Woh­nen im En­tli­sberg II

ABZ Allgemeine Baugenossenschaft Zürich

Der Ersatzneubau der ABZ-Siedlung am Entlisberg durch Meier Hug Architekten mit Schmid Landschaftsarchitekten ist fertiggestellt. In sechs Gebäuden mit einem lang gezogenen Hofraum dazwischen wird genossenschaftliches Leben zelebriert.

Data di pubblicazione
30-08-2018
Revision
05-09-2018

Die ABZ-Genossenschaft wurde 1916 gegründet und ist die grösste Wohnbaugenossenschaft in der Schweiz; ihre Liegenschaften befinden sich vornehmlich im Raum Zürich. In den Statuten verankert ist eine Erneuerung der Bauten nach 80 Jahren (eine Ausnahme bilden geschützte Bauten). Auf die 1929/31 erbauten Siedlungen Entlisberg II und III in Zürich traf dies zu, sodass die ABZ verschiedene Architekturbüros aufforderte, sich an einem geladenen Wettbewerb zu beteiligen. Für das Ersatzneubauprojekt Entlisberg II schloss man sechs Parzellen zu zwei grossen zusammen. Meier Hug Architekten gingen 2013 als Sieger aus dem Wettbewerb hervor. Nach der Baueingabe 2014 kam es aufgrund von Einsprachen zu Verzögerungen. Nach zwei Jahren Bauzeit waren die ersten der 213 Wohnungen im Winter 2017 schliesslich bezugsbereit.

Verdichtete Gartenstadt

Inspiration für die Siedlung ist die Gartenstadt. Meier Hug Architekten brachten das Kunststück zustande, die Anzahl der Wohnungen im Vergleich zu früher markant zu erhöhen – von 135 auf 213 – und dennoch ausgedehnte Aussenräume ins Projekt zu integrieren. Das Freiraumkonzept von Schmid Landschafts­architekten bietet neben Spielplätzen, Wegen und Grün­anlagen auch brache Flächen, die von den Bewohnern und Bewohnerinnen beispielsweise als Gemüsegärten genutzt werden können. Das Areal wirkt einladend, das Zusammenspiel der sechs schmalen Bauten mit dem Aussenraum und der Umgebung ist abwechslungsreich.

Die Neupositio­nierung der Häuser schafft einen kompakten städtischen Hofraum, der dennoch gegen aussen hin durchlässig ist. Mit ihren fünf Geschossen sind die Häuser relativ hoch für die Gegend. Um die Grösse etwas herunterzubrechen, griffen die Architekten zu einem optischen Trick und liessen die Fassade gegen oben dunkler werden. Der erdige Farbton wird durch die grobe Körnung des Putzes betont und spiegelt zudem den naturnahen Charakter des Quartiers wider. Die farbliche und haptische Gliederung der Fassade trägt wesentlich zum lebendigen Gesamtbild der Bauten bei.

Für die Wohnqualität spielen die grosszügigen, hofseitigen Balkontürme eine wichtige Rolle. Bewusst wollten die Architekten diese offen halten, denn das erlaubt einen schönen Weitblick auf die ganze Siedlung. Wer mehr Privatsphäre wünscht, kann die Balkone durch verschiebbare Verglasungen und dunkelrote Storen vor Einblicken und Wind schützen. Bei den meisten Wohnungen bilden Wohnzimmer, Küche und Balkon eine von der Stras­senfassade zur Hoffassade reichende Einheit. Strassenseitig sind die Balkone schmaler gestaltet.

Soziale Kompetenz

Vor dem Betreten der Wohneinheit suggeriert eine schmale Bank an der Wand beim hofseitigen Hauseingang eine dörfliche Situation. Man spürt an solchen Details, wie wichtig den Architekten und der Genossenschaft die soziale Dimension des Projekts war. Auch das Treppenhaus wirkt freundlich und hell, Sichtbeton und Natursteinboden schaffen eine aufgeräumte Atmosphäre. Für den Veloraum hat die ABZ in Zusammenarbeit mit einem Metallbauer eine platzsparende Lösung entwickelt, bei der die Fahrräder an einem Metallseil aufgehängt werden. Die Zusammenarbeit zwischen Genossenschaft, Architekten und Bewohnern war intensiv. Solche Kooperationen tragen gerade bei partizipativen Prozessen (etwa bei der Gestaltung des Aussenraums) ihre Früchte.

Beim Besuch einer 4-1/2-Zimmer-­Wohnung zeigt sich die intelligente Planung der Grundrisse. Die Durchschusswohnungen sind grosszügig geschnitten und in der Aufteilung der Räumlichkeiten gut durchdacht. Die Küche ist zwar offen, grenzt sich durch einen Sturz dennoch etwas vom Wohnzimmer ab. Mit Parkett und rotem Klinkerboden haben die Architekten für eine warme Innenraumatmosphäre gesorgt, auch die beiden Bäder fallen durch sorgfältig gewählte Materialien auf, wie etwa die durchgefärbten portugiesischen Fliesen. Die Mieten sind für die Stadt Zürich durchaus gemässigt, und gerade in Anbetracht der schönen Lage macht das die Wohnungen noch attraktiver.

Genossenschaftliches Zusammenleben

Im mittleren Baukörper befindet sich der Gemeinschaftsraum, den die Bewohner der Siedlung auch für Privatanlässe mieten können. Dass es genügend andere Räume gibt, die im Dienst der Gemeinschaft stehen, wie etwa die beiden siedlungseigenen städtischen Kinderhorte, ist als Pluspunkt zu werten. Im Zentrum des gesamten Projekts steht das Funktionieren des genossenschaftlichen Zusammenlebens, das Erfüllen von zeitgemässen ökologischen Anforderungen (die Neubauten sind im Minergie-P-Eco-Standard gebaut, jedoch nicht zertifiziert) sowie die hohe architektonische Qualität.

Im Hof fallen einige erratische Skulpturen auf, die in der Vegetation fast untergehen. Sie sind Teil eines Kunst-am-Bau-Projekts des Zürcher Künstlerduos Lutz & Guggis­berg. Die Installation «Umzug der Tiere und Möbel» umfasst rund 50 fabelartige Figuren (Mischwesen zwischen Tier und Möbel) aus gefärbtem Beton und Mörtel und lädt die Bewohnerinnen und Bewohner auf humorvolle Weise dazu ein, ihre Umgebung zu erkunden. Fazit: Der Neubau der Siedlung hat auf der ganzen Linie eine Steigerung der Lebens­qualität mit sich gebracht.

Am Bau Beteiligte
 

Bauherrschaft
ABZ Allgemeine Baugenossenschaft Zürich
 

Architektur
Meier Hug Architekten, Zürich
 

Totalunternehmer
HRS Real Estate, Zürich
 

Bauingenieure
Urech Bärtschi Maurer, Zürich
 

Landschaftsarchitektur
Schmid Landschaftsarchitekten, Zürich
 

HLS-Planung
Huustechnik Rechberger, Zürich
 

Bauphysik
Kopitsis Bauphysik, Wohlen
 

Bauzeit
Juni 2016 bis Februar 2018

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