Bin­ding-Pre­is für ge­nüg­sa­me Wäl­der

Die Thurgauer Bürgergemeinde Basadingen-Schlattingen wird für ihr Pflegekonzept ausgezeichnet

Nach dem Prinzip «weniger ist mehr» pflegt die Thurgauer Bürgergemeinde Basadingen-Schlattingen ihren 3 km2 grossen Wald seit Jahrhunderten. Die weitsichtige Waldbewirtschaftung wird dieses Jahr mit dem 30. Binding-Waldpreis belohnt.

Data di pubblicazione
26-04-2016
Revision
26-04-2016

Auch in der Waldbewirtschaftung stellen der technische Fortschritt, Innovationen und Effizienzsteigerungen die Weichen auf Wachstum. Doch weder wird damit das Ziel einer dauerhaft ausgewogenen Wirtschaftsweise erreicht. Noch wird so das Problem der zunehmenden Ressourcenknappheit gelöst. Ein nachhaltiges und naturverträglicheres Konzept berücksichtigt dagegen vermehrt den Suffizienzansatz. Die Schweizer Waldwirtschaft ist, gemäss der Sophie- und Karl-Binding-Stiftung, geradezu prädestiniert, Genügsamkeit vorzuleben. Mit kluger Beschränkung der Ziele und Mittel soll der Ressourcenverbrauch verringert werden, um auch zukünftigen Generationen fruchtbare Böden, trinkbares Wasser und saubere Luft anbieten zu können.

Vorbild über die Forstszene hinaus

Die Stiftung zeichnet mit ihrem diesjährigen Waldpreis die Bürgergemeinde Basadingen-Schlattingen aus, weil «die Preisträgerin beispielhaft zeigt, wie mit dem Weniger-ist-Mehr-Prinzip erfolgreiche Waldbewirtschaftung betrieben werden kann». Die Zurückhaltung gegenüber kurzfristigen Maximierungszielen ermögliche einen langfristigen, ökonomischen und ökologischen Mehrwert. Diese vorbildliche Haltung sei auf andere Branchen übertragbar, wird in der Laudatio für den mit 200'000 Franken höchstdotierten Umweltpreis der Schweiz betont.

Suffizienz in der Waldbewirtschaftung meint für die ausgezeichnete Bürgergemeinde Basadingen-Schlattingen vor allem eine massvolle, jahrhundertealte Holznutztradition: Seit 1392 gilt die Regel, dass einzelne Bäume trotz kurzfristigem Gewinnmaximierungspotenzial nicht gefällt werden dürfen. In der 3 km2 grossen Waldflächen wird anstelle von radikalen Holzschlägen mit Grossmaschineneinsatz eine Einzelbaumpflege durchgeführt. Altbäume werden nur gefällt, wenn sie am Ende ihrer Lebenskraft angelangt sind. Den suffizienten Bewirtschaftungsansatz verstärkte die Bürgergemeinde vor einigen Jahren, als sie mit dem kantonalen Forstamt einen Nutzungsverzichtsvertrag für Alteichen abgeschlossen hat.

Mehrwert für die Natur

Die Selbstbeschränkung ist ökonomisch und ökologisch nachahmenswert: Im ausgezeichneten Wald stehen zurzeit rund 2500 Fichten, 900 Eichen, 300 Buchen und 300 Tannen, alle mit einem Stammumfang von mehr als 2 m. Die Holzqualität einiger der teilweise rund 200-jährigen Altbäume ist überdurchschnittlich wertvoll; mit einem grossen Mehrwert auch für die Natur. Dank der Durchmischung ist der Wald widerstandsfähiger und verfügt über eine vielfältige Alters- und Artenstruktur. So gedeihen Lungenflechten im speziellen Waldinnenklima, und der seltene Grosse Rosenkäfer findet auf den alten Eichen ideale Bedingungen.

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