. Es enthält detaillierte Hinweise zur Planung und Ausführung der Messungen, insbesondere zur Auswertung und Interpretation der Resultate.

Das statistische Vorgehen und die Berücksichtigung von zusätzlichen Untersuchungsmethoden werden beschrieben. Das Merkblatt richtet sich primär an Prüflabors und spezialisierte Ingenieurbüros, die Potenzialmessungen anbieten; mit Hinweisen zur Ausschreibung dient es auch Bestellern wie Bauherren und Ingenieuren als hilfreiche Informationsquelle. 

Zertifizierung ist Verpflichtend

Eine der wesentlichen Neuerungen gegenüber der ersten Fassung von 1993 ist die Einführung der «Fachperson Potenzialmessungen» und der entsprechenden Personenzertifizierung. Punkt 2.1.3 des neuen Merkblatts lautet: «Potenzialmessungen dürfen nur unter der Leitung und Verantwortung einer ‹Fachperson Potenzialmessung› durchgeführt werden.» Sie muss für diese Tätigkeit von einer unabhängigen Instanz zertifiziert sein. 

Ziel dieser neuen, verpflichtenden Personenzertifizierung ist es, einen minimalen und unter verschiedenen Anbietern vergleichbaren Qualitätsstandard zu gewährleisten. Denn obwohl das Messprinzip der Potenzialmessung relativ einfach ist, erfordert die korrekte Durchführung am Bauwerk, das heisst unter Feldbedingungen, solide Kenntnisse der Messtechnik. So beschreibt das Merkblatt zur Vermeidung von messtechnischen Fehlern diverse Messungen zur Vorbereitung bzw. Kontrolle und definiert entsprechende Grenzwerte.

Diese über die eigentliche Potenzialmessung hinausgehenden Messungen wurden bis anhin in der Praxis aufgrund mangelnder Kenntnisse oder Gerätschaften oft nicht angewandt. Weiter ist für die Auswertung bzw. korrekte Interpretation fundiertes Fachwissen der Materialtechnologie erforderlich. Auch hier soll die Personenzertifizierung sicherstellen, dass die Fachpersonen entsprechend qualifiziert sind. 

Weiterbildung und Zertifizierungsprüfung

Im Rahmen dieser Zertifizierung wird neu ein zweitägiger Kurs angeboten, der im Frühling  2013 zum ersten Mal an der ETH Zürich durchgeführt wurde. Es sind weitere Kurse vorgesehen; die nächste Gelegenheit bietet sich im November 2013 (vgl. Kasten). Ziel dieses Kurses ist es, die Teilnehmer für die Zertifizierungsprüfung vorzubereiten. Dazu wird der Inhalt des Merkblatts anhand von Referaten und Praxisbeispielen vermittelt.

Alltagsbezogene Übungen, in denen die Teilnehmenden Messtechnik und Auswertung praktizieren können, erhalten dabei besonderes Gewicht. Der Kurs räumt auch viel Platz für Diskussionen ein. Die Zertifizierung wird schliesslich von der unabhängigen, akkreditierten Zertifizierungsstelle S-CERT AG im Rahmen einer Prüfung durchgeführt. Diese umfasst sowohl einen theoretischen als auch einen praktischen Teil.


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Kurs «Fachperson Potenzialmessung»

Nächster Kurs: 14.–15.11.2013
Kursort: ETH Zürich, Campus Hönggerberg
Zertifizierungsprüfung: 20.11.2013
Prüfungsstelle: S-CERT AG, Wildegg


Weitere Informationen:

Kursleitung: Dr. Ueli Angst, uangst@ethz.ch
Webseite: www.ifb.ethz.ch/corrosion/news/Kurs_Potenzialmessung

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