Klei­ner Ein­griff mit Wir­kung

Felippi Wyssen Architekten haben in Basel ein Einfamilienhaus um einen gartenseitigen Anbau erweitert. Auch wenn dieser auf den ersten Blick eher klein wirkt, erzeugt er einen grossen Raumgewinn für die Bewohnerinnen und Bewohner.

Publikationsdatum
25-04-2022

An einem sonnigen Tag im ruhigen, durchgrünten Wohnquartier Basel Bruderholz zieht eine das Licht reflek­tierende Metalloberfläche das Augenmerk der Passantinnen und Passanten auf sich. Sie gehört zu einem neuen Autounterstand, der Teil der Gesamtsanierung ist, die Felippi Wyssen Architekten aus Basel für ein junges Paar mit zwei Kindern realisiert haben. Das Haus wirkt auf den ersten Blick eher unscheinbar. Eine beige Putzfassade mit drei Fenstern, einer Eingangstür und einem Satteldach bildet die Stras­senansicht. Die Familie übernahm das Haus aus dem Jahr 1932 von Verwandten. Durch die Instandsetzung des Bestands und eine Erweiterung im Garten sollte es fit für die Bedürfnisse der neuen Eigentümer gemacht werden.

Eine Empfehlung von Freunden brachte Bauherrschaft und Architekten zusammen. In ersten Gesprächen wurde schnell klar, dass die Einstellung im Umgang mit dem Bestand bei beiden Parteien übereinstimmte, genauso wie die Vorlieben bei gestalterischen Fragen. Gemeinsam eruierten Bauherrschaft und Architekten, wie viel oder wenig es brauchte, um einen räumlichen Mehrwert zu schaffen, und entwickelten ein passendes Konzept.

Die Instandsetzung des Bestands ist zurückhaltend. Der Anstrich der Fassade und der Fenster ist neu, ansonsten haben die Architekten strassenseitig kaum Eingriffe vorgenommen. Fabio Felippi erklärt, dass sie einen besonderen Reiz da­rin sehen, die Spuren der Vergan­genheit sichtbar zu lassen und mit neuen Elementen zu kombinieren. So sind dann auch die Umrisse der alten Garagenmauern an der Ostfas­sade zu erkennen, und zwei zugemauerte Fenster an derselben Wand zeugen von der Geschichte des Hauses. Die auf der Grundstücksgrenze stehende Garagenwand beliessen die Planenden, um hier die Träger für den neuen Autounterstand auf­zulagern. Das Zentrum der Transformation liegt jedoch hinter dem Haus im Garten. Hier steht ein neuer Anbau, der vom Volumen her zwar klein ist, aber grossen Einfluss auf das Raumgefüge des Altbaus hat.

Verlängertes Dach schafft mehr Raum

Der Anbau ist vom Terrain abgehoben. Dadurch entsteht einerseits eine gewisse Leichtigkeit, andererseits ordnet sich der Anbau so dem massiven Altbau unter. Die Form der Erweiterung leiteten die Architekten durch eine Fortführung der Kubatur des Bestandsgebäudes ab. Dach- und Wandlinien verbinden den Neu- mit dem Altbau. Die Materialisierung als Stahltragkonstruktion mit einer lasierten Lärchenholzverkleidung setzt den Neubau vom Bestand ab. Grosse Schiebefenster bilden den Raumabschluss zum Garten hin. Davor liegt eine Terrasse, die mit massiven Holzbohlen gedeckt ist. Das Vordach steigt zum Garten hin an. Damit bietet es eine bessere Weitsicht ins sanft hügelige Basler Umland, zudem wird durch die Geometrie ein grösserer Sonneneintrag im Winter und trotzdem ein guter Hitzeschutz für den Sommer gewährleistet.

Schlanke Gestalt, sichtbares Material

Die Architekten wählten einen Stahlskelettbau mit Stahlzugbändern als Windaussteifung, um beim Fassadenaufbau möglichst schlank arbeiten zu können und um den engen Platzverhältnissen beim Anschluss an den Altbau gerecht zu werden. Als Beplankung wählten sie lasiertes Lärchenholz, das mit der Fassadenfarbe des Altbaus korrespondiert. Die Kombination von eher industriell konnotierten Materialien wie Stahl und der Dachdeckung aus Eternitwellplatten setzt einen Kontrast zur warmen Holzverkleidung. Alle Materialien sind sichtbar, nichts haben die Architekten versteckt, im Gegenteil: Sie setzen die rohen Materialien gezielt als Gestaltungselemente ein.

Raumgewinn und Charme-Erhalt

Der neue überhohe Luftraum lässt die frühere Gartenfassade zu einer Innenraumfassade werden. Wohnzimmer und Küche im Erdgeschoss gehen heute fliessend in den Neubau über. Hier haben die Architekten die Bestandsfassade der unteren Etage abgebrochen, wohingegen die alte Aussenfassade im Obergeschoss weiter besteht. Dadurch, dass die Planenden den rauen Aussenputz beliessen, vermischen sich hier Aus­sen- und Innenraum zu einem neuen Ganzen und vermitteln zwischen Alt und Neu. Eine neue Betonstütze und zwei T-förmig unter der Decke angeordnete Stahlträger ermöglichen den Kraftakt, mit dem die ­Altbaufassade des Obergeschosses gehalten wird.

Bis auf diesen Durchbruch waren in den Räumen des Altbaus nicht viele Eingriffe nötig. Die Bauherrschaft ging ursprünglich von einer stärkeren Bestandssanierung aus, bei der zum Beispiel auch die alten Türblätter durch neue ersetzt worden wären. Im Dialog zwischen Familie und Architekten wurde aber schnell klar, dass die Instandsetzung des Altbaus mit minimalem Aufwand passieren sollte, um den Charme der alten Zeit ins Heute zu transferieren. So verleihen die alten rauen Balken im Dachzimmer dem Raum noch immer eine gemütliche Atmosphäre, und die Holztreppe knarrt beim Auf- und Abstieg unter den Füssen.

Am Bau Beteiligte

 

Bauherrschaft
Privat
 

Architektur
Felippi Wyssen Architekten, Basel
 

Tragkonstruktion
Konstruktiv, Gränichen
 

Bauphysik
Ehrsam Beurret, Pratteln
 

Stahlbau
Kälin Metallbau & Kunstschlosserei, Binningen
 

Holzbauplanung
Hürzeler Holzbau, Magden
 

Fensterbau
Wisler Holzbau, Hölstein

 

Bauzeit
2019–2021