Kostspielige Transparenz

Instandsetzung Amtshaus Helvetiaplatz

Nach zweieinhalb Jahren lüftete sich kürzlich der Vorhang um das Amtshaus am Helvetiaplatz wieder: Zum Vorschein kommt das 1963 von Walter, Doebeli + Hoch Architekten entworfene Gebäude als umfassend instand gesetzter Bau. Die architektonische Aufgabe für Kaufmann Widrig Architekten beinhaltete den Erhalt des Erscheinungsbilds nach denkmalpflegerischen Vorgaben und gleichzeitig die Erfüllung von städtischen und gesetzlichen Auflagen.

Hella Schindel Architektur, Redaktorin TEC21

Während zahlreiche zeitgenössische Vertreter der rationalen Moderne noch immer um eine breitere Anerkennung ringen müssen, kam in diesem Fall dem Erhalt des Erscheinungsbilds eine hohe Wertschätzung zu – nicht zuletzt wegen der Referenzen an die Gestaltungsmaximen Le Corbusiers, die den radikalen Betonbau deutlich prägen. Aufgrund seiner prominenten städtebaulichen Positionierung auf dem Helvetiaplatz und der gesellschaftspolitischen Verankerung im Gedächtnis der Stadtzürcher nimmt er eine besondere Stellung ein.

Die Tragfähigkeit des fein dimensionierten Stahlskelettbaus auf zwei Stützen war durch eine fortschreitende Carbonatisierung des Sichtbetons nicht mehr gegeben. Neben Massnahmen zur Erdbebenertüchtigung war auch die energetische Sanierung des Hauses entsprechend dem geforderten Minergiestandard aufwändig. Zu seinem 50-jährigen Bestehen wurde der Bau samt Platz ins Inventar schützenswerter Gärten und Anlagen aufgenommen. Viel planerische Sorgfalt und Geld flossen daher in den Erhalt des charakteristischen Erscheinungsbilds der Betonfassade und in die Rekonstruktion der horizontalen Aluminiumfenster. So konnte die zusätzlich nötige Dämmung nur innenseitig aufgebracht werden.

Um die Sonneneinstrahlung regulieren zu können, die die Arbeitsplätze früher stark beeinträchtigte, wurden zusätzlich zu den aussenliegenden Jalousien und speziellen Sonnenschutzverglasungen Rollos auf der Innenseite der Fenster eingefügt. Auch hier galt es, raffinierte Details und Schichtungen inklusive Leuchtkörpern im Bestand zu berücksichtigen und neue Akustikelemente zu integrieren.

Die zeittypische Materialästhetik kommt den heutigen Vorstellungen von sichtbaren Baumaterialien wiederum entgegen. Neue Einbauten aus dem im Bestand eher zurückhaltend eingesetzten Ulmenholz stehen im Kontrast zu den vorherrschenden Materialien wie Glas, Aluminium und Sichtbeton und werten deren kühle Eleganz auf. Versetzbare Leichtbauwände ermöglichen die flexible Nutzung der Räume. Eine den Sicherheitsbedürfnissen angepasste Entflechtung der öffentlichen und internen Wege konnte dank den bestehenden zwei Treppenhäusern umgesetzt werden. 

Der Kostenrahmen von gut 50 Millionen Franken wird zwar eingehalten, liegt aber reichlich hoch für ein Gebäude dieser Grösse, das zukünftig 170 Arbeitsplätze beherbergt. Insbesondere die Schadstofffreiheit, die energetischen Vorgaben zur 2000-Watt-Gesellschaft, die statische Sicherheit und der sommerliche Wärmeschutz wirkten prägend auf Architektur und Kosten. Rund ein Fünftel der Bausumme fallen auf die Instandstellung und Öffentlichmachung der Tiefgarage (Fertigstellung Mai/Juni 2019) sowie auf den Ausbau des bisher offenen Erdgeschosses mit Café-Bar, Tiefgaragenzugang und Foyerempfang des Sozialzentrums.

Noch im Februar 2019 wird das Sozialzentrum der Region Limmattal, das zuletzt in einer angemieteten Immobilie in der Ausstellungsstrasse beheimatet war, in das Gebäude einziehen. Durch die Vergrösserung des Empfangsbereichs im Erdgeschoss, der im Mai dieses Jahres durch eine öffentliche Café-Bar ergänzt wird, erfüllt sich der Wunsch der Betreiber nach einer niederschwelligen Einbindung des Amts in das Quartier. Diese ist Voraussetzung für eine angemessene Kommunikation zwischen Behörde und Antragstellenden.

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