Vom Bann­wald zum Schutz­wald

Die Betriebsgemeinschaft «Forst Goms» im Oberwallis erhält den Binding Waldpreis 2013. Damit wird die langjährige und pionierhafte Schutzwaldpflege im Goms ausgezeichnet.

Publikationsdatum
15-03-2013
Revision
25-10-2015

In kaum einem anderen Hochtal in der Schweiz ist die Lawinengefahr im Winter so offensichtlich wie im Goms. Den Schutzwäldern oberhalb der Dörfer kommt deshalb seit je eine überlebenswichtige Rolle zu. Während in der Schweiz im Mittel 49% der Wälder Schutzwälder sind, sind es im Goms 73% der Waldfläche.1
Das diesjährige Thema des mit 200.000 Franken dotierten Binding Waldpreises lautete «Schutzwaldpflege: Sicherheit vor Naturgefahren». Für Georg Schoop, Präsident des Kuratoriums für den Binding Waldpreis, sind die Leistungen der Forstbetriebsgemeinschaft «Forst Goms» in mehrfacher Hinsicht beispielhaft. Er hob jedoch besonders hervor, dass es gelungen sei, die früher weitgehend sich selbst überlassenen Bannwälder nach den neuesten Kenntnissen der Schutzwaldpflege nachhaltig zu bewirtschaften. Zukunftsweisend sei aber auch der 2011 erfolgte Zusammenschluss der drei Forstbetriebe Obergoms, Mittelgoms und Schattenseite. 

Wirkungsanalyse im Schutzwald

Als Grundlage für die Schutzwaldpflege in den Kantonen dient seit 2005 die vom Bund herausgegebene Wegleitung «Nachhaltigkeit und Erfolgskontrolle im Schutzwald – NaiS». In ihr sind die Anforderungen an die Schutzwälder der Schweiz sowie das methodische Vorgehen zur Herleitung des Handlungsbedarfs festgehalten. Die Wegleitung beruht massgeblich auf den von der Schweizerischen Gebirgswaldpfleggruppe gewonnenen Erkenntnissen. Im Rahmen dieser Gruppe diskutierten bereits 1986 Forstleute aus Forschung, Lehre und Praxis am Beispiel des Gomser Bannwaldes von Ritzingen darüber, wie diese Schutzwälder am besten gepflegt werden sollten. Die in der Folge dort ausgeführten Massnahmen seien genau dokumentiert und die weitere Waldentwicklung periodisch beobachtet worden, sagt Raphael Schwitter, Mitglied des Kuratoriums und Leiter der Fachstelle für Gebirgswaldpflege am Bildungszentrum Wald und Holz in Maienfeld. Die Schutzwälder im Goms seien sehr lange zurückhaltend genutzt worden, was vielerorts zur Überalterung geführt habe, sagt Fredy Zuberbühler, der bei Forst Goms für die Ökologie und die Schutzwaldpflege zuständig ist. Er erinnert sich, wie er 1986 im Bannwald von Gluringen den ersten Pflegeeingriff plante. Es handelte sich dabei lediglich um einen schmalen Waldstreifen. Die Vorgaben der Gemeinde lauteten: Ja nicht zu viel Holz nutzen, hohe Stöcke stehen lassen und die Arbeiten jeden Tag überwachen. Inzwischen ist der gesamte Bannwald in fünf Etappen gepflegt worden. 

Gezielte Eingriffe

Bei der Schutzwaldpflege wird gezielt in die Bestände eingegriffen. Ziel ist es, einen stufigen Waldaufbau mit kleinen Lücken und stabilen Baumgruppen verschiedenen Alters, den sogenannten Rotten, zu schaffen. Wichtig ist, dass in den Lücken genügend Licht und Wärme auf den Waldboden gelangt, damit junge Bäume nachwachsen können. Wie gross die Lücken sein müssen, damit die allmähliche Erneuerung des Waldbestandes erfolgt, sei einer der ganz wichtigen Fragen, sagt Zuberbühler. Eine gewisse Grösse müssen sie aufweisen. Doch wenn die Lücken zu gross sind, können Lawinen im Waldbestand losbrechen. Und an einem südexponierten Hang sind grosse Lücken auch aus einem anderen Grund heikel: Durch die intensive Sonneneinstrahlung wird es auf dem Waldboden im Sommer sehr heiss und trocken, was den jungen Bäumchen den Garaus macht. 

Knappe Mittel für Schutzwaldpflege

Die Beiträge von Bund und Kanton Wallis ermöglichen im Goms, jährlich 83ha Schutzwald zu pflegen. Bei einem Pflegeturnus von 25 Jahren bedeutet dies, dass lediglich knapp die Hälfte der ausgewiesenen Schutzwälder behandelt werden kann. Die Entschädigung beträgt derzeit 10.000 Fr./ha, während der Aufwand mit 13.000 bis 17.000 Fr./ha veranschlagt wird. Die Differenz versuche man durch den Verkauf des anfallenden Holzes zu decken, sagt Zuberbühler. Aufgrund der derzeitigen Holzpreise sei das aber nicht einfach. Schutzwaldpflege lohnt sich trotzdem, denn sie ist rund 20 Mal günstiger, als wenn technische Schutzbauten erstellt werden müssten.
Der Binding Waldpreis sei eine einmalige Chance, die Forstbetriebsgemeinschaft weiterzuentwickeln, ist deren Betriebsleiter, Willy Werlen, überzeugt. Mit dem Preisgeld wolle man unter anderem eine Potenzialstudie zur Waldnutzung durchführen. Derzeit können mit den vorhandenen Mitteln nämlich nur die prioritären Schutzwälder gepflegt werden. Ziel der Studie ist es, herauszufinden, was nötig wäre, damit auch die restlichen Schutzwälder bewirtschaftet werden können. Auf das Ergebnis darf man gespannt sein. 

Anmerkungen

  1. Projekt SilvaProtect-CH: http://www.bafu.admin.ch/naturgefahren/01920/01964/index.html lang=de
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