Re­vi­val der Col­la­ge

Mitten aus dem Hochschulleben: In loser Folge berichtet unser Gastautor von absurden, lehrreichen und eigenartigen Episoden des Architekturstudiums.

Publikationsdatum
07-03-2019
Revision
07-03-2019
Lorenz Zahler
Hochbauzeich­ner und Journa­list, Architekturstudent an der Hochschule Luzern

Nach unzähligen Modellbaustunden im letzten Semester wird nun ein Tutorial-Video nach dem anderen geschaut, bis man 3-D- und Renderprogramme beherrscht. Aber: Rendering ist nicht gleich Rende­ring. Ein Blick in die Wettbewerbsliste Schweizer Architekten zeigt: Es gibt den Drang weg vom fotorealistischen Bild, zurück zur Collage. Für seine ­Masterthesis «Exodus» musste Rem Koolhaas 1972 noch schneiden, kopieren und zusammenkleben, bis das gewünschte Bild erreicht war.

Heute geht das mit Photoshop ­wesentlich einfacher. Eine Google-Suche zeigt: Die neue Art zu visualisieren heisst «Post Digital Dra­wing». So nennt sich das Darstellen von Projekten nach Art einer Col­lage. Oft ähneln die Bilder einer ­Ölkreidezeichnung auf grobem Struk­turpapier, als seien sie noch grossformatig von Hand ­gezeich­net worden.

Woher kommt dieser Wandel? Hängt der Trend vielleicht auch mit dem formalen Ausdruck der Architektur zusammen – oder ist es ein rein auf Effizienz ausgelegtes Werkzeug, da ein Filter die Ungenauigkeiten beim Rendern verwischt? Manche heutige Architekturdarstellung (zum Beispiel der Letziturm von Armon Semadeni Architekten) ähnelt stark solchen von 1988, wie sie in den ETH-Studios von Miroslav Šik gemacht wurden – damals noch von Hand, versteht sich. Vielleicht sollte auch ich öfters wieder einmal zu Bleistift, Schere und Leim greifen.

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