Das Dilemma mit den neuen Arten

Editorial

Lukas Denzler Journalist, Korrespondent TEC21

Palmen stehen für Sonne, Meer und Sandstrände. Die Chinesische Hanfpalme wächst auch im Tessin. 1830 in Europa eingeführt, war sie eine der ersten ­exotischen Pflanzen, die Ende des 19. Jahrhunderts auf den Brissago-Inseln im Lago Maggiore angepflanzt worden war. Heute ist die Hanfpalme im Tessin immer häufiger auch im Wald anzutreffen. Der Park- und Gartenbaum verwildert. Weibliche Individuen der Hanfpalme bilden schon nach wenigen Jahren Blüten und Früchte, die von Vögeln verbreitet werden. Um die Ausbreitung vom Garten in die freie Natur zu verhindern, sind weibliche Blütenstände vor der Samenreife zu entfernen. Die Baumart wird auf der Schwarzen Liste des Bundes geführt, weil sie sich invasiv ausbreitet. In der Südschweiz ist dies augenfällig. Mit zunehmend milderem Klima könnte eine ähnliche Entwicklung bald auch auf der Alpennord­seite einsetzen.
Die Mobilität der Menschen und der globale Handel sind Gründe dafür, dass immer mehr Arten an neue Orte gelangen. Einige der Neuankömmlinge bereiten Probleme und verursachen Schäden. Die Veränderungen fordern heraus, Vertrautes gerät ins Wanken. Wie und wo eingegriffen werden soll, um neue Arten unter Kontrolle zu halten oder gar zu eliminieren, will gut überlegt sein. Sich seiner Verantwortung bewusst sein muss aber auch, wer Neophyten im eigenen Garten hat. Die Folgekosten können hoch sein.
Eine weitere Erkenntnis: Bei den neuen Arten geht es nie nur um diese. Es geht vor allem um Menschen mit ihren Vorstellungen, Überzeugungen, Einschätzungen, Befürchtungen und Hoffnungen.

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