Sau­na-Ei­er im Em­pa NEST

Das schrille Forschungsgebäude in Dübendorf hat ein Attikageschoss für Wellness und Fitness erhalten. Für fünf Jahre gilt es auszutesten, ob diese Wohlfühloase auch ohne fossile Energie betrieben werden kann.

Publikationsdatum
04-09-2017
Revision
04-09-2017

Die Kugel gilt als bauphysikalische Idealform für die effiziente Wärmeverteilung. Der Thurgauer Architekt Peter Dransfeld hat sie nun zu einer Ellipse verzogen und drei dieser eiförmigen Körper in das Empa NEST hineingehängt. Dransfeld hatte vor drei Jahren den Wettbewerb für die räumliche Gestaltung der Forschungseinheit «Solare Fitness und Wellness» gewonnen. Am 24. August ist das Modul, als Teil der mehrstöckigen Innovationsplattform NEST, in Dübendorf in Betrieb genommen worden.

In den kommenden fünf Jahren wollen Forscher der Empa und weiterer Fachhochschulen den klimafreundlichen und effizienten Betrieb einer kompakten Wellnesseinheit bis zur Alltagstauglichkeit weiterentwickeln. In den drei Ellipsen befinden sich eine finnische Sauna, ein Dampfbad und eine Biosauna für jeweils vier Personen. Diese hängen in einem quaderförmigen, in Glas und Photovoltaik gehüllten Holzbaumodul, das nun den nordöstlichen Dachabschluss des NEST-Gebäudes bildet.

«Wir wollen beweisen, dass Hitze und Dampf aus erneuerbaren Energiequellen erzeugt werden können und dass dazu nur ein Sechstel des bisherigen Aufwands erforderlich ist», erklärt Projektleiter Mark Zimmermann. Erwünschte Adressaten und Abnehmer der erforschten Konzepte und Technologien sind Hotel- und Wellnessbetriebe. Entsprechend konzipierte, konventionelle Wellnessanlagen konsumieren so viel Energie wie ein kleines Wohnquartier mit zwei Dutzend Einfamilienhäuser. Die Empa-Einheit will sich mit 2000 kWh pro Jahr begnügen.

Thermische Kaskadennutzung

Das Prinzip des klimafreundlichen Probesystems nutzt eine Kaskade aus Wärmerückgewinnung: Für die finnische Sauna ist das Wärmeträgermedium auf 130 °C zu erhitzen; die immer noch 100 °C heisse Abwärme wird dem Dampfbad zur Verfügung gestellt. Danach fliesst die daraus wiedergewonnene Wärme mit 60 °C in die Biosauna, deren Abwärme für das Aufheizen des Duschwassers ausreicht. Und auch diese Wärmequelle wird weiter genutzt: Im Winter werden damit Räume geheizt, im Sommer dagegen gekühlt.

Der energieeffiziente «Motor» dieses Rekuperationssystems ist eine Hochleistungswärmepumpe, die das Kühlmittel CO2 verwendet und «in dieser Form in der Schweiz einzigartig ist», so Zimmermann. Die einzige von aussen zugeführte Energie stammt von der Sonne: mit Kollektoren wird Grundwärme für die CO2-Wärmepumpe erzeugt; neuartige Solarmodule mit Photovoltaiktechnik auf beiden Paneelseiten liefern Strom. Als weitere Neuheit werden Strom erzeugende Fitnessgeräte eingesetzt, die ebenfalls in der NEST-Einheit für Empa-Angehörige nutzbar sind.

Migros beteiligt sich

Organisatorisch wird die solare Wellness vom nationalen Gebäudetechnikverband Suissetec und vom Bundesamt für Energie mitgetragen und -finanziert. Am nun beginnenden Forschungsbetrieb beteiligt sind unter anderem der Migros-Genossenschafts-Bund und weitere rund 30 Firmen, die vornehmlich aus der Wellness- und der Solarbranche stammen. Gemäss Peter Richner, Empa-Vizedirektor, will man so die Innovationsspanne zwischen Forschung und Praxis verkürzen. Gemäss Suissetec-Präsident Markus Huser soll dereinst auch die Grundausbildung von Gebäudetechnikfachleuten davon profitieren.