Ge­brauch­te Tei­le für neue Bau­ten

Editorial TEC21 35/2019

Publikationsdatum
29-08-2019

Die Volksinitiative «Für eine nachhaltige und ressourceneffiziente Wirtschaft (Grüne Wirtschaft)» verlangte im Jahr 2016, dass Bund, Kantone und Gemeinden Massnahmen ergreifen, damit die Wirtschaft sparsam mit Material umgeht. Die Initiative wurde abgelehnt.
Unterdessen gibt es in der EU Ansätze, die ein ähnliches Ziel verfolgen. Die Niederlande wollen bis 2050 nicht nur die Bau-, sondern die ganze Wirtschaft zirkularisieren. Die Frage, was mit der riesigen, in die Jahre gekommenen Altbau­sub­stanz der Nachkriegsbauten in Deutschland ­geschehen soll, umfasst den Bauschutt im Fall des Abrisses. Auch bei uns ist das Thema Ressourcenschonung brisanter denn je – Zahlen der Schweizer Bauwirtschaft zeigen, dass ihr Ab­fallberg immens ist. Re-use als ein Teil der an­gestrebten Kreislaufwirtschaft bietet einen mög­lichen Lösungsansatz. Doch Renovationen und Umbauten gibt es schon lang. Ist Re-use alter Wein in neuen Schläuchen? Ja und nein, denn Re-use umfasst nicht nur Instandstellungen oder wieder­verwendete Bauteile, sondern geht darüber ­hinaus. Bauten sollen zukünftig so konstruiert ­werden, dass sie ein «Bauteillager» sind und später wie Bausätze auseinandergenommen und wiederverwendet werden können. Auf dem Weg dahin gibt es viele Hindernisse – rechtlicher, ­materialtechnischer und planerischer Art. Gebäude, die heute abgebrochen werden, sind noch nicht derart konstruiert. Architekturbüros, die mit Gebrauchtteilen neue Bauten erstellen, leisten darum Pionierarbeit. Es ist zu hoffen, dass sich dank ihren Erkenntnissen in Zukunft eine selbstverständliche Praxis des Re-use entwickelt.

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