Energieproduktion trifft integriertes Wassermanagement
Das Energiekonzept des Innovationsquartiers bluefactory in Freiburg zeichnet sich durch die Kombination mit dem integrierten Wassermanagement des Standorts aus; Kern des Systems ist das Wasserreservoir der ehemaligen Cardinal-Brauerei.
Das Projekt bluefactory ging aus der Umnutzung der einstigen Brauerei Cardinal hervor, die ihre Tätigkeit 2010 eingestellt hatte. Es erstreckt sich über ein 60 000 m2 grosses Grundstück in der Nähe des SBB-Bahnhofs und des Stadtzentrums. Hier bündeln sich wissenschaftliche und unternehmerische Kompetenzen, die sich den Herausforderungen der Zukunft widmen, insbesondere im Bereich Stadtentwicklung und Wohnen.
Auf dem Areal sind unter anderem die Lehrkräfte und Forschenden des Instituts Transform der Hochschule für Ingenieurwissenschaften und Architektur in Freiburg (FR) und des Smart Living Labs der EPFL tätig. Getragen wird das Projekt von bluefactory Fribourg-Freiburg, einer Aktiengesellschaft, die zu gleichen Teilen der Stadt und dem Kanton gehört. Langfristig soll es sowohl Arbeitsplätze als auch Bewohnende beherbergen. Mit dem Ziel, ein Vorbild für nachhaltige Entwicklung zu sein, setzt dieses CO2-arme Quartier auf eine innovative Energie- und Wasserstrategie und nutzt dabei einen Teil der alten Industrieinfrastruktur.
Niedertemperaturnetze
Für die Wärmeversorgung des bluefactory-Geländes entwickelte die Energieversorgerin Groupe E ein Konzept, das auf dem Prinzip des Niedertemperaturwärmeaustauschs basiert, um langfristig den Heiz- und Kühlbedarf aller Gebäude des Quartiers abzudecken. Das Konzept ruht auf drei Säulen. Erstens ein Feld aus 200 geothermischen Sonden in einer Tiefe von 250 m, die über zentrale Wärmepumpen betrieben werden.
Dieser Artikel ist erschienen im Sonderheft:
«Immobilien und Energie VIII: Potenzial transformierter Produktionsareale»
Weitere Beiträge zum Thema finden Sie in unserem digitalen Dossier.
Zweitens eine originelle Anlage, nämlich ein ehemaliges Industriebecken mit einem Volumen von knapp 1000 m3. Das Wasser der
Pilettes-Quelle, das früher für die Bierproduktion genutzt wurde, aber heute nicht mehr trinkbar ist, wird darin gespeichert und über einen Wärmeaustauscher thermisch verwertet. Dieser Prozess ist die Hauptenergiequelle des Quartiers.
Drittens – mehr Krücke als Säule – fängt ein Anschluss an das Fernwärmenetz die Verbrauchsspitzen ab. Das Heizkraftwerk befindet sich im Untergeschoss der Halle Grise, der ehemaligen Abfüllhalle der Brauerei. Das Kältenetz (14–16 °C) und das Wärmenetz (35–45 °C) verlaufen durch die Kellerräume der Halle. Die niedrige Temperatur des Wärmenetzes erfordert eine Nachheizung für die Bereitung des sanitären Warmwassers. Hierfür sorgen dezentral installierte Wärmepumpen in den einzelnen Gebäuden.
Die künftige Nutzung der denkmalgeschützten Halle Grise wird derzeit mit dem Kanton diskutiert. Pascal Dupré, Projektentwickler und Vertreter der Bauherrschaft für die Anlagen von Groupe E auf dem bluefactory-Gelände, sieht eine der grössten Herausforderungen des Projekts in der Unsicherheit über künftige Entwicklungen und deren Zeitplan: Heute die Energiezentrale eines Quartiers zu planen und zu bauen, dessen Konturen sich im Verlauf des Projekts weiterentwickeln werden, erfordert einen gewissen Pragmatismus, insbesondere da schwer abzuschätzen ist, wie viele Menschen dereinst hier leben und wie sie die Infrastrukturen nutzen werden. Hierfür ist die Halle Bleue ein gutes Beispiel: Die frühere Lagerhalle von Cardinal wurde 2015 zu einem Arbeitsort umgebaut, indem man 126 vorgefertigte Container aus Schweizer Holz auf drei Ebenen einbaute. Das Energiekonzept sah vor, sie an das Heizwerk anzuschliessen. Da aber die bisherige Wärmepumpe noch einwandfrei funktionierte, beschloss man, sie bis zum Abschluss der Renovierung der Halle, der für 2032–2035 geplant ist, als Inselanlage weiterzubetreiben.
Mikronetz auf begrenztem Raum
Bei der elektrischen Energie steht natürlich die Photovoltaik im Vordergrund. Aus wirtschaftlichen Gründen wurde der Umfang des für bluefactory geplanten Mikronetzes jedoch verringert und umfasst heute nur noch die Halle Grise, die Halle Bleue und das Heizkraftwerk. Groupe E, die mit dem Energie-Contracting beauftragt wurde, ist ebenfalls eine der Akteurinnen des Mikronetzes. Dadurch kann sie den Eigenverbrauchsanteil für die Versorgung der Wärmepumpen maximieren. 3000 m2 auf dem Dach installierte PV-Module sorgen für die Stromerzeugung.
Ein ausgezeichnetes Konzept
Ein bemerkenswerter Aspekt des Energiekonzepts von bluefactory liegt in dessen Kopplung mit einem integrierten Wassermanagement. Das ehemalige Industriebecken bildet die Schnittstelle zwischen Wasser und Energie. Überschüssiges Regenwasser sowie durch Pflanzenklärsysteme vorgereinigtes Grauwasser aus Duschen und Lavabos kann darin gespeichert und zur WC-Spülung, zur Bewässerung der begrünten Flächen oder zur Einspeisung in den quartiereigenen Teich dienen. Für diesen ganzheitlichen Ansatz erhielt das Projekt Sponge City Freiburg1 jüngst einen Sonderpreis im Rahmen des Innovationspreises 2025 des Energiedachverbands InfraWatt, für den das Konzept eine vorbildliche Integration von Wasser und Energie darstellt.
Anmerkung
1 Siehe Philippe Morel, « Sponge City : réemployer l’infrastructure industrielle d’une ancienne brasserie », TRACÉS 6/2024
Areal bluefactory, Freiburg
Nutzung: Gewerbe, Büros, Wohnen
Fläche: 53 000 m2
Status: Baubeginn 2015, Etappe 1 von 2
Auszeichnungen:
InfraWatt Sonderpreis 2025Bauherrschaft: BFF SA
Architektur:
Halle Bleue, Lutz architectes, Givisiez;
Bâtiment B: Ferrari Architectes, Lausanne; Smart Living Lab: Behnisch Architekten, Stuttgart;
Wood-iD: Enoki Architekten, Freiburg
Masterplan Areal:
Kantonaler Nutzungsplan, Kanton Freiburg