Neue Norm SIA 115 Ko­sten im Hoch­bau

Kosten sind bei Bauvorhaben entscheidend für den Projekterfolg, lassen sich zu Beginn aber nur prognostizieren. Wie sich mit dieser «Kostenungenauigkeit» planen lässt, ist Inhalt der neuen Verständigungsnorm SIA 115 Kosten im Hochbau.

Data di pubblicazione
25-05-2022

Von Beginn an stellen die ­Kosten bei Bau­vorhaben ­entscheidende Weichen und müssen entsprechend sorgfältig behandelt werden. Anders als bei ­einem Konsumgut, bei dem die ­Produktionskosten meistens vorab kalkuliert werden können, werden die Kosten bei Bauvorhaben über den gesamten Planungsprozess hinweg iterativ ermittelt. Entsprechend umfangreich ist die Literatur zu den Methoden der Ermittlung bis zur Erörterung juristischer Fragen.

Auftraggebende und Auftragnehmende stehen während des Bauvorhabens in gegenseitiger Abhängigkeit mit ihren jeweiligen Verantwortungsbereichen, die sich nicht delegieren lassen. Der Planungs- und Bauprozess führt nur dann zum Projekterfolg, wenn die Kommunikation zwischen den Akteurinnen und Akteuren reibungslos funktioniert. Die neue Norm SIA 115 Kosten im Hochbau soll diesen Prozess unterstützen. Als kompakte Verständigungsnorm dient sie dazu, das Verständnis aller am Bau Beteiligten auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen.

Inhalt mit Fokus auf Kostengenauigkeit

Den Betrachtungshorizont der Norm bilden die Anlage- und Erstellungskosten. Die erläuterte Vorgehens-weise lässt sich analog auf die Lebenszykluskosten übertragen. Den Einstieg macht ein umfassendes Glossar mit Begriffen, die für die Kostenplanung relevant sind, wie Kostengenauigkeit, Reserve, Risiko oder Unvorhergesehenes. Das Hauptkapitel ist der Kostenplanung gewidmet, von der Kostenermittlung über die Kostenkontrolle bis zur Kostensteuerung. Ein wesentlicher Aspekt ist dabei die Einordnung von Risiken, einerseits durch Klassifizierung – Eintretenswahrscheinlichkeit und Kostenfolgen –, andererseits in Bezug auf die Verantwortlichkeit des Auftragnehmers im Rahmen seiner Sorgfaltspflicht.

Da Kostenermittlungen mit Ausnahme der Baubuchhaltung und der Schlussabrechnung immer Prognosen sind, ist die Genauigkeit ­dieser Kostenermittlungen von zentraler Bedeutung. Auf sie wird im Schlusskapitel separat eingegangen. Von der Gliederung von Bauvorhaben nach Art der Kosten und Kostenelementen über die phasengerechte Abstufung der Kostengenauigkeit zur Unterscheidung von geplanten Kosten und nicht planbaren Positionen wie Bestellungsänderungen, Unvorhergesehenes oder Teuerung erhalten Planerinnen und Planer das nötige Wissen zur Einhaltung ihrer Sorgfaltspflicht. Denn wo Auftragnehmende keine Kontrolle haben, tragen sie auch keine Verantwortung. Das müssen sie aber zuerst wissen und ihrem Vertragspartner klar kommunizieren.

Abgerundet wird die Norm durch einen Anhang mit informativem und normativem Material, u. a. zu den Elementen der Kostenermittlung, der Gliederungssystematik der Baukosten sowie weiterführenden Publikationen. Die Norm SIA 115 ist keine Norm für die Ermittlung der Kosten im Bauwesen, die sie im Sinn der Methodenfreiheit explizit nicht behandelt. Die neue Norm soll die Vertragsparteien – Auftragnehmende und Auftraggebende – dabei unterstützen, die wesentlichen Aspekte bezüglich der Kosten innerhalb des Prozesses zu erkennen und gemeinsam festzumachen, sodass sich zumindest die Lektüre juristischer Fragen erübrigt.

Die neue Norm SIA 115 Kosten im Hochbau ist seit dem 1. Mai 2022 auf Deutsch und Französisch im SIA-Shop, shop.sia.ch, oder via E-Mail an distribution [at] sia.ch erhältlich. Die Norm auf Italienisch wird voraussichtlich im Sommer 2022 publiziert.

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