Fein ge­wo­be­nes En­sem­ble

Arealtransformation

Die Transformation der Textilfabrik Mels zeigt, dass das Weiterbauen im Bestand, die Wiederverwendung von Bauteilen und das Umbauen mit regenerativen Materialien Ressourcen schonen und Energie sparen kann. Unterschiedliche Herangehensweisen führen dabei zu grosser architektonischer Vielfalt.

Publikationsdatum
16-12-2025
Isabel Borner
Redaktorin Umwelt/Energie und Architektur espazium magazin

Ein neuer Schräglift verbindet das Dorf Mels mit dem am Hang liegenden Ensemble aus Fabrikbauten und neuen Wohnhäusern. Initiatorin des Projekts ist die Alte Textilfabrik Stoffel AG (ATS), die es mit den Architekten Michael Meier und Marius Hug realisierte. Die Geschichte begann 1867, als Jakob Schuler-Heer wegen der Wasserkraft der Seez seine Spinnerei und Weberei dort errichtete. Bald arbeiteten hier 600 Personen. Nach Besitzerwechseln und Niedergang endete die Textilproduktion 1995. 2009 übernahm Kraftwerk Stoffel, 2012 die neu gegründete ATS.

Heute tragen die Bauten Namen wie Spinnerei, Weberei, Färberei, Öffnerei oder Kraftwerk. Letzteres beherbergt noch Tur­binen und den alten Dieselgenerator, künftig auch ein Restaurant. Insgesamt ent­standen 250 Wohnungen, viele davon sind Lofts. Ein Highlight ist die Öffnerei mit 76 Mietwohnungen. Die Spinnerei beherbergt 28 m tiefe Lofts, die Weberei 18 m breite Wohnungen und die Färberei dreigeschossige Town Houses. Im Zentrum des Areals liegt der Stoffelplatz aus rotem Verrucano-Stein, dessen Muster die Landschaftsarchitektin Rita Illien von Kette und Schuss ableitete.

Dieser Artikel ist erschienen im Sonderheft:

«Immobilien und Energie VIII: Potenzial transformierter Produktionsareale»

Weitere Beiträge zum Thema finden Sie in unserem digitalen Dossier.

Architektonisch gelang die Verbindung von Alt und Neu: Hohe Fabrikgeschosse treffen auf kompakte Neubauten, vereint durch strukturierte Fassaden in Grau- und Brauntönen. Ein Grünraum trennt Ensem­ble und Dorf. Innen beeindrucken kathe­­dralen­artige Erschliessungskerne, unverkleidete Stützen und lichte Raumhöhen von bis zu 3.7 m.

Auch die Energieversorgung ist Teil der Transformation: Das historische Kraftwerk bleibt erhalten; die Anlage ist über das Areal hinaus mit der öffentlichen Stromversorgung verbunden. Das Kraftwerk symbolisiert die industrielle Herkunft und schafft Identität für die neuen Wohn- und Arbeitsräume. Trotz anfänglich zähem Verkauf sind heute fast alle Wohnungen vergeben, die Mietwohnungen rasch vermietet.

Für Bauherr David Trümpler wurde das Zehnjahresprojekt zum Beweis, dass Vertrauen, Mut und Beharrlichkeit auch in Mels ein städtisch anmutendes Quartier ­entstehen lassen können.

Textilfarbik Stoffel, Mels

 

Nutzung
Wohnen, Gewerbe

 

Realisierung
2016–2023, 4 Etappen

 

Kosten
170 Mio. CHF

 

Arealfläche/Bauland
rund 36 000 m²

Bauherrschaft 
Alte Textilfabrik Stoffel, Mels (8 Investoren)

 

Architektur
Meier Hug Architekten, Zürich

 

Tragkonstruktion
Conzett Bronzini Partner, Chur 

 

Landschaftsarchitektur
Müller Illien Landschaftsarchitekten, Zürich

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