Nachhaltig bauen – aber wie?

Bauherrschaften wünschen sich vermehrt nachhaltige Bauten. Das Wissen um ­ökologische Materialien und ein gesundes Innenraumklima ist dabei zentral. Doch oft fehlen Fachleute, die den ­Bauherrinnen und Bauherren beratend zur Seite stehen.

Von den rund 1.7 Millionen Gebäuden mit Wohnnutzung in der Schweiz sind fast zwei Drittel vor 1981 gebaut worden. Etliche Erneuerungen und Sanierungen stehen somit an. Damit diese nachhaltig gelingen, müssen Planende sowie Bauherrinnen und Bauherren Kriterien für die Beurteilung von Baustoffen, Konstruktionen und Energiesystemen über den ganzen Gebäudelebenszyklus festlegen und interpretieren. Dazu gehören nicht nur Planung und Realisierung, sondern auch Betrieb und Rückbau.

Umweltwirkung von Baumaterialien

Ein wichtiger Punkt des nachhal­tigen Bauens ist die Wahl der Baumaterialien. Früher verbaute man Naturstein, Holz und Lehm. Diese Baumaterialien standen in der nähe­ren Umgebung zur Verfügung. Mittlerweile hat sich das stark geändert. In den letzten Jahrzehnten sind ­viele neue Bauprodukte mit unterschiedlichen Eigenschaften entwickelt worden, die nach Gebrauch bei der Entsorgung Probleme schaffen. Da­zu zählen Abwasserrohre aus PVC, Gipsfaserplatten und zementgebundene Holzwerkstoffplatten und Flüssigkunststoff-Abdichtungen. Instrumente wie die Norm SIA 112/1 Nachhaltiges Bauen – Hochbau, der Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz (SNBS) oder die eco-bau-Standards geben Hinweise, wie Nachhaltigkeitsaspekte früh in Projekte integriert werden.

Im Bauwesen ist die graue Energie (d. h. der kumulierte Aufwand an nicht erneuerbarer Primär­energie) ein Leitindikator für die Umweltbelastung eines Bauteils oder Bauwerks. Das SIA-Merkblatt 2032 Graue Energie definiert, wie sie berechnet wird. Vergleiche der grauen Energie von un­terschiedli­chen Baukonstruktionen können beispielsweise mit dem elektronischen Bauteilkatalog gemacht werden. Bei Neubauten kann die graue Energie sogar höher ausfallen als die Betriebsenergie der gesamten Nutzungsdauer eines Gebäudes. Dies gilt vor allem bei Bauten mit komplizierter Tragstruktur, hohem Glasanteil in der Fassade oder grossem Volumen unter Terrain.

Wird die graue Energie von Beginn der Planung bis zur Realisierung berücksichtigt, lässt sie sich um bis zu einem Drittel verringern. Das ist auf zwei Arten möglich: zum einen, indem nur so viel geplant und gebaut wird wie nötig (zum Beispiel durch effiziente Grundrisse und optimierte Untergeschosse), zum anderen, indem ressourcenschonend geplant und gebaut wird. Dabei gewinnen neue Materialkombinationen wie der Holz-Beton-Hybridbau an Bedeutung. Heimische Baustoffe wie Lehm und Buchenholz erleben eine Renaissance. So wird an der ETH im House of Natural Resources (selbst ein Hybridbau) darüber geforscht, wie Buchenholz vermehrt im Bau eingesetzt werden kann.

Dos und Don’ts für ein gesundes Innenraumklima

Viele Menschen halten sich rund 90 Prozent ihrer Zeit in Innenräumen auf. Umso wichtiger für das Wohlbefinden ist ein gesundes Innenraumklima. Viele Faktoren wirken sich positiv auf die Gesundheit aus: eine gute Belichtung mit Tageslicht, ein optimal abgestimmter Schallschutz, eine gute Raumakustik, ­genügend Frischluft sowie emis­sionsarme Baumaterialien für die Materialisierung der Innenräume. Zu vermeiden sind Biozide, Formaldehyde oder Lösungsmittel, die die Raumluft belasten und gesundheitliche Probleme verursachen.

Der Verein eco-bau liefert mit den Eco-BKP-Merkblättern und der Eco-Devis für die Ausschreibung wertvolle Hinweise für nachhaltiges Bauen.
 

Lehrgang eco-bau «Nachhaltiges Bauen»
Um das Wissen zum nachhaltigen Bauen bei Fachplanerinnen und Fachplanern sowie Bauherrinnen und Bauherren zu erweitern und zu vertiefen, bieten die Vereine SIA und eco-bau gemeinsam einen Lehrgang an. Er vermittelt an vier Kurs­tagen einen Überblick über die Konzepte und Werk­zeuge des nachhaltigen Bauens. Der erfolgreiche Abschluss des Kurzlehrgangs ermöglicht es den Teilnehmenden, für sich und ihr Unternehmen den Titel «Fachpartner eco-bau» zu erwerben. Die Kurse können auch einzeln besucht werden. Mitglieder von eco-bau und SIA erhalten Vergünstigungen. Darüber hinaus werden Vertiefungskurse und Abendveranstaltungen zu aktuellen Themen angeboten.
Anmeldungen über www.sia.ch/form

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