Her­aus­for­de­rung Ver­dich­ten

Urbanes Verdichten – Tagung der Stahlbauer

Verdichten ja – aber worauf achten? Städtebau und Architektur, Anpassungen von Konstruktion und Fundation – die Tagung ging auf die verschiedenen Aspekte ein.

Publication
20-08-2015
Revision
08-10-2015

Der Zersiedelung des Landes zu begegnen heisst verdichten. Abgesehen von städtebaulichen und architektonischen Herausforderungen müssen die Ingenieure den Projekten zu einem tragenden Erfolg verhelfen.

Meist wird beim Verdichten ein bestehendes Gebäude mit einem Neubau aufgestockt. Diese Kombination bedingt Tragfähigkeitsnachweise. Der Neubau wird mit den Normen SIA 260 bis 267 dimensioniert. Die Nachweise stützen sich auf das konventionelle Verfahren: Die planmässig gegebenen Lasten mit den Lastbeiwerten werden mit dem abgeminderten Widerstand der Konstruktion verglichen. 

Der bestehende Bau ist gemäss der Norm SIA 269 zu überprüfen. Man erhebt vom bestehenden Tragwerk dessen System und Materialien, legt die Lasten fest, und mithilfe des Zuverlässigkeitsindexes β (Norm SIA 269, Anhänge B und C) kann das Tragwerk mit den daraus abgeleiteten Überprüfungswerten beurteilt werden – so schöpft man das Potenzial des Bauwerks aus.

Ältere Gebäude genügen den neuen Anforderungen meist nicht, denn die Bemessung auf Erdbeben wurde früher oft nicht verlangt oder mit kleineren Lasten. Wird der Neubau auf das Gebäude aufgesetzt, verstärkt das bei bis rund zehn Stockwerken die Belastungen übermässig. Unregelmässigkeiten in der Vertikalen wirken sich noch verstärkend aus – bei Aufstockungen ist daher eine Kon­trolle der Erdbebentüchtigkeit verpflichtend vorgeschrieben. Oft kann im Neubau ein Schwingungstilger eingebaut werden.

Weil die Fundationen oft unzugänglich sind, gestaltet es sich meistens recht aufwendig und komplex, sie zu verstärken. Dabei ist neben der Tragfähigkeit auf die Gebrauchstauglichkeit zu achten, denn je nach Steifigkeit des Baugrunds ­können die höheren Lasten erst nach den entsprechenden Vorbe­lastungen und -verformungen aufgenommen werden. Für die Er­tüchtigungen stehen verschiedene Strategien zur Verfügung, die sich aber immer an die vorhandene ­Fundationsart und den Baugrund anpassen müssen. 

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