Lear­ning Cen­ter EPFL

Date de publication
31-08-2020

Dieser Beitrag erschien in «Learning Center EPFL», TEC21 26/2010. Anlässlich unserer Ausgabe TEC21 26/2020 «800 Fenster zum Hof» haben wir ihn für Sie aus dem Archiv geholt.

Solches Aufsehen hat die Architektur der EPFL in Ecublens bei Lausanne zuletzt vor vierzig Jahren erregt. Damals hatten die Tessiner Tita Carloni, Luigi Snozzi, Flora Ruchat-Roncati, Aurelio Galfetti und Mario Botta am Wettbewerb für die Planung des neuen Campus teilgenommen und die Jury mit einem visionären Vorschlag schockiert, der entgegen dem funktionalistischen Dogma neue Bezüge zum historischen Kontext suchte.

Realisiert wurde zwar das Projekt des Zürchers Jakob Zweifel, eine dichte und streng orthogonale Anlage; doch der Entwurf der Tessiner lenkte die Aufmerksamkeit auf eine Entwicklung der Schweizer Moderne, die später unter dem Sammelbegriff «Tendenza» internationalen Ruhm erlangen sollte.

Seit seiner Einweihung ist der Campus mehrfach erweitert worden. In den letzten Jahren sind unter anderem das Informatikgebäude von Rodolphe Luscher (2005) und der Life-Science-Bau von Devanthéry & Lamunière (2009) hinzugekommen, Richter & Dahl Rocha entwarfen ein Cluster für High-Tech-Firmen (im Bau) sowie ein Kongresszentrum samt Wohnbauten (2012), das Idheap-Gebäude von Geninasca Delefortrie steht kurz vor der Fertigstellung. Das Hauptereignis ist jedoch das im Mai eingeweihte, nach dem Hauptsponsor benannte Rolex Learning Center von Sanaa.

Dass der Bau von Stararchitekten stammt – Kazuyo Sejima und Ryue Nishizawa haben 2010 den Pritzker-Preis erhalten, Sejima kuratiert die diesjährige Architekturbiennale in Venedig –, kommt den Plänen des EPFL-Präsidenten Patrick Aebischer entgegen, die Hochschule international neu zu positionieren.

Doch das Learning Center ist mehr als medienwirksame Signature Architecture. Es ist unverschämt aufwendig gebaut, und es ist unverschämt gut. Es bietet jene Begegnungsräume, die dem Campus seit 1970 fehlen. Und es beruht auf der Zusammenarbeit von Sanaa mit dem Ingenieur Mutsuru Sasaki, der bereits am 21st Century Museum of Contemporary Art in Kanazawa (2005) beteiligt war.

«Mr. Sasaki has been kindly joining us to think about whatever it is we might be thinking»1 – in der Wettbewerbsphase des Learning Center hat er dessen Tragstruktur entworfen und digital konkretisiert. Daneben hat Sasaki in den letzten Jahren mit weiteren namhaften japanischen Architekten zusammengearbeitet, unter anderem mit Toyo Ito bei dessen Mediathek in Sendai (2000) und beim I-Project (2005), einem Park mit organisch gewölbten Gewächshäusern in der Bucht von Fukuoka.2 Höchste Zeit, sein Werk auch in Europa zur Kenntnis zu nehmen!
 

Anmerkungen
1 Mutsuru Sasaki: Flux Structure. Musings on Shape Design, Tokio 2005, S. 7
2 Marco Rossi: Innovative Technologie, traditionelle Arbeitsteilung, in: archithese 4.2006, Verlag Niggli AG, Sulgen, 2006, S. 14–19